Verstappens Deal hat einen Haken

Verstappen verrät Gründe für Verlängerung

Verstappen verrät Gründe für Verlängerung

Max Verstappen verlängert nach einer langen Hängepartie seinen Vertrag bei Red Bull. Für einige kommt die Entscheidung überraschend. Hinter dem Treuebekenntnis steckt jedoch mehr als eine Liebesbekundung.

So schnell wird aus einer offenen Beziehung wieder eine feste Ehe. Monatelang wurde Max Verstappen mit Mercedes in Verbindung gebracht, auch McLaren und Ferrari geisterten durch die Gerüchteküche. Vater Jos schoss öffentlich gegen Red Bull, und Verstappen selbst tat wenig, um die Spekulationen zu beenden. Jetzt verlängert der viermalige Weltmeister bis Ende 2030. Und klingt dabei plötzlich fast romantisch.

„Ich mag es hier“, sagt Verstappen und spricht von der schönen Geschichte, die es wäre, nach dem Einstieg bei Red Bull irgendwann auch dort seine Karriere zu beenden. Einen Wechsel nur des Wechsels wegen brauche er nicht. Dann folgt der bemerkenswerteste Satz: „Ich war näher am Rücktritt als an einem Teamwechsel.“

Max Verstappens Verlängerung bei Red Bull kommt für viele überraschend
Max Verstappens Verlängerung bei Red Bull kommt für viele überraschendMax Verstappens Verlängerung bei Red Bull kommt für viele überraschend© IMAGO/ABACAPRESS

Formel 1: Verstappen verlängert bei Red Bull

Eine Liebeserklärung an Red Bull? Vielleicht. Allerdings eine, die sich Verstappen fürstlich bezahlen lassen soll. Rund 92 Millionen Euro Grundgehalt pro Jahr sollen als Summe im Raum stehen. Ohne Boni wären das in vier Jahren bereits fast 400 Millionen Euro. Und auch sonst ist die Beziehung weniger bedingungslos, als es zunächst klingt. Man könnte sagen: Es ist keine Liebesheirat, sondern eine Zweckgemeinschaft. Mit einem knallharten Ehevertrag. Der besonders Red Bull in die Pflicht nimmt.

Denn Verstappen hat sich offenbar erneut abgesichert. Schon sein bisheriger Vertrag enthielt eine leistungsabhängige Ausstiegsklausel. Und auch im neuen Kontrakt gibt es geheime Vereinbarungen.

Dass die Tür nach draußen für Max Verstappen mit dem Deal nicht abgeschlossen ist, bestätigt Vater Jos. „Natürlich wurden diesbezüglich Vereinbarungen im Vertrag getroffen“, sagt Verstappen senior bei Formule1. „Wir wissen, wie diese Vereinbarungen aussehen, und Red Bull weiß es. Wir werden sie nicht öffentlich machen.“

Verstappen hat Forderungen an Red Bull

Worum es dabei geht, lässt der ehemalige Teamkollege von Michael Schumacher bei Benetton 1994 ebenfalls durchblicken: „Max will ein Auto, mit dem er gewinnen kann.“ Man vertraue Red Bull zwar, schränkt aber sofort ein: „Inwieweit sie das tatsächlich schaffen, bleibt natürlich abzuwarten. Das weiß man nie.“ Mit anderen Worten: Max bleibt. Aber Red Bull muss liefern.

Immerhin herrscht erst einmal Frieden. „Das Wichtigste im Moment ist, dass an dieser Front wieder Ruhe herrscht“, betont Jos Verstappen. Manager Raymond Vermeulen und Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff hätten bei den Verhandlungen gute Arbeit geleistet. Entscheidend sei das gegenseitige Vertrauen gewesen: „Sonst hätten wir den Vertrag natürlich nicht unterschrieben.“

Die Frage nach der Alternative

Doch vielleicht gibt es noch einen ganz anderen Grund für die neue Treue. Denn irgendwann stellte sich bei all den Wechselgerüchten eine Frage: Wollte die Konkurrenz Verstappen überhaupt so unbedingt, wie es nötig gewesen wäre für das Wechsel-Spektakel?

Mercedes galt lange als logisches Ziel. Doch mit Kimi Antonelli hat Toto Wolff längst seinen eigenen Superstar herangezogen. Einen Verstappen vor die Nase des Wunderkindes zu setzen, wäre eine ziemlich teure Form der Nachwuchsförderung.

Noch weniger Bedarf hat McLaren. Mit Lando Norris und Oscar Piastri stehen bereits zwei Spitzenfahrer unter Vertrag. Und wer Verstappen verpflichtet, kauft eben nicht nur ein paar Zehntelsekunden pro Runde. Er bekommt einen mehrfachen Weltmeister samt entsprechendem Gehalt und Status und verändert damit die Statik eines ganzen Teams. Das muss man wollen.

Red Bull braucht Verstappen – aber umgekehrt gilt das auch

So bekommt Verstappens Satz vom Rücktritt eine zweite Bedeutung. Natürlich braucht Red Bull seinen Superstar. Doch womöglich braucht Verstappen Red Bull mittlerweile genauso sehr.

Hier kennt er jede Schraube, genießt maximalen Einfluss und muss niemandem erklären, wer die Nummer eins ist. Wenn dazu angeblich rund 92 Millionen Euro im Jahr kommen und kein Konkurrent ein eindeutig besseres Paket anbietet, wird die große Wechsel-Frage plötzlich ganz klein.

Jetzt hat er bis 2030 unterschrieben. Und selbst dieses Datum ist offenbar mit Bedacht gewählt. „Mit dem Jahr, bis zu dem ich unterschrieben habe, öffnet sich wieder eine Tür“, sagt Verstappen mit Blick auf die mögliche Rückkehr der V8-Motoren.

Ferrari bleibt im Hinterkopf

Da ist sie also wieder, die Hintertür. Vielleicht führt sie tatsächlich in den Ruhestand. Vielleicht aber auch noch einmal in eine andere Garage.

Denn 2030 ist Verstappen gerade einmal 33 Jahre alt. Und sollte Lewis Hamilton bis dahin seine Karriere beendet haben und Ferrari trotz aller Anläufe noch immer auf den ersehnten WM-Titel warten, könnte ausgerechnet Rot noch einmal zur Versuchung werden.

Denn so romantisch die Vorstellung von der ewigen Red-Bull-Ehe auch klingt: Ein Verstappen, der Ferrari nach Jahrzehnten des Wartens wieder zum Weltmeister macht, wäre vielleicht die einzige Geschichte, die noch größer wäre.