Auf diesen Mourinho-Clou fand Flick keine Antwort
Mourinho reagiert genervt auf Flick-Frage
José Mourinho sorgt bei Real Madrid wieder für Aufbruchsstimmung. Für die Königlichen ist der Sieg im Clásico gegen den FC Barcelona mehr als nur ein Prestigeerfolg.
Es waren Bilder, die Erinnerungen weckten. José Mourinho auf dem Rasen des Camp Nou, die Fäuste geballt, der Blick entschlossen. Real Madrid hat den Clásico beim FC Barcelona mit 2:1 gewonnen und ein deutliches Signal an die Konkurrenz gesendet. Für Mourinho war es mehr als ein Prestigesieg. Und für die Königlichen, mit denen Mourinho 2012 spanischer Meister wurde, womöglich ein Wendepunkt einer Saison, die bisher nicht unbedingt nach Plan verlief.
Sie wurde geprägt von Punktverlusten in der Liga, Diskussionen über die Entwicklung der Mannschaft und dem wachsenden Rückstand auf Barcelona. Ausgerechnet im größten Spiel Spaniens lieferte Real nun aber die passende Antwort. Unter anderem dank des Trainers.
Ein klassischer Mourinho-Abend, der Erfolg war längst kein Zufallsprodukt. Reals Coach überraschte mit einer mutigen Herangehensweise, stellte sein Team taktisch anders auf als erwartet und nahm den Katalanen damit früh den Rhythmus. Hatten viele Beobachter einen dominanten Auftritt der Gastgeber erwartet, kontrollierten die Madrilenen über weite Strecken die entscheidenden Zonen des Spiels.
Real Madrid nach Mourinhos Taktik-Kniff erfolgreich
Wie das gelungen war? Mourinho stellte Bernardo Silva und Arda Güler gemeinsam im Mittelfeld auf. Anstatt auf zusätzliche Physis zu setzen, vertraute er also mehr auf spielerische Qualität – und sein Plan ging auf. Madrid verteidigte kompakt, attackierte aggressiv und fand über Silva, Güler, Jude Bellingham und Yan Diomande immer wieder saubere Lösungen im Ballbesitz. Klub-Legende Iker Casillas lobte Mourinho dafür im Anschluss ausdrücklich.
„Die Liga lebt! Sehr gut, Real Madrid. Sehr guter Matchplan von Mourinho“, schrieb Casillas auf X. Auch dessen früherer Teamkollege Guti stellte sich bei DAZN hinter Mourinhos Entscheidungen. „Zunächst waren wir von Mourinhos Aufstellung überrascht, aber er hat ins Schwarze getroffen. Es war ein hochverdienter Sieg, und Real Madrid war besser als Barcelona“, schilderte der Ex-Profi.
Es scheint, als hätte Mourinho dem Verein seinen Zauber zurückgegeben. Im bisher wichtigsten Saisonspiel präsentierte sich die Mannschaft als Einheit. Sie war organisiert gegen den Ball, aggressiv in den Zweikämpfen und hatte die nötige Qualität in den Umschaltmomenten. Genau jene Eigenschaften haben Mourinho in seiner Karriere immer wieder zu Erfolgen geführt. Zu sehen war dies nicht zuletzt beim 1:0 durch Kylian Mbappé, das nach einer bemerkenswerten Kombination fiel.
Madrid ließ den Ball 47 Sekunden lang in 19 Pässen durch die eigenen Reihen laufen – alle elf Spieler waren daran beteiligt. Der missglückte Klärungsversuch von Gerard Martín, der Torschütze Mbappé praktisch anschoss, half den Gästen zwar. Die zuvor herausgespielte Szene wurde dadurch aber nicht geschmälert. Noch wichtiger als das dürfte allerdings die veränderte Wahrnehmung sein. Wo vor wenigen Wochen noch Zweifel dominierten, herrscht plötzlich wieder Zuversicht. Die Mannschaft wirkt gefestigt, die Rollen sind klar verteilt und die Spieler folgen dem Plan ihres Trainers.
Mourinhos Sieg war auch eine Niederlage für Flick
Besonders auffällig: Mourinho hat es geschafft, dass Real wieder unangenehm zu bespielen ist. Über weite Strecken fand Barcelona keine Antworten auf die taktischen Vorgaben der Madrilenen. So war der Clásico nicht nur ein Triumph der Stars. Er war auch ein taktischer Sieg Mourinhos über Hansi Flick. Der Barca-Coach hatte mit seinem mutigen Offensivfußball einen nahezu perfekten Saisonstart hingelegt. Doch die Prinzipien, die die Katalanen bis an die Tabellenspitze getragen hatten, wurden gegen Real zum Risiko.
Die extrem hoch stehende Abwehr, die aggressive Ausrichtung und die vielen Spieler vor dem Ball öffneten immer wieder Räume für Madrids Umschaltspiel. Mourinho erkannte diese Schwachstelle früh. Sein Team überließ dem Gegner phasenweise den Ball, wartete geduldig auf Ballgewinne und attackierte anschließend mit maximalem Tempo. Speziell über Mbappé, Bellingham und Eduardo Camavinga entstand immer wieder genau das Szenario, das Flick eigentlich vermeiden will: große Räume hinter der letzten Linie.
Mourinhos Rückkehr nach Madrid wurde von Beginn an mit großer Neugier verfolgt. Der Portugiese polarisiert wie kaum ein anderer Trainer. Nach dem Triumph im Clásico dürfte seine Stellung bei den Fans weiter gewachsen sein. Der Sieg hat Selbstvertrauen gegeben, den Rückstand in der Liga verkleinert und die Diskussionen rund um die Mannschaft verändert. Klar, ein Clásico entscheidet noch keine Saison. Aber selten hatte ein einzelnes Spiel so viel Symbolkraft.