Real vs. Barca: Für jede Menge Zündstoff im Clásico ist gesorgt
Mourinho zeigt Beweisstück
Der Clásico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid sorgt bereits im Vorhinein für Zündstoff - wie gewohnt. Die Königlichen sehen sich benachteiligt. Auch ein ewiger Zoff sorgt weiter für Brisanz.
Vor dem Clásico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid (Sonntag ab 21 Uhr im SPORT1-Liveticker) nehmen die Spannungen zwischen den beiden spanischen Topklubs wieder einmal zu. Im Mittelpunkt: Diskussionen um die Spielansetzung, die Causa Negreira und das Verhältnis zwischen den Vereinsführungen.
Nach dem 4:1-Sieg von Real Madrid gegen RB Leipzig in der Champions League kritisierte José Mourinho die Spielansetzung: „Wir haben vor dem Clásico 24 Stunden weniger Erholung als Barcelona.“
Real spielte am Mittwoch im Santiago Bernabéu, während Barcelona bereits am Dienstag bei Paris Saint-Germain gefordert war. Allerdings musste Barcelona nach dem Auswärtsspiel in Paris noch in der Nacht zurückreisen.
Seit der Saison 2018/19 ist das Duell am Sonntag bereits der achte Clásico im Oktober direkt nach Königsklassen-Spielen. Rechnet man die aktuelle Woche ein, hatte Real Madrid in diesen Konstellationen insgesamt 26 Tage zwischen Champions League und Liga zur Verfügung, Barcelona 23.
Auch bei besonders kurzen Vorbereitungszeiten ist die Verteilung nicht eindeutig zugunsten der Katalanen ausgefallen. Barcelona musste nach einem Champions-League-Einsatz am Mittwoch bereits zweimal an einem Samstag gegen Real antreten, die Madrilenen einmal. Eine spätere Ansetzung als Sonntagabend war diesmal nicht möglich: Am Montag spielt Sevilla gegen Osasuna, parallel findet in London die Ballon-d’Or-Gala statt.
Der ewige Streit zwischen Real und Barca
Neben der Spielplanung sorgt insbesondere die Causa Negreira für Auseinandersetzungen. Jose Maria Enriquez Negreira, der von 1993 bis 2018 Vizepräsident des spanischen Schiedsrichterkomitees Comité Técnico de Àrbitros (CTA) war, wird vorgeworfen, zwischen 2001 und 2018 mehrere Zahlungen an den FC Barcelona getätigt zu haben.
Beim Champions League-Spiel gegen RB Leipzig machten Fans erneut mit einem Banner auf die Thematik aufmerksam und forderten, dass Negreira nicht unbestraft bleiben dürfe.
Enric Masip, Berater des Barca-Präsidiums, warf Real Madrid vor, die wiederholten Verweise auf den Fall gezielt zur Ablenkung von eigenen Problemen einzusetzen. Damit werde nicht nur der FC Barcelona, sondern der gesamte spanische Fußball beschädigt.
„Wenn jemand diese Methoden anwendet, geschieht das nicht zufällig. Trainer, bestimmte Presse, TV und Klub ziehen an einem Strang, um mit Verweisen auf den größten Rivalen ihre eigenen Probleme zu verdecken“, sagte Masip im Gespräch mit der spanischen Marca. Das Ziel sei es, das Image von Barcelona zu beschädigen. „Es gibt rote Linien, die man nicht überschreiten darf und diese wurden überschritten.“ Der 61-Jährige betonte, dass in dreieinhalb Jahren nichts bewiesen worden sei, und erklärte: „Es gab nichts. Barcelona hat Titel und Spiele mit seinem Fußball gewonnen.“
Der FC Barcelona hatte Anfang Oktober offiziell erklärt, dass nach der Übermittlung von Unterlagen durch Real Madrid an die UEFA kein neues Verfahren gegen den Klub eröffnet oder wieder aufgenommen worden sei. Die laufenden Vorgänge blieben demnach an das Strafverfahren in Spanien gebunden.
