Drei Erkenntnisse aus dem BVB-Spiel

Trotz Sieg: Das ärgert Kovac “ungemein“
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Trotz Sieg: Das ärgert Kovac “ungemein“

Borussia Dortmund darf nach dem Sieg in Baku aufatmen. So richtig erleichtert wirkten allerdings nur die Verantwortlichen. Wie trügerisch ist diese Einschätzung? Außerdem liefert die Partie noch weitere interessante Erkenntnisse.

Nach knapp einem Jahr gewinnt der BVB wieder ein Auswärtsspiel in der Königsklasse! Nach drei sieglosen Partien in Folge dürfte der Erfolg gegen Sabah FK ein Brustlöser gewesen sein.

Doch die Spieler ließen sich von der positiven Stimmung offenbar nicht wirklich anstecken. Außerdem zeigte die Vorstellung in Aserbaidschan: Die verheißungsvolle Doppelspitze könnte sich in Zukunft als problematisch erweisen, Abwehrchef Waldemar Anton ist im Zentrum wichtiger. Diese drei Erkenntnisse liefert der BVB-Sieg:

BVB-Trainer Niko Kovac gewann mit seinem Team 2:1 gegen Sabah FK
BVB-Trainer Niko Kovac gewann mit seinem Team 2:1 gegen Sabah FKBVB-Trainer Niko Kovac gewann mit seinem Team 2:1 gegen Sabah FK© IMAGO/RHR-Foto

Waldemar Anton beim BVB auf der falschen Position

Waldemar Anton rückte in der Dreierkette auf die rechte Seite, auf die Gadou-Position. Der Hintergrund: Mit Ramy Bensebaini und Nico Schlotterbeck hatte Niko Kovac zwei Linksfüße in der hintersten Reihe. Der BVB-Coach wollte keinen von ihnen rechts aufbieten.

Der sonst so verlässliche Abwehrchef der Dortmunder leistete sich in der ungewohnten Rolle einige Wackler und strahlte nicht die Sicherheit aus wie in den Wochen zuvor, in denen er regelmäßig zu den besten Schwarz-Gelben gehörte. Auch die Abstimmung mit Schlotterbeck und Bensebaini stimmte nicht immer.

Das Fazit: Anton ist im Zentrum deutlich besser aufgehoben.

Doppelspitze könnte bei Borussia Dortmund problematisch werden

Die Dortmunder starteten überzeugend und ließen Spielfreude, Witz und Kreativität erkennen – Eigenschaften, die ihnen in den Wochen zuvor abgesprochen worden waren. Das hatte auch einen Grund: Doppelpacker Serhou Guirassy und Fabio Silva fühlten sich in der Doppelspitze sichtlich wohl.

Der lauffreudige Portugiese attackierte häufig die Tiefe, während sich Guirassy immer wieder fallen ließ und dadurch besser ins Spiel eingebunden war. Der „Mr. Königsklasse“ profitierte von Silvas Umtriebigkeit, denn die gegnerische Defensive konnte sich nicht allein auf ihn konzentrieren. So entstanden zusätzliche Räume.

DEINE MEINUNG

In Zukunft könnte diese vielversprechende Formation allerdings problematisch werden. Denn Kovac hat hinter den beiden Angreifern keine ernsthafte Alternative für den Sturm.

Klar: Alleskönner Beier würde diese Rolle nur zu gerne übernehmen, wird aber weiterhin auf der Schiene gebraucht. Und die jungen Wilden um Samuele Inacio und Mathis Albert sind auf höchstem Niveau noch nicht erprobt.

Kovac als Psychologe

So richtig erleichtert wirkten nach der Partie eigentlich nur die Verantwortlichen um Kovac und Sportdirektor Ole Book. Spieler wie Gregor Kobel oder Guirassy ließen dagegen durchblicken, dass die Vorstellung noch kein vollständiger Befreiungsschlag war und sie nach wie vor viel Luft nach oben sehen. Zu Recht!

Denn je länger das Spiel dauerte, desto wilder und unsortierter trat der BVB auf. Und das – bei allem Respekt – gegen Sabah FK. Dass Kovac so viele positive Aspekte hervorhob, dürfte einen psychologischen Hintergrund haben.

Auch der BVB-Trainer wird nicht vollends zufrieden gewesen sein. Doch er dürfte ebenfalls bemerkt haben, dass seinen Spielern in den vergangenen Wochen das Selbstvertrauen abhandengekommen ist. Dass er sie jetzt überschwänglich lobt, könnte daher nicht mehr als ein mentaler Schachzug sein.

Es liegt weiterhin viel Arbeit vor Niko Kovac und Co. Schon die kommenden Wochen mit den Spielen gegen Eintracht Frankfurt, Werder Bremen im DFB-Pokal und den FC Bayern werden zeigen, wie dieser Arbeitssieg in Aserbaidschan wirklich einzuordnen ist.