Klosterhalfen trifft Karriere-Entscheidung
Historisch! Klosterhalfen knackt nationalen Rekord
Die Leichtathletik-WM 2031 kommt nach München – und Konstanze Klosterhalfen hat ein klares Ziel: Die 29-Jährige will vor heimischem Publikum starten - noch einmal. Dafür plant sie langfristig.
Die letzten Meter gehören allein ihr. Konstanze Klosterhalfen läuft an diesem lauen Augustabend 2022 im Münchner Olympiastadion ihrem größten Erfolg auf deutschem Boden entgegen. Über 5000 Meter hat sie sich längst von der Konkurrenz gelöst, auf der Zielgeraden geht es nur noch darum, den Moment zu genießen. Die Ränge sind voll, das Publikum trägt die deutsche Läuferin ins Ziel. Dann ist es geschafft: Klosterhalfen ist Europameisterin – vor heimischem Publikum, in München.
Die Bilder von damals sind Klosterhalfen noch präsent. Und nun gibt es einen neuen Grund, sich an diesen Sommer zu erinnern. Am Dienstag fiel die Entscheidung, dass München 2031 Schauplatz der Leichtathletik-Weltmeisterschaften wird. Für Klosterhalfen ist das mehr als die Nachricht, dass ein großes Sportereignis nach Deutschland kommt. Es ist die Aussicht auf eine WM genau dort, wo sie bereits einen ihrer größten Erfolge gefeiert hat.
München lässt Klosterhalfen nicht los
„Die WM 2031 in München ist der Wahnsinn! Ich freue mich jetzt schon darauf und habe gehofft, dass die Entscheidung so ausfallen würde! München hat bereits mehrfach bewiesen, dass es die perfekte Bühne für ein sportliches Großereignis bieten kann“, schwärmt Klosterhalfen bei SPORT1. „Ich fühle jetzt noch die Atmosphäre im Olympiastadion, im Olympiapark oder in der ganzen Stadt, wenn ich zurück an die Finals 2022 denke!“
Und „Koko“ will dann nicht nur Zuschauerin sein. Sie plant ihre Karriere weit genug voraus, um München 2031 als persönliches Ziel ins Visier zu nehmen – dann wäre sie 34 Jahre alt. „Für mich persönlich ist es, als würde sich ein Kreis schließen und ich möchte unbedingt bei einer Weltmeisterschaft vor Heimpublikum dabei sein“, sagt sie.
Es ist eine bemerkenswerte Perspektive für eine Läuferin, deren Karriere in den vergangenen Jahren immer wieder durch Verletzungen und Rückschläge ausgebremst wurde. 2024 verpasste Klosterhalfen die Europameisterschaften in Rom und die Olympischen Spiele in Paris. Auch bei der Weltmeisterschaft 2025 in Tokio konnte sie nicht starten. Nach mehreren schwierigen Jahren musste sie ihren Weg zurück immer wieder neu planen.
Der Blick geht wieder auf die Bahn
2026 entschied sie sich deshalb bewusst für einen anderen Schwerpunkt. Statt eine komplette Bahnsaison mit den Deutschen Meisterschaften und den Europameisterschaften in Birmingham zu bestreiten, konzentrierte sie sich auf Straßenrennen. „Eigentlich war der Plan, eine kurze Bahn-Saison mitzunehmen. Dann wollten wir jedoch kein Risiko eingehen, da die Belastung auf der Bahn immer noch intensiver ist“, erklärte sie im Sommer bei web.de.
Ganz ohne Spitzenleistungen blieb das Jahr dennoch nicht. Bereits im April verbesserte Klosterhalfen im spanischen Laredo den deutschen Rekord über zehn Kilometer auf 30:37 Minuten. Es folgten Rennen in New York, Lille und Manchester. Die Straße bot ihr die Möglichkeit, Wettkampfhärte zu sammeln, ohne die Belastungen einer kompletten Saison auf der Bahn einzugehen.
Nun soll der nächste Schritt folgen. „Nächstes Jahr werde ich wieder auf die Bahn zurückkehren“, kündigte Klosterhalfen an. Die Weltmeisterschaften 2027 in Peking könnten damit zum nächsten großen Ziel werden. Es wäre ihre Rückkehr auf die internationale Meisterschaftsbühne – und zugleich ein weiterer Schritt auf dem langen Weg Richtung München.
Ein Kreis soll sich für Klosterhalfen schließen
Denn genau diese langfristige Perspektive ist bei Klosterhalfen neu. Noch vor einigen Jahren schien die Karriereplanung immer wieder vom nächsten gesundheitlichen Rückschlag abhängig zu sein. Heute spricht sie wieder darüber, was in fünf Jahren möglich sein könnte. Bereits Anfang 2026 hatte sie einen bemerkenswert optimistischen Satz gesagt: „Die besten Jahre liegen noch vor mir.“
Dahinter steckt auch ein veränderter Umgang mit den schwierigen Phasen ihrer Karriere. „Es war zwar manchmal nicht einfach, aber ich habe gelernt, dass man Zeit braucht, um Rückschläge zu akzeptieren und daraus zu lernen. Ich gehe mit einem sehr positiven Blick nach vorne“, sagte Klosterhalfen damals.
Dieser Blick reicht inzwischen bis 2031. Dabei weiß auch sie, dass im Leistungssport kaum etwas über einen derart langen Zeitraum planbar ist. Fünf Jahre sind für eine 29-jährige Läuferin eine lange Zeit, Verletzungen können Pläne jederzeit verändern. Klosterhalfen hat das in den vergangenen Jahren selbst erfahren. Trotzdem formuliert sie ihr Ziel ungewöhnlich klar: Sie möchte die WM in München erleben – und im Olympiastadion noch einmal glänzen.