Visa-Wirbel um russische Turnerinnen
World Gymnastics bedauert "die negativen Auswirkungen" auf die russische Delegation. Topstar Angelina Melnikowa droht die WM zu verpassen.
Der Turn-Weltverband World Gymnastics hat irritiert auf das Einreiseverbot für drei russische Athletinnen vor der WM in Rotterdam reagiert. „World Gymnastics ist nicht in der Lage zu erklären, warum eine bestimmte Anzahl von Visumanträgen abgelehnt wurde“, hieß es in einer Mitteilung des Weltverbandes am Mittwoch. Man stehe weiterhin in „ständigem Dialog mit den niederländischen Behörden, dem lokalen Organisationskomitee und dem russischen Turnverband“.
Am Dienstag war bekannt geworden, dass die Visa-Anträge dreier russischer Sportlerinnen von den niederländischen Behörden abgelehnt worden waren – darunter auch der der amtierenden Mehrkampf- und Sprung-Weltmeisterin Angelina Melnikowa. Eine Teilnahme an den am Samstag beginnenden Weltmeisterschaften ist somit nach aktuellem Stand nicht möglich.
Melnikowa holte nach Visa-Wirbel dreimal WM-Gold
Der russische Turnverband bezeichnete die Entscheidung als „Diskriminierung“ und warf den niederländischen Behörden den Versuch vor, die „besten Turnerinnen“ von den Meisterschaften fernzuhalten. Andere russische Athleten würden demnach noch auf eine Entscheidung über ihre Visa warten. Der russische Verband kündigte an, sich unter anderem an den Weltverband richten zu wollen, der nun reagierte. „World Gymnastics bedauert zutiefst die negativen Auswirkungen auf die Vorbereitungen der russischen Delegation und die Verunsicherung, die in der gesamten Gemeinschaft der Weltmeisterschaften im Kunstturnen herrscht“, heißt es in der Stellungnahme.
Bereits im August war Melnikowa zunächst die Einreise zur Europameisterschaft in Kroatien verweigert worden. Nach einer Berufung wurde die Entscheidung jedoch revidiert, Melnikowa konnte antreten und gewann insgesamt drei Goldmedaillen. Die 26-jährige Spitzenathletin gilt als Unterstützerin der russischen Führung, die seit 2022 Krieg gegen die Ukraine führt.
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Im Mai hatte World Gymnastics die Sanktionen gegen Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus aufgehoben. Sie dürfen nun auch wieder unter ihrer Landesflagge starten. Melnikowa hatte bereits zuvor wieder an Wettkämpfen teilnehmen können, da sie trotz ihrer Verbindungen zum russischen Regime vom Turn-Weltverband als „individuelle neutrale Athletin“ eingestuft worden war.