Nummer 1? Besondere Note an Alexander Zverevs historischem Tag
Nichts für schwache Nerven! Zverev übersteht Krimi
Alexander Zverev fehlt nur noch ein Sieg, um am Montag erstmals Nummer 1 der Tennis-Weltrangliste zu sein. Das entscheidende Match findet gegen einen Gegner statt, der ihm das nur bedingt zutraute.
„Absolut nicht. Das würde ich im Traum nicht glauben.“ Diese Antwort gab der Niederländer Tallon Griekspoor im Cor Potcast nach den US Open auf die Frage, ob er denke, dass Alexander Zverev dauerhaft eine echte Gefahr für Carlos Alcaraz und Jannik Sinner sein und das Jahr als Nummer 1 beenden könnte.
Es ist eine kuriose Note, dass nun ausgerechnet jener Griekspoor im Achtelfinale des ATP-Turniers in Wien am Donnerstag derjenige ist, gegen den Zverev bei einem Sieg seinen erstmaligen Sprung zur Nummer 1 perfekt machen kann.
Zwar wird der Hamburger nach dem vorzeitigen Saisonende von Jannik Sinner zum Jahresende diese Position sowieso übernehmen – Griekspoor würde es aber sicher gerne noch ein wenig nach hinten verschieben. Denn beste Freunde sind die beiden nicht, wie weitere Aussagen belegen: „Ich habe eine Pressekonferenz gesehen, in der er sich auf dasselbe Level wie ein (Carlos) Alcaraz und Sinner stellt – und das fühlt sich für mich einfach nicht richtig an.“
Zverev habe nun zwei Grand Slams gewonnen, „weil die anderen Jungs halb-verletzt waren das ganze Jahr. Und dann tut er so, als sei er der beste Tennisspieler im Moment. Gut, anscheinend ist er es, weil er zwei Grand Slams gewonnen hat – aber zum Teil ist das wegen der Abwesenheit anderer, sage ich.“
Ganz korrekt hatte Griekspoor Zverevs Aussagen allerdings nicht wahrgenommen: Zverev hatte sich in Pressekonferenzen lediglich auf die Stufe von Alcaraz gestellt. Sinner, der den Deutschen in den vergangenen zehn Duellen geschlagen hatte, stellte Zverev dagegen noch eine Stufe über sich, Alcaraz und „vielleicht (Novak) Djokovic“.
Alexander Zverev vs. Tallon Griekspoor: Ein Gegner, der öfter Probleme bereitet
Griekspoor erzählte noch eine weitere Anekdote. Nachdem der 30-Jährige in einem Interview erklärt hatte, wieso er Zverev oft so große Probleme bereitet und dass man Zverev vor allem über dessen Vorhand attackieren müsse, habe dieser ihm gesagt: „Danke dafür, dass du jedem gesagt, wie man gegen mich spielen muss.“ Griekspoor entgegnete: „Also wenn sie das bis jetzt noch nicht gewusst haben – es ist ziemlich offensichtlich.“
Zwar führt Zverev den direkten Vergleich mit Griekspoor deutlich mit 9:3 – doch das ist für die Nummer 50 der Welt keine schlechte Bilanz gegen einen Top-3-Spieler. Zumal Griekspoor Wert darauf legt, dass er „ein paar mehr Matches hätte gewinnen sollen“. Tatsächlich waren viele Duelle der beiden sehr eng, am Ende war Zverev in den entscheidenden Momenten jedoch der nervenstärkere.
Das letzte Aufeinandertreffen der beiden gab es in Montreal, welches Griekspoor mit 6:7, 6:2, 6:4 für sich entschied. Zverev sagte danach, dass er beim Wechsel auf Hartplatz noch keine besondere Leistung von sich erwartet habe, aber auch nicht, „so schlecht zu spielen“. Die Partie sei „wahrscheinlich das schlechteste Spiel der Saison“ gewesen, ging Zverev mit sich hart ins Gericht.
Griekspoor: „Es fällt mir schwer, Zverev zuzusehen“
Trotz kleinerer Sticheleien betont Griekspoor, dass die beiden kein größeres Problem miteinander haben, es sei vielleicht einfach nur die deutsch-niederländische Rivalität.
Dass er nicht Zverevs größter Fan ist, ließ er aber auch bei seiner Bewertung des siegreichen US-Open-Finals von Zverev gegen Shelton durchblicken. Das Endspiel sei „eher mittelmäßig“ gewesen: „Zverev war nicht überragend, aber er hat wirklich gut aufgeschlagen. Shelton hat sehr unbeständig gespielt und zwei, drei Punkte pro Spiel verschenkt.“
Speziell Zverevs Angewohnheit bei den US Open, sehr häufig den Ball vor dem Aufschlag aufzutippen, war Griekspoor ein Dorn im Auge. Daher habe er sich das Endspiel auch nicht immer aufmerksam angeschaut: „Es fanden auch andere Sportarten statt und es fällt mir einfach schwer, Zverev zuzusehen. Vor allem, wenn er den Ball vor jedem Aufschlag 400 Mal auftippt.“
Griekspoor traut Zverev „vier oder fünf Grand-Slam-Titel zu“
Seine kritischen Aussagen gegenüber Zverev sorgten auch auf Social Media für Aufsehen, weshalb sich Griekspoor veranlasst sah, in einem Statement ein wenig zurückzurudern: „Normalerweise reagiere ich hier nicht, aber das geht aus dem Ruder. Ich habe nur gesagt, es war schwer anzuschauen wegen des ständigen Balltippens. Nichts als Lob für Sascha für das, was er dieses Jahr geleistet hat!“
In dem Podcast betonte er zudem, dass Zverev immer derjenige sei, „der bereit ist, sollten diese beiden (Alcaraz und Sinner) während eines Turniers scheitern“. Daher würde es ihn auch überhaupt nicht überraschen, „wenn er seine Karriere mit vier oder fünf Grand-Slam-Titeln beenden würde“.
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Am Donnerstagabend wird sich klären, ob Griekspoor als derjenige in die Geschichte eingeht, gegen den Zverev seinen erstmaligen Sprung auf Platz 1 der Tennis-Weltrangliste perfekt gemacht hat.