Ronaldo sollte es „genauso wie Messi“ machen
Dieses Ronaldo-Statement hat es in sich
Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi? Die Frage nach dem größten Fußballer der jüngeren Geschichte sorgte für endlose Debatten. Während in Portugal das Theater um CR7 immer unwürdiger wird, tritt Messi in Argentinien als gefeierter Held ab.
Es lässt sich nur darüber spekulieren, ob der Zeitpunkt bewusst gewählt war. Es wirkte allerdings nicht bloß zufällig, dass Cristiano Ronaldo sein umfangreiches Statement zu den Hintergründen seiner plötzlichen Abreise von der Nationalmannschaft just an dem Abend veröffentlichte, an dem sein Dauerrivale Lionel Messi seinen letzten Tango mit Argentinien tanzte.
In der portugiesischen Presse riss Ronaldo damit die Schlagzeilen an sich. Bei der Zeitschrift Record prangte Ronaldos Rechtfertigung im Wortlaut neben einer Analyse seiner acht Punkte, die er Portugals Trainer Jorge Jesus für die Pressekonferenz, die letztlich den Bruch auslöste, aufgetragen haben will. Und darunter als dezenter Wink: die Schlagzeile zu Messis glorreicher Abschiedsfeier mit einem Tor und zwei Assists.
Messi oder Ronaldo? Die GOAT-Debatte, also die Frage nach dem Größten aller Zeiten, entzweite über Jahre die Fußball-Stammtische dieser Welt. Doch die jüngsten Ereignisse zeigen, dass nicht allein die Leistungen auf dem Platz zählen. All die Tore, Titel und Trophäen sind gewiss die Errungenschaften einer großen Karriere, machen sie greifbar. Doch ein würdiges Ende der aktiven Laufbahn ist ebenso viel wert, rundet das Erreichte ab, schafft Erinnerungen, die überdauern.
Portugal-Idol Simoes hält Ronaldo den Spiegel vor
Der frühere portugiesische Nationalspieler António Simoes hielt Ronaldo am Dienstagabend am Rande einer Veranstaltung der Benfica-Fanorganisation den Spiegel vor. Ronaldo habe während seiner Zeit bei der portugiesischen Nationalmannschaft seine persönlichen Interessen manchmal in den Vordergrund gestellt, wurde der 82-Jährige bei O Jogo zitiert.
„Damit muss Schluss sein“, betonte Simoes und sprach sich dafür aus, dass Ronaldo versuchen sollte, seine Zeit in der Nationalmannschaft „genauso wie Messi“ zu beenden. Den Zeitpunkt des richtigen Absprungs scheint der 41-Jährige verpasst zu haben, schon für Jesus‘ Vorgänger Roberto MartÃnez war der Umgang mit dem in die Jahre gekommenen Superstar eine Gratwanderung.
Simoes, der 46 Länderspiele bestritt, habe in seiner Zeit als Spieler gelernt, seine Teamkollegen und seine Trainer zu respektieren. „Warum sollte Cristiano eine Sonderbehandlung bekommen?“, fragte Simoes und verwies auf seine eigenen Erfahrungen: „Ich habe mit einem König namens Eusébio gespielt. Ich habe Zeit mit einem König namens Pelé, Maradona und Co. verbracht. So etwas habe ich noch nie um einen König herum erlebt.“
Messi tritt als Messias ab, Ronaldos Krone bekommt Kratzer
Während Messi als Messias abtritt, hat die Krone von König Ronaldo durch das Theater der vergangenen Tage Kratzer bekommen. Zwar gibt er sich in seinem Statement auch selbstkritisch, entschuldigt sich zumindest bei den Fans, gar „beim portugiesischen Volk“ und seinen Teamkollegen. Doch zu Trainer Jesus fährt er weiterhin auf Konfrontationskurs.
Das Kapitel Nationalmannschaft, das er nach seiner plötzlichen Flucht vorerst geschlossen hat, betrachtet er noch nicht als beendet. Zumindest unter dem derzeitigen Coach schließt er eine Rückkehr aus, hofft aber auf einen würdigen Abschied. Doch sein eigenes Denkmal, das er mit 146 Länderspieltoren in 234 Spielen und dem EM-Titel 2016 als Krönung erschaffen hat, hat er damit bereits demontiert.
„Cristiano Ronaldo hätte keine acht Seiten, fast 1.800 Wörter und rund 10.000 Zeichen gebraucht, um zu bestätigen, was vom ersten Tag an offensichtlich war: Es dreht sich alles um sein Ego“, hieß es in einem Kommentar der Sportzeitung O Jogo.
Portugal spricht lieber über Messis Tränen
Die Schlussfolgerung lautete unmissverständlich: „Eine solche Persönlichkeit kann nicht in die Nationalmannschaft zurückkehren, egal wie gut der Spieler war.“ Stattdessen spreche man heute über Messis Tränen und seinen Abschied in Argentinien.
Gefeiert wurde „La Pulga“ natürlich dafür, dass er die Albiceleste 21 Jahre lang geprägt hat und sie schließlich 2022 zum erlösenden WM-Titel geführt hat. Bei seinem letzten Auftritt bereitete er erst die Führung durch Nicolas Otamendi vor und legte dann Nico Paz ein Traumtor auf, ehe er selbst vom Elfmeterpunkt zum 3:0-Endstand traf. Es war sein 126. Tor im 208. Länderspiel.
Aber bevor er selbst traf, ließ Messi seine Mitspieler nochmals glänzen. Etwas, das Ronaldo zuletzt nur durch seine Abwesenheit gelang.
Die Ironie dabei: Bei Instagram gratulierte der Portugiese am Mittwoch ausgerechnet seinem Dauerrivalen zu dessen Bilderbuch-Abschied.
„Leo, du hast dein Land so viele Jahre lang verteidigt und eine Geschichte geschrieben, die für immer in Erinnerung bleiben wird. Mein ganzer Respekt für das, was du mit Argentinien erreicht hast. Eine Umarmung“, schrieb Ronaldo unter einen Beitrag von Messi, der wiederum mit emotionalen Worten auf seinen letzten Auftritt als gefeierter Nationalheld zurückblickte.