Jetzt oder nie für Wirtz

Diese Wirtz-Worte klingen wie eine Ansage

Diese Wirtz-Worte klingen wie eine Ansage

Nach einem schwierigen Jahr in Liverpool muss sich Florian Wirtz in dieser Saison beweisen. Zum Auftakt geht es gegen Nick Woltemade.

Als Florian Wirtz vor einem Jahr erstmals durch den ikonischen Spielertunnel lief, war er gleich mehr als ein gewöhnlicher Neuzugang. Er war das 125-Millionen-Euro-Versprechen des FC Liverpool, der Zauberfuß, der fortan an der Anfield Road den Unterschied machen sollte. In Leverkusen konnte er sein Spiel schließlich leicht aussehen lassen, doch auf der Insel wurde es dann erst einmal schwer.

„Selbst in Bestform wirkte Wirtz nur sauber und ordentlich und nicht wie ein Killer im und um den Strafraum, den man angesichts seiner Ablösesumme und seines Rufs erwartet hätte. Er glich eher einer nützlichen Verstärkung für etwa 40 Millionen Pfund als einem Spielentscheider“, urteilte Jamie Carragher in einer Kolumne für den Telegraph.

Florian Wirtz startet in seine zweite Liverpool-Saison
Florian Wirtz startet in seine zweite Liverpool-SaisonFlorian Wirtz startet in seine zweite Liverpool-Saison© IMAGO/Visionhaus

Heute, rund zwölf Monate und eine Saison mit einigen Höhen, aber deutlich mehr Tiefen später, ist der Druck keineswegs geringer.

Von einer „Make-or-Break“-Saison, einer Spielzeit der Entscheidung für Wirtz, sprach Carragher bereits. Im Vorjahr habe der Ausnahmekönner mehrere Monate Zeit erhalten, betonte die LFC-Klubikone, diese Saison aber werde Wirtz „wahrscheinlich nur wenige Wochen bekommen“.

Wirtz: „Ich denke, ich bin besser vorbereitet“

Der Nationalspieler steht zum Start der englischen Liga gleich im Fokus. In der ersten Saison auf der Insel, die für Liverpool mit Platz fünf vollkommen enttäuschend verlaufen war, habe er viel gelernt.

„Ich habe jetzt verstanden, wie Premier-League-Fußball gespielt wird, und ich denke, ich bin besser auf meine zweite Saison vorbereitet“, versicherte Wirtz.

Von Gala-Auftritten, wie er sie fast wöchentlich in Leverkusen auf den Rasen gezaubert hatte, war er weit entfernt – obwohl er sich bei seiner ersten Station fernab der Heimat langsam gesteigert hatte. Es habe einige Spiele gegeben, „in denen ich mit mir nicht zufrieden war“, sagt Wirtz, aber auch „viele, in denen ich mich auf dem Platz wohlgefühlt habe“.

Immerhin durfte er unter dem neuen Trainer Andoni Iraola bislang auf der Zehn ran, seiner „Lieblingsposition“, wie er betont, und prompt lief das Zusammenspiel mit Multimillionen-Stürmer Alexander Isak besser. Im Zentrum erkennt Wirtz die Räume, im Zentrum macht er seine Mitspieler besser. Im Vorjahr musste er häufig auf die Außenbahn ausweichen.

„Der englische Fußball braucht einen erfolgreichen Wirtz“

Er hoffe, dass das Team in dieser Saison die „richtige Energie und Mentalität findet, damit jeder Spieler sein Potenzial besser entfalten kann“, sagte Wirtz, der am Sonntag (17.30 Uhr im LIVETICKER) zum Auftakt bei Newcastle United gefordert ist.

„Der englische Fußball braucht einen erfolgreichen Wirtz – genauso wie der neue Trainer Andoni Iraola“, behauptete Carragher, sprach jedoch nicht nur aus Sicht eines Liverpool-Fans, sondern erklärte seine These mit der sinkenden Attraktivität der Premier League.

„Wir befinden uns mitten in einer Abwanderungswelle von Superstars. Sollte ein talentierter Spielmacher wie Wirtz scheitern, wird sich der Trend, körperliche Stärke gegenüber Technik zu priorisieren, fortsetzen“, begründete der ehemalige Reds-Verteidiger seine These.

Es werde „weitreichende Auswirkungen auf das Niveau der Auslandsverpflichtungen geben, wenn Spieler mit Flair weniger Interesse daran haben, in eine Liga zu wechseln, in der Standardsituationen und lange Einwürfe eine so große Rolle spielen“, befürchtete Carragher.

Nicht nur Wirtz ist unter Zugzwang

Einer, der das in seiner Premierensaison ebenfalls zu spüren bekam, war Nick Woltemade. Wie Wirtz musste der schlaksige Stürmer in der Vorsaison häufig auf anderen Positionen ran.

Woltemade legte nach dem überraschenden Wechsel von Stuttgart nach Newcastle zwar einen Traumstart hin, stürzte dann aber derart tief in eine Formkrise, dass er bei den Fans immer kritischer gesehen wurde und sogar bei der WM seinen Stammplatz im DFB-Team verlor.

Matthias Jaissle, Newcastles neuer deutscher Coach, will dem Angreifer helfen. Der 24-Jährige, um den es im Sommer allerhand Gerüchte gegeben hatte, „sollte die Vergangenheit hinter sich lassen, denn sie ist etwas, das wir nicht ändern können“, sagte Jaissle. Das gilt auch für Wirtz.


Mit Sport-Informations-Dienst (SID)