Ein spät enthüllter Skandal
Heute vor 18 Jahren gewann Leichtathletik-Ikone Usain Bolt sein drittes Olympia-Gold in Peking - das ihm inzwischen wegen einer Doping-Enthüllung in seinem Team aberkannt worden ist.
Paavo Nurmi, Turn-Legende Larissa Latynina, Carl Lewis, Mark Spitz – Usain Bolt.
So sah zehn Jahre lang die exklusive Liste der Sport-Ikonen aus, die bei Olympia im Sommer neun Goldmedaillen gewonnen haben. Plus das über allem schwebende Schwimm-Phänomen Michael Phelps (23).
Heute vor 18 Jahren gewann der jamaikanische Sprint-Superstar Bolt Gold Nummer 3, die Medaille, die seinen kometenhaften Aufstieg 2008 in Peking vollendete, mit dem Bolt zum bis heute unerreichten Maßstab der Disziplin wurde.
Inzwischen aber ist Bolts dritter Peking-Triumph aus der offiziellen Bilanz gestrichen und zu einem Makel im Vermächtnis des heute 40-Jährigen geworden.
Usain Bolt: Triumphzug 2008 hatte Makel
Rückblende: Bei den Spielen 2008 hatte der damals 21 Jahre alte Bolt erstmals alle Augen der Weltöffentlichkeit auf sich gezogen.
Nachdem er schon zweieinhalb Monate zuvor in New York City seinem Landsmann Asafa Powell den Weltrekord weggeschnappt hatte, steigerte Bolt die Bestmarke beim Finale in Peking nochmals – von 9,72 auf 9,69 Sekunden.
Bolts unglaublicher Lauf machte ihn zum zweiten großen Star der Spiele neben Rekordschwimmer Phelps. Und was ihn noch unglaublicher machte: Bolt drosselte gegen Ende das Tempo und begann in Siegerpose zu gehen, als er merkte, dass die Konkurrenz abgeschlagen war. Und die Schnürsenkel seiner Schuhe waren während des gesamten Sprints versehentlich offen.
Auch über 200 Meter siegte Bolt und unterbot die bis dato gültige Bestmarke von US-Legende Michael Johnson – von 19,32 auf 19,30 Sekunden. Am 22. August 2008 folgte der Triumph in der 4×100-Meter-Staffel: Bolt, Powell, Michael Frater und Nesta Carter siegten deutlich vor Trinidad und Tobago und Japan. Neun Jahre später allerdings kam heraus: Es ging dabei nicht mit rechten Dingen zu.
Nesta Carter war gedopt
Bolts Teamkollege Nesta Carter wurde 2016 in einem Nachtest mit über die Jahre verbesserten Analysemethoden Doping nachgewiesen, er hatte Methylhexaneamin im Körper – die verbotene Substanz, die 2014 auch Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle zum Verhängnis geworden war.
Der Sieg wurde 2017 nachträglich dem Quartett aus Trinidad und Tobago zugesprochen, Japan, Brasilien und das deutsche Quartett Tobias Unger, Till Helmke, Alexander Kosenkow und Martin Keller rückte auf die Plätze 2 bis 4 vor. Ein Einspruch der Jamaikaner 2018 in letzter Instanz vom International Sportgerichtshof CAS abgewiesen. Bolts historisches „Triple-Triple“ in Peking, London 2012 und Rio de Janeiro 2016 war nichtig.
Bezeichnend außerdem: Auch die am selben Tag wie Bolt siegreiche 4×100-Meter-Staffel der Frauen ist ihr Olympia-Gold von Peking mittlerweile los: Das ursprünglich vor Belgien siegreiche Quartett aus Russland ist mittlerweile aus den Rekordbüchern gestrichen, weil bei Julija Tschermoschanskaja Anabolika-Doping nachgewiesen wurde – ebenfalls in einem Nachtest, acht Jahre später.
Bolt nahm es locker: „Regeln sind Regeln, Freude hält ewig“
Der Fall Carter – und nicht nur dieser – warf weitere Fragen auf: Carter war auch Teamkollege Bolts bei Olympia 2012 und drei gemeinsamen WM-Siegen 2011, 2013 und 2015. Und auch Powell, der noch bei drei weiteren Staffel-Goldmedaillen Bolts dabei war (WM 2009, 2015, Olympia 2016), ist belastet: 2013 wurde er positiv auf das Stimulans Oxilofrin getestet und gesperrt.
Auch Bolt – immer noch der erfolgreichste Olympia-Leichtathlet hinter Nurmi und Carl Lewis – wurde wegen der Dopingfälle in seinem Land und seinen bis heute unübertroffenen Fabelzeiten immer wieder mit Argwohn konfrontiert. Beweise gab es allerdings nie.
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Seine verlorene Goldmedaille von 2008 nahm Bolt bemerkenswert gleichmütig hin: Mit einer Aberkennung der Goldmedaille hätte er „kein Problem“, erklärte er unmittelbar nach Bekanntwerden des Dopingfunds. Als das Urteil dann offiziell wurde, kommentierte er: „Regeln sind Regeln, aber Ende des Tages wird die Freude über den Staffelsieg mit meinen Teamkameraden in Peking ewig anhalten.“