Von Eric Böhm
München – Es ist ein bisschen wie bei Bill Murrays Hollywood-Klassiker mit dem Murmeltier.
Wenn es vor dem Start einer neuen NFL-Saison um die Favoriten auf den Super Bowl geht, werden reflexartig die New England Patriots um Quarterback Tom Brady genannt (Die NFL-Saison 2014 LIVE im TV auf SPORT1 US und im LIVESTREAM).
Tatsächlich hat Head Coach Bill Belichick eine unglaublich konstante Dynastie aufgebaut. Seit 2003 gewannen sie nur 2008 nicht die AFC East – das Jahr als Brady sich im ersten Spiel eine schwere Knieverletzung zuzog.
Mittlerweile ist der Sunnyboy unter den NFL-Stars aber auch schon 37 Jahre alt, der mutmaßliche Nachfolger ist schon da und der letzte Meistertitel liegt bereits zehn Jahre zurück. Das Fenster scheint sich zu schließen.
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„Diese Skepsis ist in der NFL normal. Wer hätte Peyton Manning in Denver so ein Comeback zugetraut? Wer uns langsam beerdigen will, soll das tun. Wir machen unseren Job und sind überzeugt, den Super Bowl erreichen zu können“, sagt Brady.
Fragezeichen bleiben, denn statistisch gesehen hat der dreimalige Champion sein schlechtestes Jahr seit 2003 hinter sich. Zudem würden die beiden Jungs und Ehefrau Giselle Bündchen sicher gern mehr Zeit mit ihm verbringen.
Leicht ist Bradys Situation im Spätherbst der Karriere nicht: Viele verlässliche Anlaufstellen sind längst weg, Aaron Hernandez kämpft in einem Mordprozess um sein Leben und Tight End Rob Gronkwoski sucht seine alte Fitness und Form.
Die unerfahrenen Receiver wurden lediglich mit Brandon LaFell aus Carolina verstärkt. „Trotzdem haben wir immer noch Tom Brady, er ist unsere Versicherung“, betont Gronkowski.
Das Team wählte in Jimmy Garoppolo in der zweiten Draftrunde aber dennoch schon einmal den mutmaßlichen Nachfolger aus. Der hohe Pick ließ einige Augenbrauen in der Liga nach oben zucken.
Allerdings ist der 22-Jährige vom gleichen College wie Cowboys-Starter Tony Romo (Eastern Illinois) noch längst nicht bereit. Die Zeichen der Zeit sind dennoch eindeutig.
„Ich bin zu den Patriots gekommen, weil hier ‚Win Now‘ das einzige Motto ist. Uns ist klar, dass nur der Super Bowl von uns erwartet wird. Wir haben einige Spieler, die nicht mehr ewig dabei sind“, sagte Neuzugang Darrelle Revis.
Der großartige Cornerback soll zusammen mit Ex-Seahawk Brandon Browner die schwache Passverteidigung auf Vordermann bringen und so den Druck von Bradys Angriff nehmen.
Auch der Düsseldorfer Sebastian Vollmer ist weiterhin ein wichtiger Baustein. Der mittlerweile 30-Jährige muss nach Knöchelbruch allerdings hart um seinen Platz als Bradys Bodyguard auf der rechten Seite der Offensive Line arbeiten.
Bei der Testpleite gegen die Washington Redskins begann er lediglich als Sechster Lineman auf der Position des blockenden Tight Ends.
Ihm sitzen in Marcus Cannon, Jordan Devey und Rookie Cameron Fleming in seiner sechsten NFL-Saison gleich drei jüngere Leute im Nacken. Förderer Dante Scarnecchia hat aufgehört.
Die Krankenakte Vollmers und einiger anderer Schlüsselspieler ist ebenfalls ein großes Thema für Belichick. Gleich acht gestandene Profis kommen nach teils schweren Verletzungen zurück.
„Das ist nicht optimal, aber das geht Konkurrenten auch so. Wie richten alles auf den 1. Spieltag aus. Mehr gibt es nicht zu sagen“, grummelt Belichick in seiner gewohnten Art.
Letztendlich ist kongeniale Duo Belichick-Brady aber immer noch absolute Spitzenklasse. Die recht schwache Division dürfte ihr Übriges in Sachen Playoffs tun.
Ob es aber zum ersehnten vierten Titel – und damit für Brady auf ein Level mit den Rekordhaltern Terry Bradshaw und Joe Montana – reicht, ist immer auch von Tagesform und Glück abhängig.
Auch diese Erkenntnis untermauert die NFL von Jahr zu Jahr aufs Neue – selbst ohne Bill Murray.