Jetzt beginnt für Bayern die härteste Prüfung
Eberl in Sorge: "Die werden länger ausfallen"
Erst persönliche Schicksalsschläge, jetzt eine Verletzungswelle: Dem FC Bayern stehen schwierige Wochen bevor. Vor allem die Reise zu Atlético Madrid kommt zur Unzeit. Der Rekordmeister muss jetzt beweisen, wie widerstandsfähig er wirklich ist.
Beim FC Bayern könnte man sich in diesen Tagen durchaus fragen, was eigentlich noch alles passieren soll. Erst der überraschende Tod von Joshua Kimmichs Vater, dann die Hirnhautreizung bei Vincent Kompany samt Krankenhausaufenthalt. Die vergangenen Wochen waren geprägt von persönlichen Schicksalsschlägen und Sorgen, die weit über den Fußball hinausgingen.
Nun kommen auch noch die ebenfalls schwerwiegenden Probleme des Profigeschäfts dazu – und zwar mit voller Wucht.
Saibari fällt lange aus
Beim 2:2 gegen Borussia Dortmund verletzten sich mit Ismael Saibari, Serge Gnabry und Michael Olise gleich drei Offensivspieler. Saibari und Gnabry fallen länger aus, bei Olise besteht zumindest Hoffnung auf schnelle Genesung.
Gnabry erlitt laut Vereinsangaben „eine Muskelverletzung im hinteren linken Oberschenkel“, Saibari zog sich einen Riss des Syndesmosebands im rechten Sprunggelenk zu und wurde bereits operiert. Nach SPORT1-Informationen fällt Saibari etwa drei Monate lang aus und wird frühestens nach der Winterpause zurückkehren, wahrscheinlich sogar eher erst im Februar.
Dazu fehlen ohnehin schon Jamal Musiala und Luis Díaz. Auch Manuel Neuer ist weiterhin angeschlagen.
Ein Unentschieden, das Bayern teuer zu stehen kommt
Sportvorstand Max Eberl sprach von einem „teuren Unentschieden“ und sagte: „Bei Michael haben wir die Hoffnung, dass es nicht so schlimm ist. Für die anderen beiden ist es wirklich schlimm.“ Zudem lieferte er einen Satz, der die derzeitige Gemütslage beim Rekordmeister treffend beschreibt: „Momentan fühlt es sich schon ein bisschen heftiger an, was um uns herum passiert.“
Das Problem: Die Bayern haben gar keine Zeit, sich zu sammeln. Schon am Dienstag steht das Champions-League-Spiel bei Atlético Madrid an.
„Schwierig ist es gerade mit dem Spiel gegen Atlético vor der Brust. Da wartet eine unfassbare Qualität. Das tut weh“, sagte SPORT1-Experte Stefan Effenberg im Doppelpass.
Gegen die Mannschaft von Diego Simeone, die für ihre Härte bekannt ist, bräuchte es eigentlich jeden verfügbaren Spieler. Nicht umsonst bezeichnete Thomas Müller die Madrider einst als „die größten Rabauken im europäischen Fußball“.
Das Verletzungspech reißt offensive Lücken
Stattdessen droht dem Rekordmeister ausgerechnet in der Offensive das Personal auszugehen. Das wiegt umso schwerer, weil die Münchner gerade gegen einen solch unangenehmen Gegner auf Unberechenbarkeit angewiesen sind. Mit jedem Ausfall gehen nicht nur Qualität, sondern auch taktische Alternativen verloren.
„Das sind in der Offensive natürlich Ausfälle, die wehtun. Harry Kane glänzt auch aufgrund seiner Mitspieler wie Diaz, Olise und Musiala, die für ihn zaubern und viel vorbereiten. Jetzt ist er in den nächsten Wochen vielleicht auf sich allein gestellt“, schilderte Effenberg.
