Arminius Rolle exklusiv: „Möchte einer der größten deutschen Boxer werden“

Arminius Rolle exklusiv: „Möchte einer der größten deutschen Boxer werden“

Mit gerade einmal 16 Jahren steht Deutschlands Box-Hoffnung Arminius Rolle vor dem bislang größten Kampf seiner Karriere. An diesem Samstag steht für der Berliner erstmals um ein Profititel auf dem Spiel. SPORT1 hat im Vorfeld mit ihm gesprochen.

Arminius Rolle ist Boxer und erst 16 Jahre alt. Wer mit ihm spricht, vergisst das allerdings schnell. Der Berliner formuliert klar, wirkt reflektiert und spricht über seine Karriere mit einer Gelassenheit, die für sein Alter bemerkenswert ist.

Am Samstag steht Rolle vor dem bislang wichtigsten Abend seiner Karriere, nach sechs Profikämpfen geht es erstmals um einen Titel. Im Interview mit SPORT1 sprechen Arminius Rolle und sein Vater Robert (IBF-Europameister 2008) über große Ziele, familiäres Vertrauen und große Ambitionen.

Arminius Rolle steht vor seinem siebten Profikampf
Arminius Rolle steht vor seinem siebten ProfikampfArminius Rolle steht vor seinem siebten Profikampf© IMAGO/Torsten Helmke

SPORT1: Arminius Rolle, am 10. Oktober kämpfen Sie in Aschersleben um die Internationale Deutsche Meisterschaft. Zehn Runden sind angesetzt, so viele wie noch nie in Ihrer Karriere. Was bedeutet dieser Kampf für Sie?

Arminius Rolle: Sehr viel. Das ist ein riesiger Schritt für mich. Ich habe großen Respekt vor den zehn Runden, weil ich weiß, was körperlich dahintersteckt. Wir haben das mehrfach im Training simuliert. Vom Stellenwert her ist das ganz klar der wichtigste Kampf meiner Karriere. Es ist eine riesige Chance, um einen Titel zu boxen und ein Stück deutsche und internationale Geschichte zu schreiben.

SPORT1: Sie sprechen es an, bis jetzt gingen Ihre Kämpfe maximal über sechs Runden.  

Rolle: Die Belastung verändert sich komplett. Selbst über sechs Runden bin ich bislang nur einmal gegangen. Auf dem Papier wirken vier Runden mehr wenig dramatisch. Im Ring fühlt sich das anders an. Vor allem die letzten beiden Runden sind sehr schmerzhaft. Da zeigt sich, wer körperlich und mental noch etwas zuzusetzen hat.

DEINE MEINUNG

Arminius Rolle wurde Weltmeister im Schachboxen

SPORT1: Mit 16 Jahren sind Sie der jüngste Boxer im Titelkampf. Ihr Gegner Amijan Sepic ist 22. Was erwarten Sie von ihm?

Rolle: In erster Linie eine Menge Gegenwehr und einen enorm schweren Kampf. Mit 22 Jahren ist man körperlich voll entwickelt und gleichzeitig in einem Alter, in dem man sehr fit ist. Er wird hoch motiviert sein, denn er möchte den Titel genauso gewinnen wie ich. Das wird den Kampf noch intensiver machen.

SPORT1: Für viele gelten Sie als Deutschlands größte Box-Hoffnung. Manche sprechen sogar von einem Wunderkind.

Rolle: Ehrlich gesagt nehme ich das gar nicht so stark wahr. Natürlich merke ich, dass viele Menschen Erwartungen haben. Aber ich würde mich selbst niemals als Deutschlands größte Box-Hoffnung bezeichnen. Ich weiß, dass ich Talent habe und dass ich das Potenzial besitze, etwas Großes zu erreichen. Deshalb investiere ich auch so viel Zeit in den Sport. Dennoch versuche ich, die Dinge nüchtern zu sehen. Ich habe viele Jahre vor mir und muss mich jeden Tag weiterentwickeln.

SPORT1: Sie sind außerdem Junioren-Weltmeister im Schachboxen. Für alle, die damit noch nie zu tun hatten: Wie genau läuft ein Schachboxkampf eigentlich ab?

Rolle: Schachboxen verbindet, wie der Name schon sagt, zwei völlig unterschiedliche Welten: Schach und Boxen. Zunächst spielt man drei Minuten Schach, danach geht es direkt für drei Minuten in den Ring. Dann wieder zurück ans Schachbrett. Das läuft immer im Wechsel ab. Gewinnen kann man durch K.o., durch Schachmatt oder auch dadurch, dass dem Gegner die Zeit auf der Schachuhr ausgeht. Wenn es im Schach unentschieden steht, können am Ende die Boxrunden entscheiden. Das kommt allerdings eher selten vor. 

Rolle: „Mein Vater kennt mich besser als jeder andere Trainer“

SPORT1: Was reizt Sie daran besonders?

Rolle: Die Kombination. Nach einer harten Boxrunde ruhig zu bleiben und sofort wieder die richtigen Entscheidungen auf dem Schachbrett zu treffen, ist unglaublich schwierig. Das Adrenalin ist hoch, man ist körperlich gefordert und muss trotzdem klar denken.

SPORT1: Nun sind Sie schon in jungen Jahren im „klassischen“ Boxen angekommen. Ihr Vater Robert Rolle war früher selbst Europameister und ist heute Ihr Trainer. Wie ist es, wenn der eigene Vater gleichzeitig Trainer ist? 

