Radsport-Dominator Tadej Pogacar befindet sich nach seinem dritten Sieg bei der Flandern-Rundfahrt weiter in Bestform und mit Blick auf Paris-Roubaix auf Kurs, Geschichte zu schreiben. Als vierter Fahrer könnte er alle fünf der wichtigsten Rad-Klassiker gewinnen. Jetzt droht dem Slowenen jedoch gewaltiger Ärger.

Wie die belgische Zeitung Het Nieuwsblad berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Ostflandern Ermittlungen gegen Pogacar und weitere Rad-Profis eingeleitet.

Der Grund? Rund 65 Kilometer vor dem Ziel schloss sich am Sonntag eine Bahnschranke vor dem Peloton der Ronde. Während das Warnlicht bereits rot leuchtete, überquerten einige Fahrer dennoch den Bahnübergang – darunter auch die Topfavoriten Pogacar und Remco Evenpoel.

Der Rest des Feldes musste vor den Schranken warten. „Das war nicht schön. Nicht einmal zehn Meter vor dem Übergang sind drei Männer auf die Straße gesprungen und haben gewunken um uns anzuhalten“, sagte Pogacar.

Rad-Stars droht wohl Führerscheinentzug

Bei den Personen handelte es sich um Rennkommissäre, was Pogacar aber in der Hektik durchging: „Ich habe gedacht, vielleicht sind es Demonstranten oder so etwas. Und dann war das Feld auch schon geteilt.“ Um zu stoppen, sei die Vorwarnzeit zu kurz gewesen.

Wie das Reglement des Radsportweltverbandes UCI festlegt, führt das Überqueren eines Bahnüberganges zu einer Disqualifikation, wenn bei diesem die Überfahrt verboten ist.

Auch ein anonymer UCI-Kommissär schilderte, dass „die Fahrer, die das Warnsignal ignoriert haben, aus dem Rennen genommen werden sollten“.

Pogacar und Co. könnte also eine nachträgliche Disqualifikation drohen, doch unter Berufung auf eine „vertrauenswürdige Quelle“ sorgte das belgische Medium Sporza wenig später für Entwarnung. Demnach sei keine sportliche Konsequenz mehr zu erwarten.

Kein sportliches Nachspiel – dafür ein juristisches?

Trotzdem könnte von juristischer Seite aus ein Nachspiel folgen. Die zuständige Staatsanwaltschaft kündigte bereits an, die beteiligten Fahrer zu identifizieren und vor einen Untersuchungsrichter zu stellen.

Demnach drohen Pogacar und den weiteren Beteiligten sogar der Verlust des Führerscheins für mindestens acht Tage sowie eine Geldstrafe von 400 bis 5000 Euro. Zahlen musste Pogacar bereits jetzt eine Strafe von rund 542 Euro, für die Müllentsorgung außerhalb der vorgesehenen Zonen.

Auch die belgische Bahn verurteilte das Verhalten der Fahrer. „Die Regeln sind klar: Bei Rot muss man anhalten. Das gilt auch für ein Radrennen“, wurde Sprecher Frederic Petit vom ORF zitiert und sprach von einem „sehr schlechten Beispiel“, das die Profis abgegeben hätten.

Derlei Vorfälle an Bahnübergängen geschehen bei den europäischen Klassikern nicht selten. Es gab bereits heikle Szenen, als Fahrer gesenkte Schranken umkurvten. Logistisch ist es nicht möglich, bei einem Rennen über teils weit mehr als 200 km mit zwangsläufigen Gleisüberquerungen den Bahnverkehr passgenau zu stoppen – dass Fahrer damit durch Wartezeiten benachteiligt werden, ist nicht vermeidbar.

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mit Sport-Informations-Dienst (SID)