United-Krise eskaliert: Kapitän Fernandes geht auf Trainer Carrick los

Carrick deutlich: "Dann ist das hier nichts für dich"
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Carrick deutlich: "Dann ist das hier nichts für dich"

Nach dem Debakel in Como kritisiert Kapitän Bruno Fernandes die Taktik von Trainer Michael Carrick. Der Vorgang verdeutlicht die interne Zerrissenheit bei Manchester United, das immer tiefer in die Krise rutscht.

Als wäre die sportliche Situation bei Manchester United mit inzwischen sieben Pflichtspielen in Serie ohne Sieg nicht schon alarmierend genug, sorgt nun auch noch vereinsinterner Zündstoff für neue Unruhe. Ausgerechnet Kapitän Bruno Fernandes stellte nach der 1:4-Pleite in der Champions League gegen Como die taktische Herangehensweise von Trainer Michael Carrick infrage.

Fernandes, der in der zweiten Halbzeit ausgewechselt wurde, machte die Anweisungen des Trainerteams verantwortlich für die deutliche Niederlage. „Es ist eine Entscheidung des Trainerstabs, nicht Mann gegen Mann zu pressen und manchmal Räume hinter den Spielern zu lassen, um den Ball zu erobern. Aber wenn man diesen Mannschaften zu viel Ballbesitz lässt, gewinnen sie an Selbstvertrauen“, klagte er bei TNT Sports.

Bruno Fernandes kritisierte die Taktik von Trainer Michael Carrick
Bruno Fernandes kritisierte die Taktik von Trainer Michael CarrickBruno Fernandes kritisierte die Taktik von Trainer Michael Carrick© IMAGO/Jonathan Moscrop

Auf die direkte Frage, ob Carrick taktisch falsch gelegen habe, fügte Fernandes hinzu: „Das müssen der Trainer und der Stab beurteilen, nicht ich. Manchmal muss man unter Druck mutiger sein, das Risiko eingehen, hoch zu pressen und den Gegner unter Druck zu setzen.“

Nachdem United in der vergangenen Woche bereits nach 50 Sekunden ein Gegentor gegen Atlético kassiert hatte, geriet die Mannschaft dieses Mal schon nach zwei Minuten in Rückstand, als Como-Profi Nico Paz das erste seiner beiden Tore erzielte.

Fernandes kritisiert Taktik – Carrick verweist auf Laufbereitschaft

„Es ist nicht das erste Mal, dass wir schlecht in die Partie gestartet sind“, monierte Fernandes weiter. „Es gab nicht viel Druck auf den Ball, nicht viele gute Laufwege mit dem Ball, nicht viel lief für uns.“

Als Carrick auf die Aussagen seines Kapitäns angesprochen wurde, deutete der United-Trainer an, dass die Probleme weniger mit taktischen Vorgaben als vielmehr mit dem läuferischen Einsatz der Spieler zusammenhängen.

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„Wir standen in der zweiten Halbzeit tatsächlich unter halbem Manndruck und kassierten dann daraus ein Tor“, erklärte er. „Es kommt ein bisschen auf das jeweilige System und die Taktik an, aber wenn man nicht läuft – weder nach vorne noch zurück –, wird man nicht gewinnen.“

„Mehr als enttäuschend“: United-Krise spitzt sich zu

Zur Gesamtleistung der Mannschaft sagte der frühere Mittelfeldspieler, der nach Schlusspfiff vor den mitgereisten United-Anhängern entschuldigend die Hände hob: „Es war mehr als enttäuschend. Ich denke, jeder muss dafür die Verantwortung übernehmen.“

Sich selbst nahm Carrick dann aber auch in die Pflicht: „Ich übernehme zu 100 Prozent die Verantwortung für das gesamte Team und die Leistung.“

Dass die anhaltende Ergebniskrise zunehmend Spuren hinterlässt und für interne Konflikte sorgt, war bereits in der Vorwoche deutlich geworden. Da hatte Innenverteidiger Lisandro Martínez öffentlich die Transferpolitik des Vereins scharf kritisiert.

„Ich muss ehrlich sein: Als Spieler müssen wir mehr tun, aber es ist auch wichtig, einen starken Kader aufzubauen, um für solche Abende gerüstet zu sein“, polterte der Abwehrmann unter anderem. Nach einem Gespräch mit der Klubführung ruderte Martínez zwar zurück und entschuldigte sich öffentlich. Englischen Medien zufolge wurde er dennoch mit einer Geldstrafe belegt.

Carricks Zukunft rückt in den Fokus

Die jüngsten Aussagen von Fernandes untermauern, dass die Nerven bei Manchester United in gewisser Weise blank liegen. Nach der zweiten Niederlage im dritten Champions-League-Spiel wächst natürlich auch der Druck auf Carrick weiter.

Die englische Presse stellt dessen Zukunft bereits infrage. „Job in Gefahr“, schrieb die BBC. Die Sun meinte, „Carrick sieht so aus, als wüsste er, was ihn erwartet.“

In dieser Hinsicht war Carrick bemüht, von sich abzulenken: „Es geht nicht um mich, sondern darum, das Spiel zu verarbeiten und zu schauen, wie es gelaufen ist. Ich glaube, das ist im Moment das Wichtigste“, sagte der Coach nach der Niederlage gegen Como.

„Meuterei“: Experten rechnen mit Fernandes ab

Doch Fernandes verschob den Fokus mit seiner öffentlichen Kritik wieder auf seinen Trainer. Der Kapitän erwies Carrick damit einen echten Bärendienst.

„Dass Bruno Fernandes so etwas tut, ist wirklich eine Schande“, schimpfte Ex-Nationalspieler Jamie Carragher. Der Portugiese habe eine „furchtbare Einstellung“ und sei nicht das, „was ein Kapitän von Manchester United sein sollte“.

Ex-Profi Jan Age Fjörtoft bezeichnete den Vorgang in einem Beitrag bei X sogar als „Meuterei“. Es sei „völlig inakzeptabel, dass ein Kapitän die Taktik eines Managers öffentlich infrage stellt“. Es gebe nun zwei Optionen, fügte der Norweger an: Entweder verliere Fernandes seine Kapitänsbinde oder der Trainer müsse gehen.

Erste Trainer-Kandidaten werden gehandelt

Die Gerüchteküche um mögliche Carrick-Nachfolger läuft bereits auf Hochtouren. Übereinstimmenden Berichten zufolge gilt unter anderem Brighton-Coach Fabian Hürzeler als aussichtsreicher Kandidat.

Klar ist: Für einen möglichen neuen Trainer wird es kein Selbstläufer. In den bislang sieben Premier-League-Spielen gelang United nur ein einziger Sieg. Mit nur sieben Punkten rangiert der Traditionsverein auf Platz 13 und damit lediglich zwei Zähler vor den Abstiegsrängen – es ist der schlechteste Saisonstart seit 1986/87. Auch in der Champions League geht der Blick nach unten.

Dabei hatte United im Sommer mehr als 170 Millionen Euro in neue Spieler investiert. Dennoch präsentiert sich die Mannschaft defensiv anfällig und offensiv erschreckend harmlos. Vom Optimismus nach Rang drei in der Vorsaison ist kaum noch etwas übrig.

Damals legte United eine beeindruckende Aufholjagd hin, nachdem Carrick das Ruder von Ruben Amorim übernommen hatte. Zwölf der letzten 17 Ligaspiele wurden gewonnen – im Kalenderjahr 2026 sammelten die Red Devils sogar 41 Punkte und damit einen mehr als der spätere Meister Arsenal. Eine Leistung, die in der aktuell angespannten Lage ausgeschlossen scheint.