Das traurige Ende des Box-Machos

von SPORT1
Das traurige Ende des Box-Machos

René Weller war Deutschlands populärster Boxer der Achtziger, in seinen letzten Lebensjahren wurde er zum Pflegefall. Heute vor drei Jahren starb er nach langer Krankheit.

Ihn als schillernd zu beschreiben, wäre wohl eine Untertreibung. Umso trauriger war, wie es mit ihm zu Ende ging.

Heute vor drei Jahren starb René Weller, die „Pforzheimer Antwort auf Muhammad Ali“ infolge einer Demenz-Erkrankung, die ihn in seinen letzten Lebensjahren zum Pflegefall machte.

Mit Wellers Tod verlor das Boxen den Mann, der seinem Sport in den 80er Jahren zu viel neuer Aufmerksamkeit in Deutschland verhalf. Mehr noch als mit seinen Kämpfen beherrschte er die Schlagzeilen damals allerdings mit dem Spektakel, das er um sie herum veranstaltete.

„Ich musste auffallen, um populär zu werden. Wer interessiert sich in Deutschland schon für einen ganz normalen Leichtgewichtsboxer?“, blickte Weller 2018 im Spiegel zurück. Mit seinem Image als Playboy bediente er gekonnt den Boulevard und sorgte für viele bunte Storys.

Ausgelassen hat er so gut wie nichts. Boxtitel, Frauen, Partys, Showbiz, Gefängnis. „Andere müssten drei Leben haben, um das zu erleben, was ich erlebt habe“, sagte Weller einst.

René Weller pflegte stets sein Image als Playboy
René Weller pflegte stets sein Image als Playboy

René Weller bediente den Boulevard intensiv

Den „schönen René“ – geboren am 21. November 1953 als Sohn von Harald Weller, ebenfalls Ex-Boxer – kannte in Deutschland fast jeder: Der gelernte Heizungsmonteur und Goldschmied verstand es, auch außerhalb des Rings auf sich aufmerksam zu machen, mit Macho-Sprüchen und anderen Eskapaden.

In Erinnerung bleiben auf jeden Fall legendäre Fotoaufnahmen, auf denen ein durchtrainierter Weller seinem Playboy-Image reichlich Futter gibt. Mal allein auf einer Harley, mal umringt von schönen Frauen auf einer Luftmatratze im Pool – aber immer mit nacktem Oberkörper und in Macho-Pose. „Ich bin der einzige Deutsche, der nackt besser aussieht als angezogen“, sagte er mal. Auch das Zitat „Ohne Schampus bin ich durstig, ohne Rolex bin ich nackt!“ stammt von ihm.

René Weller liebte es, sich halb nackt in Szene zu setzen
René Weller liebte es, sich halb nackt in Szene zu setzen

Weller nahm mehrere Schallplatten und CDs auf. Auf YouTube erheitert sein „Boxer-Rap“ von 1984 in der Musik-Fernsehshow „Flashlights“ nach wie vor die Internetgemeinde. Auch auf der großen Leinwand verdingte sich Weller: Im Film „Macho Man“ spielte Weller den Box-Weltmeister Dany Wagner, der eine junge Frau aus der Gewalt von drei Drogendealern rettet.

Wellers Macho-Attitüde driftete bisweilen ins Herablassende: „Frauen gehören zum Boxen wie die Luft zum Atmen – als Nummerngirl“, spottete er einst – später allerdings zollte er der deutschen Box-Pionierin Regina Halmich den gebührenden Respekt.

Auch als Weller kein Profi mehr sein konnte, ging seine Show weiter: im Reality-TV. In Formaten wie „Big Brother“, „Frauentausch“, „Das Sommerhaus der Stars“ oder „Das perfekte Promi-Dinner“ spielte sich der selbst ernannte „Golden Boy“ selbst: ein sportverrückter Macho mit Goldkettchen und Westernstiefeln.

Die Verdienste im Boxen gerieten etwas in den Hintergrund

Dass der früher von Promoter Wilfried Sauerland betreute Weller einst der beste Leichtgewichtsboxer in Deutschland war und von 55 Profikämpfen nur einen verlor, geriet darüber öfters in Vergessenheit: 1984 hatte Weller seinen größten Erfolg gefeiert, als er den Italiener Lucio Cusma in Frankfurt bezwang und Europameister wurde. 1986 verlor er den Titel an den Dänen Gert Bo Jacobsen, seine einzige Pleite im Ring.

Wellers Zenit kam einige Jahre vor dem großen, von Henry Maske ausgelösten Box-Boom in Deutschland in den Neunzigern. Kurz nach ihm kam Graciano Rocchigiani, ein anderer rauer Box-Liebling der späten BRD mit tragischem Ende.

René Weller war von 1984 bis 1986 Europameister im Leichtgewicht
René Weller war von 1984 bis 1986 Europameister im Leichtgewicht

„Macho Man“ auch im Film

Zu Wellers bunter Vita gehören dunkle Flecken, er stand mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt: Der Tiefpunkt kam 1999, als er wegen Kokainhandels, der Anstiftung zur Urkundenfälschung sowie unerlaubten Waffenbesitzes zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Weller kan 2003 vorzeitig frei – und beteuerte seine Unschuld: Er sei reingelegt worden, betonte Weller, mit Drogen habe er nie etwas zu schaffen gehabt.

2006 verklagte Weller TV-Moderator Günther Jauch, weil der bei „Wer wird Millionär“ den Satz „Der sitzt ja dauernd im Knast“ fallen ließ. Die Klage wurde abgewiesen.

René Weller war seit 2013 mit Frau Marie verheiratet
René Weller war seit 2013 mit Frau Marie verheiratetRené Weller war seit 2013 mit Frau Marie verheiratet

Im Jahr 2014 nahm Wellers Leben mit der Diagnose Alzheimer – nach Ansicht der Ärzte vom Boxen mitverursacht – eine tragische Wendung: Er wurde am Ende von Ehefrau Maria aufopferungsvoll gepflegt, seine Krankheit brachte sie emotional und auch finanziell an Grenzen.

René Weller starb am 22. August 2023 in seiner Heimatstadt Pforzheim. Er wurde 69 Jahre alt.