Luis Díaz: Die beste Bayern-Idee war ein Urlaub
Díaz' rührende Liebeserklärung an die Bayern
Luis Díaz erlebt einen echten Aufschwung. Gegen Leipzig trifft der Bayern-Star dreimal und gehörte auch davor zu den Lichtblicken. Dahinter steckt eine bemerkenswerte Entscheidung.
Manchmal ist die beste Entscheidung die, einen Spieler einfach mal nicht spielen zu lassen. Beim FC Bayern können sie davon inzwischen ein Lied singen. Denn die wohl wichtigste Maßnahme, um Luis Díaz wieder in Topform zu bringen, war ausgerechnet eine Pause.
Beim furiosen 6:1 gegen RB Leipzig war der Kolumbianer am Samstagabend der überragende Mann auf dem Platz. Drei Tore erzielte Díaz selbst, einen weiteren Treffer bereitete er vor. Es war der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die vor wenigen Wochen noch schwer vorstellbar war.
FC Bayern: Der schwierige Saisonstart von Luis Díaz
Denn der 29-Jährige hatte einen schwierigen Start in die neue Saison erwischt. Die gewohnte Explosivität fehlte, vor dem gegnerischen Tor ließ er zahlreiche Chancen liegen. Díaz hatte nach einer kräftezehrenden vergangenen Spielzeit auch bei der WM viele Partien gemacht. Mehr als 60 Spiele steckten ihm in den Knochen, dazu kamen die Reisestrapazen nach Südamerika. Viel Zeit zur Regeneration blieb nicht.
Selbst Kolumbiens Nationaltrainer Néstor Lorenzo war damals aufgefallen, dass sein Offensivstar nicht mehr die gewohnte Frische besaß. Bei einem persönlichen Gespräch sprach er Díaz auf dessen Müdigkeit und die fehlende Spritzigkeit an.
Die Konsequenz war bemerkenswert: Díaz durfte die Länderspielpause ausnahmsweise tatsächlich als Pause nutzen. Kein Einsatz für die Nationalmannschaft, keine zusätzlichen Reisestrapazen. Stattdessen: Erholung. Eine Entscheidung, die sich rückblickend als Volltreffer erweist.
Freund: „Das war absolut das Richtige“
„Das war absolut das Richtige“, sagte Sportdirektor Christoph Freund nach der Partie gegen RB am SPORT1-Mikro. „Ich glaube, Lucho hat sehr, sehr viele Spiele gemacht und hat auch bei der Weltmeisterschaft durchgezogen. Seine Pause war nicht so lang.“
Dass ausgerechnet Díaz eine solche Auszeit benötigte, ist durchaus bemerkenswert. Schließlich gehört der Kolumbianer eigentlich immer zu jener Sorte Fußballer, die am liebsten keine einzige Minute verpassen würde. Noch im September hatte er öffentlich erklärt, wie gerne er spiele – und zugleich angedeutet, dass ihm ein zusätzlicher Konkurrent auf seiner Position durchaus recht gewesen wäre.
Die Bayern hatten im Sommer allerdings darauf verzichtet, einen klassischen zweiten Linksaußen zu verpflichten, und wollen das SPORT1-Infos zufolge auch im anstehenden Transferwinter tun.
Umso wichtiger war es deswegen, eine andere Lösung zu finden. „Wir haben ihn in der Länderspielpause gemeinsam mit Kolumbien gebremst – und er selbst sich auch“, erklärte Freund. Der Sportdirektor machte dabei deutlich, wie ungewohnt eine solche Maßnahme für Díaz ist: „Er lebt von seinem Rhythmus. Er fühlt sich auf dem Platz am wohlsten.“
Díaz zuletzt noch mit VAR-Pech
Dass die Auszeit ihre Wirkung nicht verfehlt hatte, ließ sich bereits bei den vergangenen beiden Auftritten erahnen. Beim 2:2 in Augsburg gehörte Díaz zu den auffälligsten Münchnern. Besonders sein spektakulärer Seitfallzieher hätte einen Treffer verdient gehabt. Doch das Tor wurde nach einem Eingriff des VAR aberkannt.
Drei Tage später in Stavanger war der Kolumbianer neben Harry Kane der beste Bayern-Spieler. Beim 3:3 in der Champions League traf er zur zwischenzeitlichen 3:2-Führung und zeigte erneut jene Dynamik, die ihn in der vergangenen Saison so wertvoll gemacht hatte. Was sich dort bereits angedeutet hatte, entlud sich gegen Leipzig endgültig. Der Bayern-Star, bei dem zuvor noch die Leichtigkeit gefehlt hatte, spielt aktuell mit einer selbstverständlichen Überzeugung.
Auch Freund sieht einen Zusammenhang zwischen der Erholung und der wiedergefundenen Form. „Es war für ihn richtig gut – auch für die Psyche – mal ein bisschen durchzuschnaufen. Das hat er gut genutzt“, sagte der Österreicher und freute sich über die Torjägerqualitäten seines Offensivstars: „Er hat die letzten Spiele nicht so oft getroffen und jetzt gleich ein Hattrick. Er hat wieder gezeigt, was er zu leisten imstande ist.“
Díaz ist auf seiner Position nahezu unverzichtbar
Die vergangenen Auftritte zeigen, wie wertvoll ein fitter Díaz für den FC Bayern sein kann. Sie ändern allerdings nichts daran, dass die Münchner mit ihrem Linksaußen weiterhin sorgsam umgehen müssen. Denn die grundsätzliche Herausforderung bleibt bestehen: Díaz ist auf seiner Position nahezu unverzichtbar, die Saison noch lang.
Der Urlaub war also womöglich genau die richtige Idee zur richtigen Zeit. Dauerhaft lösen lässt sich die Belastungsfrage damit allerdings nicht. Aktuell haben die Bayern ihre Díaz-Wette bravourös gewonnen.