Mit seinen scheinbar unbegrenzten finanziellen Ressourcen strebt Saudi-Arabien eine führende Position im internationalen Spitzensport an. Nun will das Königreich offenbar auch im Tennis Fuß fassen.
Das enthüllte Andrea Gaudenzi, der Vorsitzende der ATP, während des vergangenen Turniers im Londoner Queen‘s Club. Der 49-Jährige gab bekannt, dass er „positive Gespräche“ mit dem Public Investment Fond (PIF) über ein Engagement im Tennis geführt habe.
Völlig überraschend dürfte diese Nachricht nicht kommen. Schon länger halten sich Gerüchte über einen Einstieg Saudi-Arabiens in den Tennissport. Angesichts der Geldsummen, über die der PIF verfügt, wäre ein solcher Deal sowieso keine Frage der Machbarkeit aus der Sicht der Saudis.
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Zudem zeigte sich die Nummer eins der Welt, Carlos Alcaraz, gegenüber einem Engagement des Wüstenstaats nicht abgeneigt. „Ich denke, sie haben die Macht, viele Turniere zu veranstalten“, meinte der 20-Jährige nach seinem Turniersieg in London. „Ich habe dort noch nie ein offizielles Turnier gespielt, und wir werden sehen, wie es in Zukunft sein wird. Aber ich habe keine Zweifel daran, dass ich in Zukunft dort spielen werde“.
Saudi-Einstieg im Tennis? ATP-Boss warnt Investoren
Bisher fanden am Persischen Golf noch keine offiziellen ATP-Events statt, aber für Einladungsturniere wurden internationale Stars bereits eingeflogen. In Zukunft dürfte sich das ändern: Laut dem englischen Guardian hat Gaudenzi mit dem PIF über die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für Veranstaltungen, Infrastruktur und Technologieinvestitionen gesprochen.
Doch droht dem Tennis durch den Einstieg Saudi-Arabiens ein ähnliches Szenario wie im Golfsport? Gaudenzi betonte im Gespräch mit der Financial Times, dass man keinesfalls denselben Weg einschlagen wolle.
Er warnte potenzielle Investoren im Tennis, dass sie „die Geschichte des Sports und des Produkts respektieren und mit den derzeitigen Interessenvertretern zusammenarbeiten müssen, statt gegen sie“. Man müsse „etwas bewahren, das fast heilig ist, nämlich die Spielregeln. Dies ist kein Videospiel, dies ist kein Film“.
Auch eine Zersplitterung des Sports stuft Gaudenzi als gefährlich ein. „Sie wollen eine Rangliste und eine einfache Geschichte“, erklärte er. „Letztendlich will man, dass die besten Spieler bei den besten Turnieren der Welt spielen. Je mehr man fragmentiert und aufteilt, desto mehr Verwirrung stiftet man.“
Golf-Szenario soll sich nicht wiederholen
Saudi-Arabien hatte mit der Etablierung der LIV-Serie die Stars der Golfszene gespalten. Wer an Turnieren der LIV-Serie teilnahm, durfte nicht mehr an Veranstaltungen der traditionellen PGA Tour teilnehmen, was für erheblichen Streit sorgte.
Inzwischen ist klar, dass die altehrwürdige PGA Tour und die Konkurrenz aus der Wüste zu einer Einheit fusioniert sind. Der saudische Staatsfonds wird Teilhaber dieser neuen gemeinsamen Organisation.
Im Tennis wird bereits seit längerem erwartet, dass das Saisonabschlussturnier für Spieler unter 21 Jahren, die ATP Next Gen Finals, von Mailand nach Dschidda umziehen werden. Ebenfalls hatte die WTA verkündet, dass der PIF sein Interesse bekundet habe, ein offizielles Event der Tour zu veranstalten.
Kyrgios verkündet deutlich seine Meinung
Tennis-Rüpel Nick Kyrgios steht einem Engagement der Saudis positiv entgegen.
„Endlich“, postete der Australier mit griechischen Wurzeln in Großbuchstaben bei Twitter: „Sie erkennen den Wert. Wir werden das bekommen, was wir verdienen.“
Seinem Beitrag fügte Kyrgios zehn Emojis mit Geldsäcken an.