Niclas Füllkrug sorgt für magische Momente
"Füllkrug bringt die BVB-Fans zum Schweigen"
Niclas Füllkrug trifft gegen seinen Ex-Verein Borussia Dortmund und entführt einen Punkt aus dem Signal Iduna Park. Der Stürmer befindet sich in Bestform und erinnert an alte Zeiten - bald auch im DFB-Trikot?
Freitagabend, Flutlichtspiel an alter Wirkungsstätte, es lief die zweite Minute der Nachspielzeit: Niclas Füllkrug reagierte blitzschnell, setzte zu einem kurzen Sprint an und wuchtete die Freistoß-Flanke von Marco Grüll per Kopf unhaltbar in die Maschen. Füllkrug eben – wer auch sonst?
Der Stürmer von Werder Bremen bejubelte den späten Treffer zum 2:2-Endstand bei seinem Ex-Verein Borussia Dortmund lautstark vor den mitgereisten Werder-Fans. Die Freude stand dem 33-Jährigen ins Gesicht geschrieben.
Füllkrug trifft gegen seinen Ex-Verein
Ein derartiger Jubel in seinem ehemaligen Wohnzimmer? Nach dem Abpfiff winkte Füllkrug verhalten in Richtung Südkurve den BVB-Fans zu. „Ich habe mich nicht entschuldigt“, sagte der Goalgetter in der Mixed Zone auf Nachfrage von SPORT1.
„Ich habe sie heute zum ersten Mal wiedergesehen. Ich wurde an vielen Ecken beklatscht und habe positive Zurufe bekommen. Ich habe den BVB sehr gerne und habe ein ganz besonderes Jahr gehabt“, erklärte Füllkrug, der im Sommer 2023 von der Weser nach Dortmund gewechselt war.
Und auch wenn es ihn nur ein Jahr später nach England zog, blickt er positiv auf die Zeit bei den Schwarz-Gelben zurück. „Es war so intensiv, dass es sich ein bisschen so anfühlt, als wäre ich zwei oder drei Jahre hier gewesen. Das Tor ist nicht gegen den BVB, sondern für uns“, stellte Füllkrug klar.
Wie sehr er dieses Erfolgserlebnis in der Nachspielzeit wollte, war über die gesamte Spieldauer zu erkennen. Füllkrug rieb sich auf, arbeitete enorm viel gegen den Ball, warf sich in jeden Zweikampf: „Ich habe nichts verlernt in den zwei Jahren. […] Ich kann wieder 90 Minuten marschieren. Gegen Augsburg bin ich 11,5 Kilometer gelaufen. Ich weiß nicht, wie viele 33 Jahre alte Mittelstürmer das gehen können. Es ist mir aber viel wichtiger, wie viele Wege ich nach hinten mache und wie viele Zweikämpfe ich gewinne, als vorne einen zu machen. Das kannst du manchmal nicht beeinflussen.“
Ein Sonderlob gab es von Trainer Daniel Thioune: „Er ist ein X-Faktor. ‚Wichtigster Spieler‘ hört er selbst nicht so gerne, aber er ist gewachsen. Er ist ein entscheidender Faktor und reißt viele mit“, lobte der Coach.
Füllkrug: „Halb so wild“
In der Mixed Zone stellte Füllkrug sich dann selbst den Fragen der Reporter. Dabei war sein linker Knöchel dick bandagiert und mit einem Eisbeutel versehen. Ausschlaggebend war ein Zweikampf mit Dortmunds Verteidiger Joane Gadou.
„Als ich allein aufs Tor gelaufen bin, hat der mich komplett weggetreten. Komplett. Halb so wild. Ich weiß ja nicht, wie da die Regel ist, ob es kein Foul mehr geben kann, nachdem man geschossen hat“, erklärte Füllkrug.
Und auch ein Schlag auf den Kopf nach einem Luftzweikampf mit Nico Schlotterbeck konnte den Arbeiter nicht stoppen (51.). Füllkrug wirkte anschließend etwas benommen (Zitat: „Mir war kurz schummerig“) und vergab kurz darauf die bis dahin wohl aussichtsreichste Bremer Gelegenheit (55.) – Gregor Kobel zeigte eine starke Rettungstat.
Unmittelbar vor Schluss sollte sich Füllkrug dann doch noch belohnen und endlich sein erstes Tor jemals gegen den BVB erzielen. „Wenn man so zurückkommt, dann ist eine wahnsinnige Bereitschaft da. […] Es war irgendwie eine zweite Luft da auf einmal, wo wir mutiger geworden sind. Ich glaube, ein ganzes Spiel kannst du nicht so gestalten wie wir am Ende. Dann läufst du ins offene Messer“, stellte der Torjäger im Sky-Interview in Anbetracht der fulminanten Bremer Aufholjagd klar.
„Champions-League-Fülle“ ist zurück
Der Treffer am Freitagabend erinnerte gewissermaßen an den „Champions-League-Fülle“, den Mann der späten Stunde und noch späterer Tore. Der Mann, der damals gegen Atlético Madrid und Paris Saint-Germain schon für magische Nächte in der Königsklasse gesorgt und dem BVB damit ins Finale verholfen hatte.
„Es ist vielleicht ein bisschen ungünstig für den BVB gewesen. 20:30 Uhr im Signal Iduna Park, da kommt der Champions-League-Fülle raus“, sagte Füllkrug selbst bei Sky.
Die Form stimmt zumindest wieder: vier Tore in den vergangenen vier Pflichtspielen – diese Bilanz kann sich sehen lassen. Kein Wunder also, dass Füllkrug mehr und mehr auch mit einer Rückkehr in die Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wird.
SPORT1 sprach den Stürmer darauf an, dass zumindest die in der Regel späten Anstoßzeiten des DFB-Teams ihm in die Karten spielen sollten.
„Ich spreche wirklich nicht gerne drüber. Jürgen Klopp hat viele Statements gegeben während der Länderspielpause und ich glaube, dass seine Nominierung ganz, ganz viel aussagt: Es ist zukunftsorientiert, es ist jung, es ist wild, es soll neu sein. Und das verstehe ich“, erwiderte Füllkrug.
Er werde „um nichts betteln“ – besonders nicht in Interviews. Eine Rückkehr wollte Füllkrug jedoch auf keinen Fall ausschließen: „Wenn mein Land mich braucht, dann bin ich da für mein Land. Egal, wie alt ich bin – ob ich 40 bin, oder 33.“ Ob es bereits Kontakt mit dem Bundestrainer gab, wollte sich Füllkrug nicht entlocken lassen.