Diesmal gibt es keine Entschuldigung

Drama! Böser Fehler entscheidet NFL-Auftakt
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Drama! Böser Fehler entscheidet NFL-Auftakt

Drake Maye erlebt einen Saisonstart zum Vergessen. Die Fehler des Quarterbacks sorgen für Rätselraten. Kamen die Lobeshymnen auf den designierten Erben von Tom Brady zu früh?

Was hatte Drake Maye nur vor? 26 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit lagen die New England Patriots im Super-Bowl-Rematch bei den Seattle Seahawks nur mit 10:13 zurück. Die Patriots standen bei ihrem dritten Versuch und noch fünf Yards zu gehen an der gegnerischen 16-Yard-Linie. Ein einfaches Field Goal hätte in jedem Fall die Verlängerung bedeutet, sogar der Sieg schien noch möglich.

Doch dann erzwang Maye unter Bedrängnis der Seattle-Defense im Sprung und ohne jegliches Gleichgewicht einen extrem schwierigen Pass auf Wide Receiver Mack Hollins. Stattdessen landete der Ball bei Seahawks-Cornerback Josh Jobe, wodurch New Englands Niederlage besiegelt war. Den Ball einfach ins Seitenaus zu werfen, wäre aus Sicht von Maye die deutlich bessere Option gewesen.

Drake Maye (l.) erlebte einen enttäuschenden Saisonstart
Drake Maye (l.) erlebte einen enttäuschenden SaisonstartDrake Maye (l.) erlebte einen enttäuschenden Saisonstart© Reuters

Die Fassungslosigkeit bei sämtlichen Beobachtern war groß. „Was hat er sich nur gedacht?“ oder „Er hat die eine Sache gemacht, die man nicht machen darf“, sagten die verblüfften Kommentatoren in der lokalen TV-Übertragung der Patriots. Der Vorwurf: Es war bereits seine dritte Interception im Schlussviertel, aus den vorherigen beiden habe er überhaupt nichts gelernt.

Ähnlich ernüchtert äußerte sich mit Sportjournalist Bill Simmons einer der prominentesten Patriots-Fans: „Dieses Mal gibt es keine Entschuldigungen. Er hat gescrambelt, er sah wie der Drake Maye aus den ersten vier Monaten der vergangenen Saison aus. Und trotzdem war er mies.“

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Patriots-Quarterback strauchelte bereits in den Playoffs

Der Hintergrund? Nach einer überragenden Regular Season als großer Quarterback-Hoffnungsträger konnte er daran in den Playoffs trotz des Einzugs in den Super Bowl Anfang des Jahres nur bedingt anknüpfen. In vier Spielen wurde er 21-mal gesackt, im AFC Championship Game gegen Denver brachte er es nur auf 86 Passing Yards bei keinem einzigen Touchdown. Während Simmons vermutet, dass die damaligen Leistungen damit zu erklären gewesen seien, dass Maye nicht zu 100 Prozent fit war, sagt er nun: „Er sah fit aus. Das ist die Sache.“

Was die Leistung und die Niederlage umso ernüchternder macht: Bei Gegner Seattle musste Quarterback Sam Darnold die Partie nach nur fünf Offensiv-Snaps aufgrund einer Hüftverletzung verlassen. Mit Drew Lock übernahm ein Backup, der im Vergleich zu Starter Darnold deutlich abfällt. Und dennoch schafften es die Patriots um Maye nicht, eine 10:0-Führung über die Zeit zu bringen. Stattdessen warf Maye gleich drei Interceptions im vierten Viertel – in negativer Hinsicht gekrönt von der letzten kurz vor Schluss.

Horror-Statistiken zu Maye und den Patriots

Es sind Statistiken, die überaus selten sind. Maye ist laut ESPN Stats der erste Quarterback seit mindestens 1991, der im vierten Viertel eines Saisonauftaktspiels drei Interceptions geworfen hat, während sein Team führte, es unentschieden stand oder mit maximal einem Touchdown zurücklag. Kyler Murray war zudem 2021 der letzte Quarterback, der eine Interception warf bei einem Rückstand von drei Punkten, weniger als eine Minute vor Spielende und innerhalb der 20-Yard-Linie.

Laut Opta Stats ist New England außerdem das erste Team seit 30 Jahren, das in einem Viertel mindestens drei Interceptions wirft, mindestens drei Sacks zulässt, mindestens drei Strafen kassiert und ohne Punkt bleibt.

Was man Maye zugutehalten muss: Er nahm die Schuld für die Niederlage vollständig auf sich und fand nach dem Spiel deutliche Worte. „Ich dachte, wir hätten das Spiel unter Kontrolle. Ich wurde ungeduldig“, sagte er und sprach von „Entscheidungen meinerseits, die uns das Spiel gekostet haben“. Solche Fehler dürfe er sich keinesfalls erlauben. „Das Einzige, was wir nicht machen durften, war, den Ball abzugeben – und genau das habe ich getan.“ Dies sei „inakzeptabel“.

Maye hatte die Patriots in der vergangenen Saison bis in den Super Bowl geführt und war bei der MVP-Wahl auf Rang zwei gelandet – eine nachvollziehbare Entscheidung, die sich allerdings auch nur auf die Leistungen in der regulären Saison bezog. Folglich stellte sich bereits Anfang des Jahres die Frage, ob die Auftritte von Maye wirklich nachhaltig sind oder er nicht doch eher ein Nutznießer glücklicher Umstände war.

Die große Sehnsucht nach einem Erben von Tom Brady

Die Fans der Patriots lechzten nach einem würdigen Nachfolger von Tom Brady, der die Franchise 2020 verließ und zuvor zu sechs Super-Bowl-Triumphen geführt hatte. Entsprechend schnell entstand eine Euphorie, als Maye in seiner zweiten Saison superstar-würdige Zahlen auflegte. Er spielte nicht immer spektakulär, aber äußerst solide und leistete sich kaum Fehler. Neutrale Beobachter wiesen allerdings zu Recht auch auf die Tatsache hin, dass die Patriots in der Vorsaison einen der leichtesten Spielpläne aller Teams hatten.

Für Panik ist es bei den Patriots und Maye sicherlich noch zu früh: Doch nach seiner enttäuschenden Leistung gegen Seattle werden am kommenden Spieltag gegen die Pittsburgh Steelers (Sonntag, 20. September um 19 Uhr) umso mehr Augen auf den 24-Jährigen gerichtet sein.