WWE-Topstar Gunther mit überraschendem Bekenntnis
Der "Ringgeneral" Gunther aus Wien spricht im SPORT1-Interview über die für einen WWE-Durchbruch nötige Mentalität, seine weiteren Ziele in der Liga - und warum er auch mit weniger zufrieden wäre.
Er ist der erfolgreichste deutschsprachige Wrestler der Geschichte – und hat bei WWE immer noch viel vor.
Das Wiener Schwergewicht Walter Hahn alias Gunther hat sich in der größten Showkampf-Liga der Welt zum allseits respektierten Phänomen emporgearbeitet. Im SPORT1-Interview spricht der 39-Jährige über die Mentalität, die ihn dort hingebracht hat und woran andere gescheitert sind, über seine weiteren Ziele in der Liga. In einem überraschenden Bekenntnis erklärt er auch, warum er mit seiner Karriere auch dann zufrieden gewesen wäre, wenn sie schon länger vorbei wäre.
SPORT1: Gunther, als Sie zuletzt bei uns im Interview waren, war der Höhepunkt Ihrer Karriere, der große Sieg gegen WWE-Ikone John Cena in dessen letztem Match nicht lange her. Fühlt sich Ihre aktuelle Situation bei WWE inzwischen anders an?
Gunther: Ganz klar, karriere-technisch war dieser Sieg natürlich eines der Highlights. Es geht bei WWE beziehungsweise im Wrestling generell immer darum, dass man etwas macht, was für eine Schlagzeile sorgt. Das war auf jeden Fall eine. Die Verbesserung merke ich natürlich bis jetzt. Ich bin in einer sehr guten Position im SmackDown-Kader und sehe auch nicht, dass sich das bald ändert.
SPORT1: Cena spielt aktuell eine große Rolle bei der Clash-of-Clans-Kampagne mit WWE: Cody Rhodes ist im Clash of Clans-Universum auf der Suche nach John Cena. Wenn Spieler Cena finden, dann bekommen sie Gold-Items und WWE-Preise dafür, dass sie Cena angreifen. Haben Sie für den „American Nightmare“ einen Hinweis, wie er Cena finden und vielleicht auch besiegen kann – oder wollen Sie da lieber Spielverderber sein?
Gunther: Überrascht mich null, dass Cody der Erste ist, der die Hand hebt. Der hat ja auch nach John Cenas letztem Match eine halbe Stunde auf seine Sneaker gestarrt. Aber ja, ich lasse das nicht durchgehen. Wenn einer John Cena findet, dann bin das ich, nicht Cody!
SPORT1: Was ist Ihnen Ihr großer Sieg über Cena mit neun Monaten Abstand noch wert?
Gunther: Einen Schulterklopfer von mir selbst (lacht). Im Ernst: Wenn was erreicht ist, gucke ich immer direkt auf das Nächste, was ich erreichen kann. Ich bin kein Typ, der da lange drin schwelgt. Unser Business ist Entertainment, und im Entertainment geht darum, dass immer was Frisches und was Neues da ist. Was vorher war, egal wie groß, gerät immer so ein bisschen in Vergessenheit. Das Hier und Jetzt zählt, sowohl für mich als auch für den Zuschauer. Nach der Karriere, wenn man sich hinsetzt und ein bisschen zurückblickt für sich selber, wird es vielleicht anders sein.
SPORT1: Bis zum Sommerhöhepunkt SummerSlam hatten Sie eine emotionale Fehde gegen Nick Aldis, der bei SmackDown als General Manager auftritt. Ein Rückschritt oder ein Zwischenschritt auf der Jagd nach dem nächsten großen Titel?
Gunther: Realistisch betrachtet: Es gibt pro Kader einen großen Titel, um den nicht alle gleichzeitig antreten können. Und dass man da selber nicht immer Teil des Geschehens ist, ist ganz normal. Dementsprechend hat mir das Programm mit Nick gut gefallen, weil es einfach etwas Frisches war, etwas anderes. Nick war lange nicht mehr im Ring gestanden, bei WWE noch nie – und ganz viele Leute hatten kein Bild von ihm als Wrestler vor Augen und waren interessiert daran, wie er da aussehen würde. Das hat für viel Neugier gesorgt und viele in den Bann geschlagen.
SPORT1: Also eine nette Abwechslung für Sie?
Gunther: Ich bin immer offen dafür, etwas Frisches zu machen, etwas, das „out of the box“ ist. Es ist eine andere Art von Herausforderung. So blöd wie das klingt: ein Main-Event-Titel-Match, das kriege ich immer hin. Das ist keine große Herausforderung mehr. Aber ein Programm mit jemandem, der etwas weniger Routine hat, der lange selber nicht mehr im Ring stand oder auch ein Quereinsteiger ist: Dafür bin ich immer offen, es ist auf andere Art spannend. Aber das große Ziel ist natürlich immer das, wofür man Wrestler geworden ist: Man will Champion werden! World Heavyweight Champion war ich ja nun schon zweimal. WWE-Champion war ich noch nicht – und das ist natürlich jetzt das Ziel.
