Niko Kovacs Befreiungsschlag – ausgerechnet gegen den FC Bayern

"Passt nicht zu Dortmund": Kovac spaltet BVB-Fans
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"Passt nicht zu Dortmund": Kovac spaltet BVB-Fans

Borussia Dortmund holt im Spitzenspiel gegen den FC Bayern einen Punkt, feiert die eigene Stärke und eine neue Taktik von Trainer Niko Kovac. Ein Konzept für die Zukunft?

Keine Frage, die Überraschung kam schon vor dem Anpfiff. Ausgerechnet in München, gegen den FC Bayern, wich Niko Kovac von seiner zuletzt immer bevorzugten Dreierkette ab und stellte Borussia Dortmund mit einer Viererkette auf. Eine Entscheidung, die offenbar nicht allein am Trainerpult entstand. Wie Kapitän Nico Schlotterbeck nach dem 2:2 verriet, hatte Kovac seine Führungsspieler vorab in die Überlegungen einbezogen.

„Der Trainer hat mit mir und Waldi (Waldemar Anton; Anm. d. Red.) gesprochen, wie wir es finden würden“, sagte Schlotterbeck und fügte hinzu: „Die Mannschaft hat sich gestern damit committed. Das Abschlusstraining war nicht das Beste, da können Sie mal den Trainer fragen, aber die Mannschaft hat sich committed, und das ist das Wichtigste.“ Trotz durchwachsener Generalprobe ging der Plan auf. 

Niko Kovac hat mit Borussia Dortmund einen Punkt in München geholt
Niko Kovac hat mit Borussia Dortmund einen Punkt in München geholtNiko Kovac hat mit Borussia Dortmund einen Punkt in München geholt© IMAGO/Sven Simon

Über weite Strecken präsentierte sich der BVB mutig, aggressiv und deutlich stabiler als von vielen erwartet. Der überraschende Systemwechsel war dabei letztlich einer der Schlüssel für den Punktgewinn beim Rekordmeister. Und vor allem die Art und Weise, wie die Entscheidung zustande kam, kam bei den Spielern offenbar gut an. Gregor Kobel sprach nach der Partie von einem „geilen Schachzug“ und lobte den Mut seines Trainers. Bleibt die Frage: Ist das auch ein System für die Zukunft?

Bleibt Kovac jetzt bei der Viererkette?

Fakt ist: Seit seinem Amtsantritt hatte Kovac in Dortmund fast durchgehend auf eine Dreier- beziehungsweise Fünferkette gesetzt. Entsprechend groß war die Verwunderung über die taktische Kehrtwende in München. Auf dem Platz zahlte sie sich aber aus.

Die Schwarz-Gelben bekamen mehr Zugriff im Mittelfeld, konnten höher anlaufen und den Bayern phasenweise auf Augenhöhe begegnen. Und das, obwohl das Abschlusstraining nicht einmal optimal verlaufen war. Das bestätigte später auch Kovac. 

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„Wir haben gestern die Viererkette durchexerziert und mal gewisse Sachen durchgespielt, weil die sich ja immer wiederholen hier in München. Ich war nicht so ganz zufrieden, aber meistens ist es ja so: Wenn das letzte Training nicht so funktioniert, dann ist meistens das Spiel besser. Und das war heute der Fall“, schilderte Kovac.

Zudem verwies er darauf, dass die Umstellung für viele seiner Spieler keineswegs Neuland gewesen sei: „Man sieht, dass die Jungs in der Nationalmannschaft in der Viererkette spielen.“

Die Kovac-Debatte bekommt neue Nahrung

Fest steht jetzt allerdings auch: Der Auftritt dürfte die Debatte über Dortmunds taktische Flexibilität neu beleben. Kovac wurde in der Vergangenheit regelmäßig dafür kritisiert, zu sehr an seinem bevorzugten System festzuhalten, für das er teilweise gar nicht die passenden Spieler habe.

In München zeigte er nun das Gegenteil. Ob die Viererkette künftig häufiger zu sehen sein wird? Die positiven Reaktionen aus der Mannschaft und die Leistung gegen die Bayern liefern gute Argumente dafür, diesen Ansatz weiterzuverfolgen. Aber war wirklich alles so gut?

Nicht ganz. Jedenfalls sollte die Begeisterung über Kovacs Mut nicht den Blick auf die Zahlen verstellen. Dortmund holte in München zwar ein Unentschieden, stand dabei aber auch mehrfach auf der richtigen Seite des Spielglücks. Die Bayern kamen auf 23 Torschüsse und erarbeiteten sich Chancen im Wert von 4,83 Expected Goals. Harry Kane traf bei einem Elfmeter nur das Lattenkreuz, hinzu kamen weitere Aluminiumtreffer und zahlreiche hochkarätige Möglichkeiten. An vielen anderen Tagen wäre der Rekordmeister wohl als Sieger vom Platz gegangen. 

Dortmund zeigte sich in München sehr effizient 

Der BVB nutzte seine Chancen hingegen sehr effizient und erzielte zwei Tore aus lediglich 0,7 Expected Goals. Das schmälert die Leistung der Borussia aber nicht. Im Gegenteil: Die Mannschaft setzte den Matchplan konsequent um und agierte im Rahmen ihrer Möglichkeiten äußerst effektiv. Die Statistiken zeigen jedoch auch, dass der Punktgewinn nicht automatisch als Beleg für eine neue Augenhöhe mit dem Rekordmeister taugt. Es gab ohne Zweifel positive Dinge. Gleichzeitig muss noch vieles gefestigt werden.

Was bleibt, ist also in erster Linie Kovacs Mut. Nicht zuletzt dafür erhielt der Trainer Rückendeckung aus der Klubführung. BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer betonte am Sonntag als Gast im SPORT1-Doppelpass noch einmal die positive Entwicklung unter dem 55-Jährigen: „Wir sind Schritt für Schritt in den letzten 18 bis 24 Monaten besser geworden. Das Miteinander mit Niko klappt hervorragend, das ergänzt sich sehr gut, wir sind sehr komplementär aufgestellt“, sagte Cramer.

Gleichzeitig warnte Cramer vor übereilten Urteilen, mit denen der Verein in letzter Zeit immer wieder konfrontiert wurde: „Wir müssen das alles einordnen. Vor zwei Wochen wurde noch der Abgesang auf den BVB nach der Niederlage in Bodö angestimmt. Maß und Mitte sind da ein guter Ratgeber.“

Dennoch war der Auftritt in München mehr als nur ein guter Abend. Ob die Taktik mit der Viererkette wirklich zukunftsfähig ist, muss sich aber erst noch zeigen.

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