Gefallener Tennis-Gigant: Vom Olymp in einen Knast in Karlsruhe
Mit seinen Raketenaufschlägen treibt Roscoe Tanner sogar Björn Borg in Wimbledon bis an den Rande einer Niederlage. Doch abseits der Karriere handelt sich der US-Amerikaner eine Menge Ärger ein. Heute wird er 75 Jahre alt.
Heute ist eine der großen Aufschlagkanonen der deutsche Grand-Slam-Champion Alexander Zverev – in der Regel sind die härtesten Aufschläger um die zwei Meter groß.
Doch bereits in den 70er Jahren verblüffte ein Amerikaner die Tennisszene mit seinem gewaltigen Service – und der war mit 1,83 m für heutige Verhältnisse eher kleingewachsen.
Roscoe Tanner feuerte seine Aufschläge mit weit mehr als 200 km/h übers Netz, als viele seiner Gegner die Ballwechsel noch mit einem „Einwurf“ begannen. Tanners Rekord wurde mit 246 km/h gemessen.
Tanner unterliegt Borg im Wimbledon-Finale knapp
Der Linkshänder feiert heute seinen 75. Geburtstag und blickt auf ein bewegtes Leben zurück – inklusive einiger Abstürze. Nur auf dem Platz schlug er sich ziemlich erfolgreich: 1977 gewann Tanner die Australian Open, 1979 hatte er den großen Björn Borg im Wimbledonfinale am Rande einer Niederlage. Erst im fünften Satz musste er sich Borg beugen. Es war das erste Wimbledon-Finale, dass in den USA live im Fernsehen übertragen wurde.
Mit 16 Turniersiegen kletterte er auf Platz vier der Weltrangliste und trug seinen Teil zum Davis-Cup-Sieg der USA 1981 bei.
Tanner abseits des Courts wenig erfolgreich
Abseits der Tenniscourts hatte Tanner weniger Erfolg. Der Student der Stanford University kam zwar aus gutem Haus, war beliebt und begehrt. Einen moralischen Kompass besaß er jedoch nie.
Zahlreiche Affären führten zu drei Ehen und fünf Töchtern mit vier verschiedenen Frauen. Unterhalt zahlte er äußerst ungern, betrog mit Schecks und saß dafür mehrmals im Knast, einmal auch in Deutschland, nachdem er 2003 in Karlsruhe verhaftet worden war.
Zweite Frau verkauft Australian-Open-Trophäe
Mehrfach gab er sich reumütig, immer fiel er in alte Muster zurück.
„Ich habe alle im Stich gelassen. Ich habe den Sport nicht so vertreten, wie ich es hätte tun sollen. Darauf bin ich nicht stolz“, sagte er 2012, bevor er wieder einmal ins Gefängnis wanderte.
Geblieben ist dem Mann mit dem goldenen Arm nichts aus seiner Profizeit, nicht einmal die Trophäe der Australian Open. Die verkaufte seine zweite Frau Charlotte Brady. Mit dem Tennis bleibt Tanner dennoch weiter verbunden.
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In einem Interview im Oktober 2025 erzählte er, dass er immer noch regelmäßig Tennis spielt. „Ich schlage immer noch mit 160 km/h auf“, sagte Tanner dem Magazin Racquet. Eine seiner Töchter spielt am College – sie ist natürlich Linkshänderin. Also gibt es den Namen Tanner vielleicht bald wieder im Profitennis.