Dass Tadej Pogacar wirklich alles gelingen kann, auch der heiß ersehnte Sieg in der „Hölle des Nordens“, da ist sich inzwischen auch Eddy Merckx sicher. „Es ist absolut klar, dass er keine Limits hat“, sagte der Mann, der jahrzehntelang einstimmig als bester Radprofi der Geschichte galt – ehe dieses slowenische Wunderkind daherrollte, seinen Triumphzug startete und die „GOAT“-Diskussion neu entfachte.

Am Sonntag (ab 10.50 Uhr) kann Pogacar mal wieder Historisches erreichen – und bei der 123. Ausgabe von Paris-Roubaix in einer weiteren Kategorie mit Merckx (80) gleichziehen. Alle fünf Monumente zu gewinnen, diese wichtigsten Eintagesrennen im Radsport, das ist bislang nur drei Fahrern gelungen. Merckx ist einer von ihnen, Pogacar möchte als erster „Nicht-Belgier“ nachziehen.

Auf Rad-Star Tadej Pogacar wartet eine knifflige Aufgabe
Auf Rad-Star Tadej Pogacar wartet eine knifflige AufgabeAuf Rad-Star Tadej Pogacar wartet eine knifflige Aufgabe© IMAGO/Photo News

Möglich scheint dies allemal. Der 27-Jährige, führte Pogacar-Bewunderer Merckx im Gespräch mit der Gazzetta dello Sport aus, sei schließlich der beste Fahrer der Welt, und das schon „seit mehreren Saisons“.

Radsport: Gewinnt Pogacar alle fünf Monumente in einer Saison?

Doch die „Königin der Klassiker“ ist Pogacars schwerste verbliebene Prüfung. 258,3 km Strecke, 54,8 km ruppiges bis ruppigstes Kopfsteinpflaster und in Mathieu van der Poel ein Rivale, der schwer zu knacken sein wird. 

Bei der Flandern-Rundfahrt am vergangenen Wochenende konnte der Ex-Weltmeister Pogacar an den giftigen Hügeln irgendwann nicht mehr folgen, doch die Hetzjagd nach Roubaix ist brettflach. Die Schwierigkeit ergibt sich fast ausschließlich aus den teils katastrophalen Straßenverhältnissen, womit der kräftigere Cross-Weltmeister van der Poel bestens umgehen kann.

Im vergangenen Jahr duellierten sich die beiden bereits im direkten Duell, ehe Pogacar stürzte und van der Poel im Solo zum dritten Erfolg in Folge raste. Nach seinem Flandern-Triumph stapelte der Herausforderer deswegen auch tief. Er wolle das Rennen in erster Linie „genießen“, sagte Pogacar, und auch: „Selbst wenn du den besten Tag und die besten Beine hast, muss alles passen.“

Sollte es ihm aber gelingen, den Niederländer diesmal zu knacken – sollte er es zudem schaffen, andere Mitfavoriten wie Jasper Philipsen oder Wout van Aert in Schach zu halten und als Erster die Ziellinie im Velodrome von Roubaix zu erreichen, dann ist in diesem Jahr sogar ein Meilenstein möglich, den selbst Merckx nie erreichte: alle fünf Monumente in einer Saison zu gewinnen.

Pogacar? „Er ist mit Abstand der Beste aller Zeiten“

„Es stehen jetzt zwei von fünf, wir sollten nicht zu weit vorgreifen“, mahnte Pogacar, dem anschließend noch Siege bei Lüttich-Bastogne-Lüttich und der Lombardei-Rundfahrt fehlen würden.

Doch das Narrativ rund um die Jagd auf das Quintuple kann der Slowene nicht mehr einfangen. Genauso wie die Diskussion darüber, wer denn nun eigentlich der Größte der Radsport-Geschichte ist.

Für einen prominenten Anti-Helden eben jener Historie steht das bereits vor dem Roubaix-Ritt fest. „Meiner Meinung nach ist das Thema abgeschlossen“, sagte Lance Armstrong im Podcast „The Move“: „Dieser Junge ist einfach so gut. Er ist mit Abstand der Beste aller Zeiten.“ 

Dass der kaum geläutert wirkende Armstrong, dem wegen Dopings einst alle sieben Siege bei der Tour de France aberkannt wurden, sich nicht selbst mit in die Diskussion einbrachte? Fast ein wenig überraschend. Gleichzeitig aber auch ein weiteres untrügliches Zeichen für die Ausnahmestellung des Tadej Pogacar.