SPORT1: Aktueller Champion ist Sami Zayn, als Top-Herausforderer sind CM Punk und Kevin Owens postiert. Sie hatten da eine Weile mitgemischt, aber eher als „Spielverderber“, der eingegriffen hat, aber zuletzt selbst nicht voll zum Zuge kam.
Gunther: Es macht natürlich mehr Spaß, selbst im Ring zu stehen – das andere ist so ein bisschen das nötige Übel bei WWE, das gehört halt auch dazu. Aber es ist aktuell eine relativ chaotische Situation, aber ich finde die Main-Event-Szene bei SmackDown gerade wirklich sehr spannend. Da ist noch viel Potenzial für sehr viele, frische Matches und alle, die involviert sind, sind wirklich als Wrestler wirklich „top of the world class“. Ich bin gespannt, wo es noch hingeht. Sorry, man merkt wahrscheinlich: Mein Deutsch ist etwas eingerostet, meine Frau spricht ja auch Englisch, das heißt, ich spreche 80 % Englisch in meinem Alltag. Ich brauche immer einen Tag oder so, dann ist mein Deutsch wieder richtig da.
SPORT1: Stichwort frische Matches: Wer wäre denn ein Gegner, den Sie unbedingt noch im Ring mit sich haben wollen? Welche Ziele haben Sie noch?
Gunther: Ich muss natürlich erstmal John Cena bei Clash of Clans finden. Das ist natürlich ein fehlendes Puzzleteil (lacht). Ich sage es ganz ehrlich: Meine Karriere hätte auch schon vor vier Jahren vorbei sein können und ich wäre jetzt trotzdem sehr zufrieden. Gefühlt ist alles, was jetzt kommt, so ein bisschen die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Ich bin nicht der Typ, der da noch so sehr aufs Vermächtnis fixiert ist. Ich habe Spaß an dem, was ich mache. Ich bin fit. Ich bin besser denn je – meine bescheidene Einschätzung. Ich bin gesund. Von dem her will ich die Welle reiten, so lange wie es geht. Ich mache das jetzt nicht an irgendwelchen Zielen fest. Comparison is the thief of joy, wie man so schön sagt. Ich vergleiche mich eigentlich nur mit mir selbst. Meine Ziele sind die, die ich mir als junger Mensch gesetzt habe. Die habe ich schon dreimal erreicht und ich kann es genießen jetzt.
SPORT1: Und was ist mit kurzfristigen Zielen?
Gunther: Der Champion ist immer das größte Ziel. Noch ein One-on-One-Match gegen Punk hätte auch etwas. Er hat einen Sieg über mich beim SummerSlam im vergangenen Jahr auf dem Konto. Das wiedergutzumachen, wäre natürlich schön.
SPORT1: Sie haben auch den Wunsch nach Vorbildwirkung für das deutschsprachige Wrestling immer wieder betont. Wie blicken Sie auf die aktuell dort nachwachsenden Talente?
Gunther: Ich glaube nicht, dass der deutschsprachige Raum ein Talentproblem hat. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus gibt es eher ein Commitment-Problem, weil uns ein bisschen anerzogen wird, dass wir nicht zu groß träumen sollen. Mit der Einstellung kann man entscheidende Momente verpassen. Wenn ich jetzt so zurückblicke auf meine Kollegen, mit denen ich meine Zeit bei wXw (größte deutsche Liga. d. Red.) und generell in Deutschland und Österreich verbracht habe. Bei keinem, der den großen Durchbruch geschafft hat, hat es mich überrascht. Und es gibt auch keinen, bei dem mich überrascht, dass nichts draus geworden ist – von denen, bei denen es an Verletzungsthemen gescheitert ist, abgesehen. Es kommt beim Thema Mentalität auf Kleinigkeiten an: Fahre ich zum Geburtstag meiner Freundin oder fahre ich zu der Show, der ich zugesagt habe, auch wenn sie nur vor 30 Zuschauern ist? Das sind im Endeffekt Entscheidungen, die jeder für sich selber treffen muss. Aber man kann nicht auf allen Hochzeiten auf einmal tanzen. Man muss das schon in den Lebensmittelpunkt stellen und wirklich wollen. Wenn das einer macht und das nötige Talent mitbringt, dann sind die Türen jetzt weiter offen als je zuvor.Â
SPORT1: Sie haben Ihr eingerostetes Deutsch angesprochen. Im WWE-Programm lassen Sie öfters mal deutsche Worte fallen – versehentlich oder absichtlich?
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Gunther: Sowohl als auch. Ich versuche, das eine oder andere Easter Egg zu platzieren für das deutschsprachige Publikum. Für WWE Germany. Ich glaube, die Fans finden es ganz gut, wenn man von einem WWE-Wrestler ein paar Sätze hört, in die man sich hineinversetzen kann. Oder Ausdrücke, die man lustig finden kann, weil man weiß: Die Amerikaner werden das nicht verstehen. Das sind unsere Insider-Gags, zwischen mir und den deutschsprachigen Fans.