Ein Zusammenschluss der beiden Tennisverbände WTA und ATP steht schon länger im Raum. Nun gibt es offenbar einen weiteren Fortschritt bei der avisierten Vereinigung. Wie der Telegraph berichtet, soll bei den ATP-Finals in Turin und dem WTA-Finale in Riad eine Abstimmung über die Fusion erfolgen.
Das pikante Detail: Die Aufteilung des Vermögens sieht zunächst 80 Prozent für die Herren und nur 20 Prozent für die Damen vor. Dieses Verhältnis sieht zwar nicht nach Gleichberechtigung aus, spiegelt aber wohl das finanzielle Kräfteverhältnis wider. Die Einnahmen der WTA sollen sich im Jahr 2022 auf 90 Millionen Pfund, die der ATP auf 238 Millionen Pfund belaufen haben.
Dennoch könnte die jetzige WTA-Tour langfristig als Sieger aus der Fusion hervorgehen. Sollte diese nämlich vollzogen sein, würden die neuen Gewinne zu gleichen Teilen unter den Damen und Herren ausgeschüttet.
Das würde auch bedeuten, dass die Damen bei allen Turnieren das gleiche Preisgeld wie die Herren bekämen.
Gewinne würden aufgeteilt
Zur Veranschaulichung: Wenn die gemeinsamen Einnahmen aus einem Sponsoringbereich auf 100.000 Euro geschätzt werden, aber die Attraktivität eines gemischten Pakets stattdessen 110.000 Euro einbringen, dann würde das Synergieeinkommen von 10.000 Euro in 5.000 Euro für jede Partei aufgeteilt werden.
Außerdem würde ein Zusammenschluss auch Kosten senken. „Die WTA würde bei den Agenturgebühren und der Anzahl der Mitarbeiter sparen, man hat also das Gefühl, dass dies ein Gewinn für sie sein könnte“, verriet ein Insider dem Telegraph.
Laufende Verträge bremsen
Doch es gibt bei dem Deal auch Fallstricke. Zum einen hat auf der Seite der Frauen CVC ein Wörtchen mitzureden. CVC ist eine Private-Equity-Gesellschaft, die vor zwei Jahren einen 20-prozentigen Anteil an den kommerziellen Aktivitäten der WTA gekauft hat.
Zum anderen müssten die ATP und WTA ihre TV- und Datenrechte kombinieren. Letztere hat dabei Verträge mit Stats Perform unterzeichnet, die erst 2026 für Live-Übertragungen und 2029 für Daten auslaufen.
Eine Fusion wäre zudem gleichbedeutend mit einer Absage für einen Einstieg Saudi-Arabiens in die Tennisszene. Wie der Telegraph berichtet hatte, plante der saudische Public Investment Fund (PIF) ein Übernahmeangebot in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar – im Falle einer Fusion.
Der PIF dementierte jedoch diese Behauptungen und kündigte stattdessen getrennte Partnerschaften mit der ATP und der WTA an. Eine Fusion würde also die Saudis wohl abschrecken.