Rolle: Der größte Vorteil ist, dass mein Vater jeden Tag bei mir ist. Egal, ob wir zusammen Boxen schauen oder trainieren – wir verbringen sehr viel Zeit miteinander. Mein Vater kennt mich besser als jeder andere Trainer. Dazu kommt das Vertrauen. Ich vertraue ihm blind. Das könnte ich bei einem anderen Trainer wahrscheinlich nicht in dieser Form. Und deswegen sehe ich da eigentlich nur positive Aspekte. 

SPORT1: Gab es trotzdem schon einmal Situationen, in denen Sie anderer Meinung waren?

Rolle: Tatsächlich genau einmal. Das war bei einem Schachbox-Halbfinale gegen einen sehr starken russischen Gegner. Ich lag im Schach deutlich vorne. Mein Vater wollte, dass ich in der Boxrunde mehr Druck mache. Ich dachte mir aber: Warum soll ich unnötige Risiken eingehen, wenn ich im Schach ohnehin auf Siegkurs bin? Also habe ich defensiver geboxt und versucht, die Runde zu überstehen. Danach habe ich die Partie im Schach gewonnen. Das war das einzige Mal, dass wir wirklich unterschiedlicher Meinung waren.

Robert Rolle (lacht im Hintergrund): Da musste ich hinterher zugeben, dass er recht hatte. Seitdem diskutieren wir manchmal sogar während des Kampfes in der Ecke. Ich komme aus der klassischen Boxschule: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Arminius denkt häufig noch stärker taktisch und hat manchmal einen anderen Blick auf die Situation.

Arminius Rolle stammt aus einer Sportfamilie

SPORT1: Bei Ihnen ist Sport generell großes  Familienthema: Ihre Oma Eva war Box-Promoterin, Ihr Vater Europameister, Ihr Bruder Achilles spielt beim BFC Dynamo Fußball. Ihre anderen Geschwister, Askan und Alaia, sind im Eishockey bei den Eisbären aktiv.

Rolle: Sport hatte bei uns schon immer einen hohen Stellenwert. Mein Vater hat Sportwissenschaften studiert und uns früh dafür begeistert. Angefangen haben wir eigentlich alle mit Fußball. Mein Bruder und ich haben vorher noch Taekwondo gemacht. Später bin ich zum Schachboxen und dann zum Boxen gekommen. Mein Bruder ist beim Fußball geblieben.

Robert Rolle: Mir war wichtig, dass die Kinder durch den Sport bestimmte Werte lernen. Disziplin, Durchhaltevermögen und die Erfahrung, dass sich harte Arbeit auszahlt. Welchen Sport sie am Ende machen, war mir eigentlich egal. Ich wollte lange Zeit gar nicht unbedingt, dass Arminius Boxer wird. Aber irgendwann hat jeder seinen Weg gefunden.

Arminius will im Boxen Großes erreichen
Arminius will im Boxen Großes erreichenArminius will im Boxen Großes erreichen© IMAGO/Torsten Helmke

SPORT1: Sie trainieren teilweise zwei bis drei Stunden am Tag und müssen parallel für die Schule lernen, Arminius. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut? 

Rolle: Vor allem mit guter Planung. Mittwochs habe ich zum Beispiel die ersten beiden Schulstunden frei. Dann stehe ich morgens um sechs Uhr auf, gehe laufen und fahre anschließend zur Schule. Nachmittags folgt die nächste Trainingseinheit. An anderen Tagen machen wir nach der Schule direkt zwei Einheiten hintereinander, etwa Boxen und Krafttraining. So bleibt am Ende trotzdem noch Zeit fürs Lernen.

SPORT1: Was sagen Ihre Mitschüler dazu, dass einer von ihnen bereits Profiboxer ist?

Rolle: Ich glaube, die finden es alle ziemlich cool (lacht). Ich kann natürlich keine Gedanken lesen, aber sie fragen oft nach den Kämpfen und wann der nächste in Berlin stattfindet. Wenn ich dort boxe, wollen viele auch zuschauen und vorbeikommen. 

Dieses ehrgeizige Ziel verfolgt Arminius Rolle

SPORT1: Sie haben zuletzt gesagt, dass man sich in hundert Jahren noch an Ihren Namen erinnern soll. Das klingt nach einem außergewöhnlich großen Ziel.

Rolle: Das stimmt. Ich möchte auf jeden Fall einer der bedeutendsten und größten deutschen Boxer jemals werden. Das ist meine Vision. Mein größtes Ziel ist natürlich, Weltmeister zu werden. Das ist für viele ein Traum. Gleichzeitig will ich weiter an mir arbeiten, gesund bleiben und meine Schule mit dem Abitur abschließen. Und dann möchte ich langfristig einfach das Maximum aus meinem Talent herausholen.

SPORT1: Was sind eigentlich Ihre ersten Erinnerungen ans Boxen?

Rolle: Daran kann ich mich nur noch ganz dunkel erinnern. Ich war noch sehr klein und schon im Gym, damals war mein Vater selbst noch Trainer. Ich habe dort immer wieder Zeit verbracht. Das war meine erste Verbindung zum Boxen. 

SPORT1: Haben Sie ein Idol? 

Rolle: Meinen Vater. Und mein Ziel ist es, irgendwann noch besser zu werden, als er es war.

Robert Rolle (lacht): Das ist längst passiert. Er boxt heute schon besser, als ich es jemals konnte. Aber natürlich macht mich so eine Aussage stolz.