Fall Erfurt: DESG sieht Moratorium mit TERV als beendet

von SID
Fall Erfurt: DESG sieht Moratorium mit TERV als beendet

Die mühsam ausgehandelte Vereinbarung ist geplatzt. Die DESG kritisiert ein angeblich "verbandsschädigendes Verhalten".

Der Streit zwischen der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) und dem Thüringer Eis- und Rollsportverband (TERV) nimmt erneut Fahrt auf. Die DESG erklärte am Dienstag, dass das am 7. Juli im Rahmen eines gemeinsamen Dialogs vereinbarte Moratorium vom TERV einseitig aufgekündigt worden sei.

Die Vereinbarung war nach einem Krisentreffen in Berlin unter Vermittlung von Thüringens Sportminister Stefan Gruhner zustande gekommen. Vertreter von DESG, TERV, DOSB, Athleten und Politik hatten sich damals auf einen „konstruktiven Dialog“ verständigt. Kern der Einigung war ein Moratorium, wonach die strittigen Punkte der Athletenvereinbarungen bis zu einer Entscheidung über die künftige Stützpunktstruktur ausgesetzt werden sollten.

Die DESG bedauerte nun ausdrücklich, „dass der TERV diesen gemeinsam vereinbarten Weg verlassen hat“, hieß es in der Pressemitteilung. Das Moratorium sei vereinbart worden, um die Gespräche über die Zukunft des deutschen Eisschnelllaufs in einem konstruktiven Umfeld fortzuführen und die Möglichkeit einer einvernehmlichen Lösung offenzuhalten.

Ungeachtet der Entwicklung kündigte der Verband an, die organisatorischen und sportlichen Entscheidungen für die Saison 2026/27 nun ohne weitere Verzögerungen voranzutreiben. Im Fokus stehen dabei insbesondere jene Athletinnen und Athleten, die die Athletenvereinbarung in ihrer zwölften Fassung vollständig unterzeichnet haben und ihre Laufbahn innerhalb der bestehenden DESG-Strukturen fortsetzen.

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„Sie müssen sich darauf verlassen können, dass ihnen klare, verlässliche und planbare Rahmenbedingungen für Training und Wettkampf zur Verfügung stehen“, erklärte die DESG. Die Saisonplanung werde deshalb konsequent fortgeführt, die weiteren Entscheidungen auf Grundlage der geltenden Satzungen und Regelwerke getroffen. Oberste Priorität hätten die Sicherstellung des Trainings- und Wettkampfbetriebs sowie eine verlässliche Vorbereitung auf die kommende Saison.

Zugleich verschärfte die DESG den Ton gegenüber dem TERV deutlich. Die einseitige Aufkündigung des Moratoriums stelle „ein weiteres verbandsschädigendes Verhalten“ dar und gehe „ganz klar auf persönliche Interessen einiger weniger zurück“. Dies werde man „im Sinne aller leistungssportorientierten Athletinnen und Athleten“ sowie der zahlreichen Ehrenamtlichen im Verband nicht länger hinnehmen.

Hintergrund des Konflikts ist der seit Monaten schwelende Streit um die Zukunft des Stützpunkts Erfurt und die neue Athletenvereinbarung der DESG. Mehrere Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer hatten eine Zusatzvereinbarung gefordert, die den Standort Erfurt absichern sollte. Die DESG lehnte dies ab. Die betroffenen Athleten befürchteten bei einer Nichtunterzeichnung Nachteile für Kaderstatus und Förderung. Zugleich stemmten sich die Erfurter gegen Pläne, sich den anderen Leistungszentren in Inzell oder Berlin anzuschließen.

Als das Moratorium im Juli vereinbart wurde, hatten Politik und Sportorganisationen auf eine Deeskalation gehofft. Thüringens Sportminister Gruhner sprach damals von einer „tragfähigen Zwischenlösung im Interesse der Athletinnen und Athleten“. Auch aus dem Bundeskanzleramt war von einem „guten Stand“ die Rede. Athleten Deutschland hatte hingegen bereits gewarnt, die Vereinbarung schaffe zwar Entlastung, löse aber nicht den grundlegenden Konflikt, sondern verschiebe ihn lediglich.

Ob es nach dem Ende des Moratoriums dennoch weitere Gespräche zwischen den Beteiligten geben wird, blieb zunächst offen.