Eintrachts Wunderkind Ilicevic winkt Rekord-Debüt
Wie einst Moukoko: Dieses Eintracht-Juwel könnte Geschichte schreiben
Der moderne Profifußball wartet nicht auf das Erwachsenwerden. Frankfurts Juwel Niko Ilicevic könnte einen Tag nach seinem 16. Geburtstag einen historischen Rekord einstellen.
Abgeklärte Profis, erbitterte Zweikämpfe und ein Geschäft ohne Welpenschutz – und mittendrin steht am Sonntag ein 16-Jähriger, der die Altersgrenzen der Bundesliga auslotet. Wenn Eintracht Frankfurt am Sonntag auf den Hamburger SV (ab 17:30 Uhr im LIVETICKER) trifft, könnte Niko Ilicevic einen Rekord einstellen.
Das Offensiv-Juwel feierte am Samstag seinen 16. Geburtstag. Einen Tag später könnte ihm bereits das Bundesliga-Debüt winken – und damit auch ein Platz in den Geschichtsbüchern. Ilicevic würde den Altersrekord von Youssoufa Moukoko einstellen, der am 21. November 2020 ebenfalls mit 16 Jahren und einem Tag für Borussia Dortmund debütierte.
Frankfurt-Trainer Adi Hütter kündigte auf der Pressekonferenz am Freitag an, das Ausnahmetalent für das Sonntagabendspiel in den Kader zu berufen. Ob er den Linksfuß tatsächlich einwechseln wird, ließ er jedoch offen.
Es wäre zumindest die logische Konsequenz einer Biografie, die sich nicht wirklich um Altersgrenzen schert.
Ilicevic: Mit 13 in der U17, mit 15 bei den Profis
Ilicevic wurde im Oktober 2010 in der Nähe von Aschaffenburg geboren, mit sieben Jahren wechselte das technisch versierte Talent von seinem Heimatklub VfR Goldbach an den Frankfurter Riederwald. Im Alter von 13 Jahren stand er bereits für die U17 auf dem Rasen, mit 14 folgte der Sprung in die U19.
Teilweise stand Ilicevic mit bis zu vier Jahre älteren Nachwuchsspielern auf dem Platz. Solche Unterschiede können Welten bedeuten – physisch, spielerisch, aber vor allem auch in Sachen Erfahrung.
Das Offensivtalent wusste die Unterschiede recht schnell zu überwinden, am Ball fielen sie sowieso kaum auf. Ilicevic behauptete sich regelmäßig gegen seine älteren Konkurrenten, überzeugte in 45 Einsätzen für die U17 und die U19 mit 15 Toren und zehn Assists. Auch in der UEFA Youth League stellte der Deutsch-Kroate sein Können unter Beweis.
Im Juli 2026 band die Eintracht ihr Eigengewächs aus der Talentschmiede langfristig an den Verein – trotz des Interesses der europäischen Schwergewichte aus Barcelona, Madrid, Mailand und Manchester. Auch der FC Bayern soll sich laut Medienberichten mit dem Shootingstar beschäftigt haben.
Auch Götze und Krösche zeigen sich beeindruckt
„Niko hat schon in jungen Jahren gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt“, lobte Sportdirektor Timmo Hardung bei der Bekanntgabe der Verlängerung. Seit der Sommervorbereitung 2026 trainiert Ilicevic regelmäßig bei den Profis mit.
Seine Stärken? Tempo, Kreativität, enge Ballführung und ein feiner linker Fuß. Am liebsten zieht Ilicevic aus dem offensiven Mittelfeld oder vom rechten Flügel ins Zentrum, kann als starkes Bindeglied zwischen Mittelfeld und Sturm agieren. Er sucht das Dribbling, erkennt Räume, kreiert sie.
Eintracht-Profi Mario Götze zeigte sich von seiner Intensität begeistert. „In dem Alter diesen Spielwitz zu haben und die Intensität mitgehen zu können, das ist schon sehr gut. Man darf das Alter nicht vergessen. Wo war ich mit 15?“, sagte der Weltmeister von 2014, der selbst bereits im Alter von 17 Jahren auf die große Bundesliga-Bühne trat.
Auch beim ehemaligen Sportvorstand Markus Krösche hinterließ der Youngster mächtig Eindruck: „Wenn ich Niko hier so sehe, das ist schon außergewöhnlich.“ Auch Trainer Adi Hütter bezeichnete ihn auf der Pressekonferenz am Freitag als „außergewöhnlichen Kicker“ und fügte hinzu: „Mit 16 Jahren einem Bundesliga-Kader anzugehören, ist schon ausgezeichnet.“
Hütter schwärmt – und mahnt zur Geduld
Eine Einsatzgarantie sprach Hütter dennoch nicht aus. „Wenn es die Situation hergibt, dass ich ihn einwechseln kann, werde ich es tun“, erklärte er. Zugleich betonte der 56-Jährige, dass es seine Pflicht sei, „sehr behutsam und geduldig mit so einem jungen Menschen umzugehen.“ Denn außergewöhnliches Talent bringt zumeist auch außergewöhnliche Aufmerksamkeit mit sich – und die ist nicht immer hilfreich.
Und auch Klubchef Mathias Beck versuchte in der Bild, die Euphorie um das gehypte Talent ein wenig einzudämpfen: „Wir wissen im Endeffekt ja gar nicht, ob er wirklich debütiert. Das muss ja letztendlich der Trainer entscheiden.“
Denn bei aller Begeisterung um das Frankfurter Juwel steht für die Eintracht zunächst der sportliche Erfolg im Vordergrund. Nach dem 3:1-Pokalsieg beim HSV am Dienstag wollen die Hessen vor heimischer Kulisse auch das zweite Duell mit den Hamburgern innerhalb weniger Tage gewinnen.
Fest steht: Sollte Ilicevic am Sonntag seine ersten Bundesliga-Minuten sammeln, geschieht das nicht der Sensation wegen – oder um einen Eintrag in die Geschichtsbücher zu forcieren. In Frankfurt ist man von seiner Bundesligatauglichkeit mehr als überzeugt.
Eine Bundesliga-Premiere mit familiärem Bezug
Dass Ilicevic bei seinem ersten Kader-Einsatz in der Bundesliga ausgerechnet auf den Hamburger SV trifft, schließt einen bemerkenswerten Kreis. Sein Onkel Ivo stand von 2011 bis 2016 selbst für die Hanseaten unter Vertrag, bei denen er insgesamt 92 Pflichtspiele absolvierte und zwölf Tore erzielen konnte.
Und nun schickt sich auch sein Neffe an, im deutschen Oberhaus Fuß zu fassen. Aus dem siebenjährigen Nachwuchskicker vom VfR Goldbach ist ein hochgehandeltes Offensivtalent geworden, das am Sonntag den Fußball-Chroniken ein neues historisches Kapitel hinzufügen könnte.
Talent ist keine Frage des Alters – Erfahrung zumeist schon. Und irgendwo zwischen diesen beiden Größen entscheidet sich wohl, wie früh ein Spieler tatsächlich für die Bundesliga bereit ist.