„Seltsam ist es, mit dem Finger auf einen Trainer zu zeigen“
Auch auf Aussagen von José Mourinho reagierte Masip. „Wenn jemand sagt, er sehe seltsame Dinge: Seltsam ist es, mit dem Finger auf einen Trainer zu zeigen“, sagte er. Die Vorwürfe aus Madrid hätten weder Einfluss auf den FC Barcelona noch auf die Kabine. Masip zeigte sich außerdem überzeugt, dass der von Real Madrid ausgeübte Druck die Schiedsrichter vor dem Clásico nicht beeinflussen werde.
Zur Causa Negreira äußerte sich Ex-Präsident Ramón Calderón zurückhaltender als Masip. Zwar klinge der Vorgang für ihn nicht gut, doch als Anwalt sei er es gewohnt, vorsichtig zu sein, wenn eine Angelegenheit vor Gericht liege. Erst nach Entscheidungen der ordentlichen und der Sportgerichtsbarkeit sei eine abschließende Bewertung angebracht. Calderón verwies darauf, dass die Angelegenheit im Jahr 2018 geendet habe, und forderte die Verantwortlichen auf, nicht ständig über Schiedsrichter zu sprechen.
„Goebbels-Affäre“ verschärft aufgeheizte Stimmung
Die ohnehin aufgeheizte Stimmung in Spanien verschärft sich zusätzlich durch die „Goebbels-Affäre“. Liga-Boss Javier Tebas nahm die wiederholte Schiedsrichter-Kritik Real Madrids zum Anlass und verglich das Verhalten der Vereinsführung mit dem von NS-Verbrecher Joseph Goebbels. Gegen diese Anschuldigungen wehrt sich Real Madrid, indem es unter anderem den Rücktritt des Liga-Boss fordert.
Der Nationale Sportrat (CSD) hat keine Disziplinarmaßnahmen gegen den 64-Jährigen verhängt. Das Verfahren wurde jedoch an das Verwaltungsgericht für Sport (TAD) weitergeleitet. Dort soll nun geprüft werden, ob Tebas mit seinem Verhalten gegen das spanische Sportgesetz verstoßen hätte.
Real-intern gibt es Differenzen zwischen dem früheren Real-Madrid-Präsidenten Ramón Calderón und Florentino Pérez. Ersterer kritisiert den Umgang Pérez‘ mit dem bevorstehenden Duell. Calderón bedauerte, dass der aktuelle Präsident am Sonntag nicht beim Clásico erscheinen wird. Bei einer Veranstaltung im Club de Golf Barcelona bezeichnete er dessen Abwesenheit als schlechtes Signal für den Fußball.
Clásico: „Dieses Spiel beginnt schlecht“
„Dieses Spiel beginnt schlecht. Die Abwesenheit des Präsidenten meines Vereins ist eine schlechte Nachricht für den Sport und für das Ansehen von Real Madrid“, sagte Calderón. Führungskräfte müssten den Fans auf den Rängen ein freundschaftliches Verhältnis vorleben. Für ihn wirke die Entscheidung wie „eine persönliche Trotzreaktion“, nachdem Barcelona das Super-League-Projekt nicht weiterverfolgt habe. „Dieser Florentino ist nicht der, an den ich mich erinnere“, erklärte der 75-Jährige.
Sportlich erwartet Calderón trotz der aufgeheizten Begleitumstände ein umkämpftes Duell. Nach den Siegen gegen den FC Sevilla und RB Leipzig traut er Real Madrid eine starke Leistung zu. „Real Madrid hat sehr gute Spieler und wird um alle Titel kämpfen“, sagte er. Ein Sieg könne dem Gewinner zwar Auftrieb geben, angesichts von noch 28 Ligaspielen sei die Saison aber weiterhin lang.
Dieser Text wurde mit KI-Unterstützung erstellt.