Der letzte Ritt hat alles verändert. Genau vier Jahre ist der Wettkampf nun her, der das Leben von Annika Zillekens (ehemals Schleu) und den Modernen Fünfkampf nachhaltig erschütterte.
Eine verzweifelte Reiterin, ein verstörtes Pferd. Tränen. Schmerzen. Gerte und Sporen. Aus Tokio flimmert das Drama über die TV-Bildschirme der Welt. Wer sein Gerät nicht auf stumm geschaltet hat, hört Kim Raisner über die Außenmikrofone. „Hau drauf, hau richtig drauf!“, ruft die Bundestrainerin ihrer überforderten Athletin zu.
Zillekens‘ Ruf wird stark beschädigt
Zillekens haut drauf, auf Saint Boy, das ihr zugeloste Pferd, das auch unter Gewalteinwirkung nicht so will, wie seine Reiterin.
Es sind brutale Szenen, die sich am 6. August 2021 abspielen. Es geht um Gold. Am Ende verliert Zillekens, die damals unter ihrem Mädchennamen Schleu startet, mehr als eine Medaille. Sie wird als Tierquälerin beschimpft. Ihr Ruf ist beschädigt.
Viel Zeit ist seither vergangen. Zillekens hat geheiratet, 2022 wurde sie Mutter einer Tochter. Schon vor den Olympischen Spielen in Paris im vergangenen Jahr war für sie klar, dass ihre sportliche Karriere direkt im Anschluss ein Ende finden wird.
Hindernisparcours statt Reiten
Die Olympischen Spiele nutzte die mittlerweile 35-Jährige mit Platz 15 für einen versöhnlichen Abschluss. Die Reitdisziplin als Teil des Modernen Fünfkampfes ist seit vergangenem Sommer ebenfalls Geschichte. Ein Hindernisparcours im „Ninja Warrior“-Stil ist künftig offizieller Bestandteil des Wettbewerbs.
Eine Entscheidung, die nach Olympia in Tokio getroffen wurde. Ob der Vorfall mit Saint Boy ausschlaggebend war, ist ungewiss. „Ich persönlich habe manchmal schon das Gefühl, dass ich das Gesicht dieser Änderung bin“, erzählte Zillekens der Berliner Morgenpost.
Die Vergangenheit blendet die 35-Jährige nicht aus. Sie habe „einfach akzeptiert, dass es Teil meiner Geschichte ist, nicht unbedingt der schönste“, sagte sie der Zeit.
Es gab zahlreiche persönliche Beleidigungen im Netz und sogar Morddrohungen. „Man muss nicht versuchen, diesen Teil meiner Sportkarriere auszuschneiden. Er gehört zu mir.“
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)