Titel, Tore, Tränen: Ronaldos 23 Jahre für Portugal
"So sollte es für Cristiano Ronaldo nicht laufen"
Der Fußball-Superstar macht Schluss im Nationalteam. Von bitteren Pleiten bis großen Triumphen war in über zwei Dekaden alles dabei.
Cristiano Ronaldo hängt das portugiesische Nationaltrikot endgültig an den Nagel. Der Sport-Informations-Dienst blickt auf die prägendsten Momente aus 23 Jahren, in denen CR7 in 234 Einsätzen für die Selecao 146 Tore schoss.
DAS DEBÜT
Es war durchaus eine symbolträchtige Staffelstabübergabe am 20. August 2003. Im Freundschaftsspiel gegen Kasachstan (1:0) wurde der erst 18 Jahre alte Ronaldo, gerade frisch von Sporting Lissabon zu Manchester United gegangen, zur Halbzeit für den damaligen Superstar Luis Figo eingewechselt. Noch war nicht abzusehen, was der Bubi mit den blonden Strähnen für eine Karriere hinlegen würde.
DIE ERSTEN TRÄNEN
Niemand Geringeres als Angelos Charisteas, damals bei Werder Bremen unter Vertrag, zerstörte Ronaldos ersten großen Titeltraum. Ausgerechnet bei der Heim-EM in Portugal war 2004 sein Stern so richtig aufgegangen. Auf dem linken Flügel spielte er die Gegner schwindelig, mit einem Tor und einer Vorlage im Halbfinale gegen die Niederlande (2:1) hatte er maßgeblichen Anteil am Finaleinzug. Doch dort ließ sich Ronaldo vom krassen Underdog Griechenland um Trainer-Legende Otto Rehhagel abkochen. Nach Charisteas‘ Siegtor zum 1:0-Endstand weinte Ronaldo bitterlich.
DER ERSEHNTE TITEL
Wie Ronaldo und Portugal es 2016 in Frankreich ins EM-Finale geschafft haben, ist heute noch schwer zu erklären. Nach drei Remis in der Gruppenphase wurschtelten sich CR7 und Co. irgendwie ins Endspiel gegen den Gastgeber. Nur leider verletzte sich Real Madrids damaliger Star-Torjäger bereits nach 25 Minuten und musste raus, wieder flossen Tränen. Doch mit diesem Schlag des Schicksals konnte sich ein Cristiano Ronaldo nicht abfinden. Berühmt sind die Bilder, wie er als „Co-Trainer“ neben Nationalcoach Fernando Santos an der Seitenlinie Anweisungen gab. Es half offenbar: Éder bescherte seinem Kapitän mit dem Tor zum 1:0 in der Verlängerung den einzigen nennenswerten Titel (neben zwei Nations-League-Triumphen) mit der Selecao.
DER IRRE DREIERPACK
Auf dem Höhepunkt seines Schaffens, soeben hatte er mit Real zum dritten Mal in Serie die Champions League gewonnen, reiste Ronaldo 2018 zur Weltmeisterschaft nach Russland. Fest entschlossen war er, Portugal nun auch zum ersten WM-Titel zu schießen. Gleich im ersten Gruppenspiel, einem wilden 3:3 gegen Spanien, ließ Ronaldo die globale Konkurrenz mit einem Dreierpack erzittern. Ein selbst herausgeholter Elfmeter, ein Fernschuss, der David de Gea peinlich durchrutschte, und ein Freistoßgeschoss. Letztlich half es alles nichts: Im Achtelfinale gegen Uruguay war Schluss.
DER WELTREKORD
Rekorde, Rekorde, Rekorde – Ronaldo sammelte sie wie Normalsterbliche Briefmarken. Dieser war jedoch ein ganz besonderer. Am 1. September 2021 führte er sein Team mit einem Doppelpack gegen Irland zum 2:1-Erfolg in der WM-Qualifikation. Mit den beiden Treffern, Nummer 110 und 111, ließ er den Iraner Ali Daei, einst Bayern München, Hertha BSC und Arminia Bielefeld, in der ewigen Liste der weltweiten Rekordschützen hinter sich. Er sollte die Bestmarke in den kommenden Jahren auf 146 Tore ausbauen. Bislang kam dort noch niemand heran.
EINE WÜSTEN-WM ZUM VERGESSEN
In Katar nahm 2022 die Debatte, die Ronaldo bis zuletzt nicht loslassen sollte, so richtig Fahrt auf. Wäre die Nationalmannschaft ohne den gealterten Star mittlerweile nicht besser dran? Nur ein Tor in der Vorrunde befeuerte die Diskussion derart, dass ihn Santos ab dem Achtelfinale gegen die Schweiz, in dem sein Vertreter Goncalo Ramos auch noch dreifach traf, auf die Bank setzte. Dies gefiel Ronaldo überhaupt nicht. Mit dem Anführer als Ersatzmann schieden die Portugiesen im Viertelfinale gegen Marokko (0:1) aus. Im Kopf blieb vor allem, wie ein sichtlich angefasster Ronaldo nach dem Schlusspfiff schnurstracks in der Kabine verschwand.
DAS UNRÜHMLICHE ENDE
Nachdem Santos nach Katar hatte gehen müssen, setzte dessen Nachfolger Roberto MartÃnez wieder uneingeschränkt auf Ronaldo. Die Diskussionen rissen jedoch nicht ab. Auch nicht im vergangenen Sommer, als die Medien ihn bei der WM in Nordamerika, die letztlich mit dem Viertelfinal-Aus gegen Spanien endete, immer wieder anzählten. So richtig eskalierte die Situation aber nach MartÃnez‘ Abschied nach der WM. Mit dem neuen Coach Jorge Jesús verkrachte sich Ronaldo im September sofort und verließ das Trainingslager der Portugiesen rund um die Nations-League-Spiele. Er sollte nie wieder das Trikot der Selecao tragen.
ALL DIE PLEITEN GEGEN DEUTSCHLAND
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Erwähnenswert ist übrigens auch Ronaldos Bilanz gegen Deutschland, denn sie ist einigermaßen verheerend. Es begann beim Sommermärchen 2006, als Bastian Schweinsteiger Portugal auf Platz vier schoss. Danach folgten fast nur Pleiten: EM-Viertelfinale 2008 (2:3), EM-Gruppenphase 2012 (0:1), WM-Gruppenphase 2014 (0:4), EM-Vorrunde 2021 (2:4). Erst im Vorjahr durfte Ronaldo im Halbfinale der Nations League (2:1) erstmals gegen die DFB-Elf jubeln. Und erzielte sogar den Treffer zum Sieg.