Die Tränen von Kirsty Coventry zeigen den ganzen Zwiespalt. Man darf der neuen IOC-Chefin abnehmen, dass sie keine Krokodilstränen vergossen hat, sondern dass sie die Disqualifikation des ukrainischen Skeletonfahrers Wladyslaw Heraskewytsch in ein echtes Dilemma gestürzt hat.
Der Ausschluss Heraskewytschs vom olympischen Wettbewerb wegen seines umstrittenen Gedenk-Helms wirkt wie ein grausam-kühler und unmenschlicher Akt. Ist er trotzdem nachvollziehbar, war er womöglich sogar unumgänglich?
Es gibt mehrere Sichtweisen! Das IOC pocht auf die Olympische Charta, die Meinungsäußerungen unmittelbar beim Wettkampf untersagt. Heraskewytsch verweist darauf, dass andere Sportler auf der Olympia-Bühne ebenfalls an Verstorbene erinnert hatten, prangert eine „ungleiche Behandlung“ an und wirft dem IOC eine pro-russische Haltung vor.
Zu berücksichtigen ist, dass das IOC Heraskewytsch weit entgegengekommen ist. Er durfte seinen Helm bei den Trainingsläufen tragen, er hätte ihn auch wieder in der Mixed-Zone tragen können – nur eben beim Rennen selbst nicht.
Disqualifikation! Seine Haltung ist bewundernswert
Heraskewytsch wollte sich darauf nicht einlassen. Seine Haltung ist bewundernswert. Ein Sportler hat seine Ideale über die Chance auf eine olympische Medaille gestellt.
Schwierig bleibt die Entscheidung des IOC auch in einem anderen Kontext. Bei einem olympischen Gipfel im Dezember in Lausanne wurde die Rückkehr russischer und belarusischer Athleten unter eigener Flagge bei internationalen Jugendwettbewerben empfohlen – gültig etwa bei den Olympischen Jugendspielen 2026 im Oktober und November in Dakar. Es verfestigt sich der Eindruck: Da wird gerade eine Tür geöffnet für eine Rückkehr.