Den größten Tag im Leben von Angela Voigt fasste die New York Times in einem lakonischen Satz zusammen.

„Angela Voigt, eine ostdeutsche Telefontechnikerin, die selten konstant gut im Weitspringen war, hat sich den richtigen Tag ausgesucht, um konstant zu sein“, leitete die berühmteste Zeitung der Welt ihren Bericht über den wichtigsten Erfolg der damals 25 Jahre jungen Athletin aus Weferlingen in Sachsen-Anhalt ein.

Es war der 23. Juli 1976, an dem sich Voigt zur ersten und einzigen weiblichen Weitsprung-Olympiasiegerin der DDR-Geschichte krönte (Heike Drechsler holte ihre beiden Triumphe erst nach der Wiedervereinigung). Heute vor 13 Jahren starb die Gold-Erbin der 1972 in München erfolgreichen BRD-Athletin Heide Ecker-Rosendahl viel zu früh.

Angela Voigt sorgte 1976 für den größten Moment des DDR-Weitsprungs
Angela Voigt sorgte 1976 für den größten Moment des DDR-WeitsprungsAngela Voigt sorgte 1976 für den größten Moment des DDR-Weitsprungs© IMAGO / Werner Schulze

Angela Voigt behielt bei Olympia 1976 die Nerven

Der Grund für die etwas despektierliche Einordnung von Voigts Triumph durch die Sportreporter-Legende Frank Litsky war folgender: Voigt war vor Beginn der Konkurrenz im Olympiastadion von Montréal zwar Mitfavoritin – sie hatte im Olympia-Jahr sowohl in der Halle als auch unter freiem Himmel Weltrekorde hingelegt.

Nichtsdestotrotz gab es Fragezeichen: Die Konkurrenz war groß, auch im eigenen Land gab es mit Siegrun Siegl eine zweite Gold-Kandidatin. Und Voigt hatte ihre Leistungen noch nicht unter größerem Wettkampfdruck bestätigt. Bei der EM im Februar hatte sie als Vierte eine Medaille verpasst.

Bei Olympia allerdings lieferte die von DDR-Trainerlegende Willi Olfert gecoachte Voigt: 6,72 Meter im ersten Finalversuch reichten an diesem Tag, an dem Qualifikation und Endkampf hintereinander stattfanden – was Höchstleistungen schwierig machte.

Die vom Publikum favorisierte Teenagerin Kathy McMillan aus den USA kam mit 6,66 Metern im fünften Versuch zwar noch nah ran – am Ende blieb der 18-Jährigen aber „nur“ die Silbermedaille vor Lidija Alfejewa aus der Sowjetunion.

Tod im Jahr 2013 nach schwerer Krankheit

Die olympische Goldmedaille blieb der größte Erfolg Voigts, aber nicht ihr letzter: Nach einer Babypause gewann die als Angela Schmalfeld geborene Voigt 1978 EM-Silber.

1982 beendete Voigt – deren Name nach der Wende in den Staatsdoping-Unterlagen der DDR auftauchte – ihre Karriere. Voigt bekam einen zweiten Sohn und arbeitete als Geschäftsführerin eines Sportvereins und als Sozialpädagogin.

Am 11. April erschütterte die Nachricht von Voigts Tod nach schwerer Krankheit ihre alten Weggefährten. „Ich bin tieftraurig und betroffen, dass Angela, die immer sehr ehrgeizig war und eine große Kämpferin, diesen Kampf nicht gewinnen konnte“, kommentierte der im Dezember 2024 verstorbene Ex-Coach Olfert Voigts Ableben.

Die gelernte Telefontechnikerin, die in Montréal olympische Geschichte geschrieben hatte, wurde 61 Jahre alt.