Eine Notiz, acht Buchstaben: „Austin, WR“.

Was vermeintlich wie eine Nebensächlichkeit aussieht, war der Startpunkt einer noch nie da gewesenen Rekord-Karriere. Einer Laufbahn, die die Schwimm-Welt für immer verändern sollte. Denn heute vor 25 Jahren machte Michael Phelps diese Notiz wahr: Der US-Amerikaner schwamm im Alter von nur 15 Jahren zu seinem ersten Weltrekord.

In 1:54:92 Minuten unterbot der Junge aus Baltimore die Bestmarke aus dem Jahr 2000 von Tom Malchow um ganze 26 Hundertstel bei den United States Spring Nationals im Jamail Swim Center auf dem Gelände der University of Texas in Austin.

Der Teenie Phelps qualifizierte sich so für seine ersten Weltmeisterschaften und ließ im Laufe der Jahre 38 weitere Weltrekorde folgen. Der US-Schwimmer prägte eine Sportart für die Ewigkeit – und startete damit am 30. März 2001.

Der junge Michael Phelps - und, wie er sich mit 15 Jahren aufschwang, eine Sportart zu verändern
Der junge Michael Phelps – und, wie er sich mit 15 Jahren aufschwang, eine Sportart zu verändernDer junge Michael Phelps – und, wie er sich mit 15 Jahren aufschwang, eine Sportart zu verändern© Swimming World Magazine

Phelps und Bowman: Ein Erfolgsduo im Schwimmbecken

Doch woher kam nun diese ominöse Notiz, die alles in Gang setzte?

Sie entstammt der Feder des Schwimm-Trainers Bob Bowman aus dem Jahr 2000. Der damalige Universitätscoach begann die Zusammenarbeit mit Phelps, als dieser gerade einmal 11 Jahre alt war. Doch das Talent erkannte Bowman schon damals.

Er führte den unscheinbaren Jungen im Alter von 15 Jahren zu dessen ersten Olympischen Spielen, 2000 in Sydney – als jüngster US-Schwimmer seit 68 Jahren. Phelps landete in seinem einzigen Einzelrennen über 200 Meter Schmetterling auf dem fünften Platz.

Und er erhielt noch am selben Abend einen Zettel mit dem Trainingsprogramm für den darauffolgenden Tag von Bowman. Das Mantra: Harte Arbeit, jeden Tag. Handschriftlich an der Seite vermerkt: „Austin, Weltrekord.“

Michael Phelps - damals 16 - bei seinem ersten WM-Titel 2001 in Japan
Michael Phelps – damals 16 – bei seinem ersten WM-Titel 2001 in JapanMichael Phelps – damals 16 – bei seinem ersten WM-Titel 2001 in Japan© IMAGO/TT

Ein gutes halbes Jahr lag zwischen den Sommerspielen in Sydney und den nationalen Frühlingsmeisterschaften im März 2001. Ein gutes halbes Jahr Training wie ein Verrückter.

Denn Phelps ging zwar noch zur Schule, hatte sich mental aber schon ganz dem Schwimmen verschrieben. Unterricht, Schwimmhalle, Bett. So konnte man sich den Tagesablauf in Phelps‘ Jugendtagen vorstellen, Bowman schliff den Diamanten Tag für Tag, Bahn für Bahn.

Und es sollte Früchte tragen. Denn dieser 30. März 2001 fungierte auch als Qualifikation für die Weltmeisterschaften in Fukuoka, Japan, im späteren Jahresverlauf. Doch Phelps‘ Aussichten waren schon damals andere. „Mein Ziel vor diesem Wettkampf war es, den Weltrekord zu brechen“, gestand er unmittelbar nach seinem Ausstieg aus dem Pool.

Phelps‘ irre Statistik: 39 Weltrekorde, 23-mal Olympia-Gold

Und siehe da: Selbst Olympiasieger Tom Malchow, mit 24 immerhin neun Jahre älter als Jungspund Phelps, hielt das aufstrebende Talent nur drei der vier Bahnen lang über 200 Meter Schmetterling in Schach. „Ich wusste aber, dass an der dritten Wand etwas passieren würde“, sagte Phelps nach dem Rennen: „Ich war überrascht, wie nah ich an Malchow dran war, und das hat mir geholfen, ins Ziel zu kommen.“ Und wie.

26 Hundertstel unter der bisherigen Weltrekordzeit von eben jenem Malchow. Aber noch lange nicht das Ende. Mit der Qualifikation für die Weltmeisterschaft hatte Phelps den Grundstein gelegt, in Fukuoka unterbot er erstmals seinen eigenen Weltrekord – und holte sein erstes WM-Gold, da war er schon 16.

In den kommenden anderthalb Jahrzehnten schwamm Phelps die Weltelite in Grund und Boden, holte insgesamt 39 Weltrekorde – allein acht davon über die 200 Meter Schmetterling. 18 Jahre hielt er den Weltrekord über die Distanz, ehe Kristof Milak 2019 dem schwimmenden Goldsammler die Bestmarke entriss.

Bei den Olympischen Spielen 2024 hatte Phelps einen Gastauftritt in einer Willkommensrunde für Olympiasieger
Bei den Olympischen Spielen 2024 hatte Phelps einen Gastauftritt in einer Willkommensrunde für OlympiasiegerBei den Olympischen Spielen 2024 hatte Phelps einen Gastauftritt in einer Willkommensrunde für Olympiasieger© IMAGO/ABACAPRESS

28 Olympische Medaillen, allein 23 davon in Gold, hängen dennoch nach wie vor in der Vitrine von Michael Phelps. Es sind Zahlen, die schier unglaublich klingen. Es sind Erfolge, die eine Sportart veränderten. Und die Notiz, die Phelps‘ Karriere ins Rollen brachte?

Die scheint inzwischen nicht mehr existent. Doch der Urvater dieser Idee, Bob Bowman, hat schon längst neue Schützlinge gefunden. Die heißen nun nicht mehr Michael Phelps, sondern Leon Marchand oder Summer McIntosh.

Letztere übrigens schwamm ihre ersten Weltrekorde „erst“ mit 16 Jahren.