Nächste Rund im Eisschnelllauf-Zoff: „Druck erhöhen“
Der CDU-Bundestagsabgeordnete kritisiert die Verlegung der Mitgliederversammlung. Er sieht die Interessen der Athletinnen und Athleten gefährdet.
Der Bundestagsabgeordnete Jens Lehmann (CDU) hat den Ton gegen die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) verschärft. „Bei allem Respekt vor der Verbandsautonomie halte ich es zum jetzigen Zeitpunkt für geboten, den Druck auf den Verband auch vonseiten der Politik zu erhöhen, sollte nicht schnell eine interne Lösung gefunden werden“, sagte Lehmann, stellvertretender Vorsitzender im Ausschuss für Sport und Ehrenamt, auf SID-Anfrage.
Er habe „sehr auf eine zeitnahe, verbandsinterne Lösung gehofft“, erklärte der zweimalige Bahnrad-Olympiasieger, „die kurzfristige Absage der Mitgliederversammlung und ihre Verschiebung auf das Saisonende kommen jedoch einer weiteren Verschleppung der Probleme gleich.“ Das werfe die Frage auf, ob die Interessen der Athletinnen und Athleten noch ausreichend berücksichtigt würden.
Er hoffe, so Lehmann, dass die noch zu gründende Spitzensport-Agentur „künftig in solchen Fällen frühzeitig moderiert und ihre Verantwortung als zentrale Fördermittelvergabeinstanz nutzt, um konstruktive Lösungen und notwendige Veränderungen anzustoßen“.
Das DESG-Präsidium um Matthias Große hatte am Donnerstag die Verschiebung der Versammlung vom Samstag auf den 13. Februar 2027 mit dem Fehlen wichtiger Informationen begründet, auf deren Basis keine Strukturgespräche stattfinden könnten. In Dresden wäre es womöglich auch zu einer Abstimmung über die Zukunft des Präsidiums gekommen. Der Thüringer Eis- und Rollsportverband (TERV), der einen Präsidentschaftskandidaten benannt hatte, will nun das nötige Quorum der Mitglieder dafür gewinnen, früher als in knapp vier Monaten eine Versammlung einzuberufen.
Konflikt droht nach Monaten des Streites weiter zu eskalieren
Daneben schwelt seit Monaten ein Konflikt um den Erhalt des Bundesstützpunktes Erfurt als Standort für Top-Eisschnellläufer im Land. Die Athletinnen und Athleten in der thüringischen Landeshauptstadt, darunter die Olympiastarter Finn Sonnekalb, Hendrik Dombek und Felix Maly, gaben zuletzt an, sich unter erheblichen Druck gesetzt und benachteiligt zu fühlen. Die Verlegung der Mitgliederversammlung wurde als Verschärfung und Verlängerung von Missständen wahrgenommen. „Es wird hinausgezögert, der Druck auf die Athletinnen und Athleten wird einfach verlängert. Seit sechs Jahren, seitdem dieser Präsident im Amt ist, ist es immer schlimmer geworden“, sagte Dombek dem SID.
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Er könne als ehemaliger Spitzensportler die Sicht der Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer „gut nachvollziehen“, erklärte Lehmann (58): „Ihre sportliche Entwicklung und ihre Vorbereitung auf anstehende Wettkämpfe dürfen nicht unter den ungelösten Problemen innerhalb des Verbandes leiden.“