Vanessa Voigt: „Ich würde meine Karriere gern ohne erleben“

"Es wurde heißer gekocht, als es letztendlich ist"
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"Es wurde heißer gekocht, als es letztendlich ist"

Zwischen sportlichen Erwartungen und öffentlicher Dauerpräsenz: Vanessa Voigt spricht über die Schattenseiten von Social Media und ihren veränderten Umgang damit. Auch über den Kontakt zu Bundestrainerin Sandra Flunger findet sie bemerkenswerte Worte.

Mal gibt Vanessa Voigt persönliche Einblicke in ihr Leben abseits der Loipe, mal findet sie deutliche Worte für den Umgang mit Spitzensportlern. Doch die Aufmerksamkeit, die mit den Sozialen Medien einhergeht, hat auch ihre Schattenseiten. Wie sehr Social Media ihren Alltag einmal bestimmen würde, hätte die 29-Jährige zu Beginn ihrer Karriere selbst nicht gedacht.

„Wenn du in der Öffentlichkeit stehst, ist das voll anders. Am Anfang hätte ich das nie so eingeschätzt und habe es vielleicht auch unterschätzt“, erklärte Voigt in einer Medienrunde, an der auch SPORT1 teilnahm. „Ich finde es krass, was das für eine Masse mittlerweile ist, was man erwartet von uns Sportlern. Es steht in vielen Verträgen von uns drin.“

Vanessa Voigt spricht in einer Medienrunde mit SPORT1 über die Problematiken von Social Media
Vanessa Voigt spricht in einer Medienrunde mit SPORT1 über die Problematiken von Social MediaVanessa Voigt spricht in einer Medienrunde mit SPORT1 über die Problematiken von Social Media© IMAGO/Sven Simon

Dabei sei ihr Verhältnis zu den sozialen Netzwerken keineswegs ausschließlich negativ. „Es macht mir hin und wieder viel Spaß, selbst ein bisschen rumzublödeln“, sagte die Thüringerin.

Voigt wäre „gerne mal Arnd Peiffer“

Wie sehr sich der Alltag im Spitzensport verändert hat, verdeutlichte Voigt mit einem Vergleich zu ihrem ehemaligen Teamkollegen Arnd Peiffer, der 2021 seine Karriere beendet hatte: „Ich würde schon gerne mal Arnd Peiffer sein und meine Karriere ohne Social Media erleben, aber das werde ich leider nicht.“

Dass Voigt die sozialen Netzwerke nicht nur als Plattform zur Selbstdarstellung nutzt, zeigte sich bereits im Sommer 2024. Damals machte sie auf Instagram ihre mentalen Probleme öffentlich und berichtete von einer längeren Trainingspause. Mit ihrer Offenheit wollte sie auch auf die Bedeutung psychischer Gesundheit im Leistungssport aufmerksam machen.

DEINE MEINUNG

Besonders deutlich wurden die Schattenseiten der digitalen Öffentlichkeit bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Antholz. Nach ihrem vierten Platz im Einzel sah sich Voigt erneut mit Kritik an ihren Lauf- und Schießzeiten konfrontiert. Und Voigt zog Konsequenzen: Sie verabschiedete sich vorübergehend von Instagram, um sich auf ihre weiteren Wettkämpfe zu konzentrieren.

Nach den Spielen meldete sie sich mit einem ausführlichen Statement zurück, in dem sie den Umgang mit Athleten kritisierte und mehr Respekt einforderte. Ihre Worte sorgten für Aufmerksamkeit, Medienwissenschaftler hatten ihre Aussagen im Gespräch mit SPORT1 analysiert.

Klarer Rat an junge Athleten

Ihre Erfahrungen haben Voigts Umgang mit Social Media verändert. Jüngeren Athleten empfiehlt sie deshalb, sich möglichst wenig mit den Reaktionen aus dem Internet zu beschäftigen.

Dabei erinnerte sie an einen Rat der ehemaligen deutschen Biathletin Franziska Hildebrand: „Lies auf jeden Fall keine Kommentare durch.“ Am besten solle man sie „gar nicht anschauen“.

Ganz aus der digitalen Öffentlichkeit zurückziehen kann und möchte sich Voigt allerdings nicht. Dafür sind soziale Netzwerke längst zu eng mit den Anforderungen und Vermarktungsmöglichkeiten des Profisports verbunden.

Auffällige Worte über Bundestrainerin Flunger

Auch abseits der sozialen Netzwerke versucht Voigt, ihren eigenen Weg zu finden. Die 29-Jährige bereitet sich in diesem Jahr weitgehend unabhängig von der deutschen Nationalmannschaft auf den Weltcup-Winter vor. Die Zusammenarbeit mit der deutschen Cheftrainerin Sandra Flunger beschreibt Voigt auffallend distanziert.

„Es ist schon separiert. Man trifft sich bei Wettkämpfen, aber davor habe ich mein Team und meine Ansprechpartner. Das tut mir sehr gut und damit fahre ich auch weiter“, erklärte die Biathletin.

Flunger betonte bei SPORT1 allerdings, dass weiterhin ein regelmäßiger Austausch mit Voigt stattfinde. Ein vollständiger Rückzug aus der Nationalmannschaft ist ohnehin nicht geplant. „Ich werde mich individuell vorbereiten, aber das heißt nicht, dass da kein Kontakt erlaubt ist“, stellte Voigt klar.

Im Mittelpunkt stehe für sie inzwischen stärker das eigene Wohlbefinden. Schließlich gebe es „nicht nur die Sportlerin, sondern auch den Menschen Vanessa“.