Als die Hockey-Nationalmannschaft ihr Spiel um Platz drei mit 4:5 gegen Indien verloren hatte, war die historische Schmach in Tokio perfekt: Erstmals seit 1996 in Atlanta war das deutsche Team in den klassischen Mannschaftssportarten wie Fußball, Handball, Basketball, Volleyball und eben auch Hockey ohne eine Medaille geblieben.
Drei Jahre später ist die Stimmungslage vor den Olympischen Spielen von Paris eine andere. Nie waren so viele deutsche Mannschaften dabei. Neun sind es und damit sogar mehr als beim bisherigen Rekord in Peking 2008, damals war allerdings 3×3-Basketball noch nicht olympisch.
„Da wo die Basketballer sind, ist es cool, da wo die Volleyballer sind, ist normalerweise immer gute Stimmung und da wo die Hockeyspieler sind sowieso. Die Mannschaftssportler haben einen großen Einfluss auf das Gesamtklima im Team“, sagt Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport beim Deutschen Olympischen Sportbund und Chef de Mission in Paris.
Doch die Mannschaftssportler sollen nicht nur Gute-Laune-Bären sein. Anders als in Tokio soll diesmal auch wieder ein Ertrag in Form von Medaillen herausspringen.
Olympia: Basketballer wollen „neue Geschichte schreiben“
Ein besonderer Fokus liegt sicher auf den Basketball-Weltmeistern um den deutschen Fahnenträger Kapitän Dennis Schröder. „Wir wollen eine neue Geschichte schreiben“, gibt Schröder vor dem letzten Großturnier des scheidenden Bundestrainers Gordon Herbert die Parole aus.
Hoffnung darauf macht auch die Leistung im letzten Testspiel gegen den Goldfavoriten USA. Beim 88:92 hatten die deutschen Weltmeister die NBA-Superstars am Rande einer Niederlage.
In der Vorrunde, die in Lille ausgetragen wird, hat es die Mannschaft mit Brasilien, Japan und Gastgeber Frankreich zu tun. Die Franzosen hält Schröder, nicht nur wegen des Heimvorteils, für „eines der besten Teams“.
Die Hauptrunde – und damit der Umzug nach Paris – ist das erklärte erste Zwischenziel, eine olympische Medaille der große Traum.
Augen auf Sabally-Schwestern und 3×3-Basketball
Deutschlands Basketballerinnen gelten bei ihrer Olympia-Premiere hingegen als Außenseiterinnen. Immerhin kann Bundestrainerin Lisa Thomaidis in Paris auf die Topspielerinnen Satou Sabally, deren Schwester Nyara und Leonie Fiebich aus der US-Profiliga WNBA setzen.
Hinter dem Leistungsvermögen von Satou Sabally steht nach einer Schulteroperation allerdings ein Fragezeichen, zumindest konnte sie beim Test gegen den Goldfavoriten USA kurz vor Olympia-Beginn ihr Comeback feiern und verbuchte bei der 57:84-Niederlage in 26 Minuten Spielzeit acht Punkte.
Die Vorrundengruppe in Paris hat es in sich. Die EM-Sechsten treffen auf den Olympia-Zweiten Japan, den Tokio-Fünften Belgien und erneut den favorisierten Rekord-Goldmedaillengewinner USA.
Und dann gibt es ja noch die 3×3-Nationalmannschaft, die sich für die Olympia-Premiere qualifiziert hat. Die bisherige Kapitänin Svenja Brunckhorst und Sonja Greinacher entschieden sich nach Bedenkzeit für die Teilnahme am Kleinfeld-Turnier.
Hockey-Herren „möchten Gold holen“
Größte Chancen auf eine Medaille werden Deutschlands Hockey-Herren zugesprochen, die seit Olympia 1972 in München viermal Gold sowie je zweimal Silber und Bronze gewannen. „Wir haben einen sehr hohen Anspruch an uns selbst. Mannschaftsintern ist klar, dass wir Gold holen möchten“, sagte Kapitän Mats Grambusch.
Der Mönchengladbacher setzt auch auf einen kleinen Heim-Effekt: „Selbst meine kleine Tochter wird kommen und zuschauen, das wird mir sicher einen Push geben.“
Auch für Deutschlands Hockey-Frauen ist eine Medaille möglich.
Schwere Aufgabe für deutsche Handballer
Deutschlands Handballer wollen es einen Tick besser machen als beim vierten Platz bei der Heim-EM im Januar.
Das Auftaktspiel bestreitet die DHB-Auswahl gegen Schweden, somit kommt es zur Neuauflage des verlorenen Spiels um Platz drei bei der EM. Die weiteren Vorrundengegner sind Japan, Kroatien, Spanien und Slowenien.
Ein Platz unter den Top vier reicht zum Einzug ins Viertelfinale. Dort warten dann aber Gegner wie Weltmeister Dänemark oder Europameister Frankreich.
Deutschlands Handballerinnen, die sich nach 16 Jahren wieder qualifizieren konnten, gelten in Paris eher als Außenseiterinnen.
Die deutschen Handballerinnen konnten sich den Traum von Olympia erfüllen. Doch die erste Teilnahme seit 2008 soll nicht unter dem Slogan "Dabeisein ist alles" stehen. Die Mannschaft von Markus Gaugisch hat hohe Ziele.
Olympia 2024: Macht es Hrubesch nochmal?
Während das deutsche Fußball-Sommermärchen bei der Heim-EM im Viertelfinale gegen Spanien ein dramatisches Ende fand und sich die U21 nicht für Olympia qualifiziert hat, wollen die deutschen Fußballerinnen in Paris in die Bresche springen.
Nach der verpassten Qualifikation für Tokio hofft Bundestrainer Horst Hrubesch, der 2016 mit den deutschen Männern in Rio Olympiasilber geholt hatte, auf eine „unvergessliche Erfahrung“. Nicht dabei helfen kann Lena Oberdorf, die 22-Jährige fällt mit einer Kreuz- und Innenbandverletzung im rechten Knie aus..
Die Vorrunde hat es für die Mannschaft um Kapitänin Alexandra Popp aber in sich. In der Hammergruppe B geht es gegen den WM-Vierten Australien, Rekordsieger USA und Sambia.
Volleyball: Fokus liegt auf Starangreifer Grozer
Deutschlands Volleyballer gelten in Paris als chancenreiche Außenseiter. Das Qualifikationsturnier in Brasilien wurde gewonnen. Das Augenmerk liegt vor allem auf Starangreifer Georg Grozer.
Die deutschen Volleyballerinnen verpassten indes das Ticket für Olympia ebenso wie die deutschen Teams im Wasserball und Rugby.