Bayern gerät in der Champions League unter Druck
Erschwerend kommt hinzu, dass die Bayern nach zwei Unentschieden in der Königsklasse bereits hinter den eigenen Ansprüchen zurückliegen. Ein weiteres Remis oder gar eine Niederlage würde den Druck im Kampf um die direkte Achtelfinal-Qualifikation erheblich erhöhen.
Harry Kane verwies auf die schwierige Ausgangslage und die Wichtigkeit eines Platzes unter den ersten acht Mannschaften der Ligaphase. „Wir brauchen jetzt jeden Einzelnen. Alle müssen Verantwortung übernehmen, mich eingeschlossen“, sagte der Engländer. Es wird sich zeigen, wie breit der bayerische Kader wirklich aufgestellt ist. Zur Erinnerung: Die Kritik, er sei zu klein, besteht bereits seit Sommer 2025 …
„Es ist die Möglichkeit für die Spieler, die sonst ein wenig hintendran sind. Lennart Karl zum Beispiel kann mal wieder von Anfang an spielen. Das System kann man umstellen“, sagte Effenberg.
Kimmich: „Wichtig, für den anderen da zu sein“
Bislang konnten die Münchner empfindliche Ausfälle erstaunlich gut kompensieren. Doch es macht einen Unterschied, ob einzelne Leistungsträger fehlen oder gleich mehrere Spieler aus demselben Mannschaftsteil wegbrechen.
Zumal sich körperliche und mentale Belastungen nicht beliebig voneinander trennen lassen. Die Bayern müssen seit Wochen improvisieren, Rückschläge verarbeiten und zugleich ihren eigenen hohen Ansprüchen gerecht werden. Irgendwann kann auch die größte Widerstandskraft an Grenzen stoßen.
Joshua Kimmich, der nach dem Tod seines Vaters gegen den BVB sein Comeback gab, formulierte es bemerkenswert offen: „Die letzten ein, zwei Wochen waren sicherlich nicht einfach für uns, auch die Situation mit dem Trainer. Da merkt man, was es heißt, ein Team zu sein.“ Kimmich weiter: „Wenn ich so in der Kabine sitze, habe ich das Gefühl, wir sind ein sehr, sehr gutes Team.“ Man werde deshalb auch in Madrid wieder alles investieren.
Auf die Frage nach der notwendigen Resilienz verwies Kimmich auf seine Erfahrungen und die Bedeutung gegenseitiger Unterstützung: „Da ist es natürlich wichtig, dass man sich gegenseitig unterstützt, dass man bei Fehlern auch für den anderen da ist.“
Genau darin liegt nun die eigentliche Herausforderung. Denn Resilienz bedeutet nicht, dass Rückschläge ausbleiben. Sondern dass eine Mannschaft mit ihnen umgehen kann, ohne ihre Stabilität und ihren Zusammenhalt zu verlieren.
Und über allem steht die Gesundheit
Die Bayern werden sich vermutlich durch einen langen, unangenehmen Herbst schleppen müssen. Mit weniger spielerischem Glanz, womöglich weiteren Punktverlusten und einer deutlich höheren Belastung für diejenigen, die noch zur Verfügung stehen – wodurch wiederum die Verletzungsgefahr steigt. Ein Teufelskreis.
Eine Krise ist das alles noch nicht. Doch sie ist am Horizont erkennbar und alle Zutaten dafür sind vorhanden. Kimmich erinnerte am Samstagabend an einen Satz seines verstorbenen Vaters: „Am Ende des Tages ist es nur Fußball.“ Und ergänzte: „Das Wichtigste ist die Gesundheit.“
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Eine Perspektive, die beim FC Bayern gerade wichtiger ist als jedes Ergebnis. Aber auch eine, die nichts daran ändert, dass der Rekordmeister weiterhin Ergebnisse liefern muss. Die kommenden Wochen werden deshalb womöglich weniger offenbaren, wie gut die Bayern Fußball spielen können, sondern zeigen, wie gut sie schwierige Zeiten überstehen.