Kane schreibt Geschichte – was das für die Bundesliga bedeutet
"Deshalb spiele ich, als wäre ich 16 Jahre"
Die Bundesliga hat endlich wieder einen Ballon-d'Or-Sieger. Lothar Matthäus glaubt, dass Harry Kanes goldene Trophäe auch etwas von ihrem Glanz auf die Bundesliga abfärben könnte.
Lange musste die Bundesliga auf ihren nächsten Ballon-d’Or-Sieger warten: Als Harry Kane am Montagabend in London den Ballon d’Or entgegennahm, endete eine bemerkenswerte Durststrecke. Drei Jahrzehnte lang gewann kein Bundesliga-Profi mehr die begehrteste individuelle Auszeichnung des Weltfußballs.
Zuletzt war es Matthias Sammer, der als Spieler von Borussia Dortmund triumphierte (1996). Beim FC Bayern liegt der letzte Erfolg sogar noch länger zurück: Karl-Heinz Rummenigge holte den Ballon d’Or 1981. Beide Titel begrenzten sich damals noch auf die europäische Ebene, erst seit 2007 kürt France Football den weltbesten Spieler.
Nun glückte es Kane, diese Serie zu durchbrechen. TV-Experte Lothar Matthäus glaubt, dass der Engländer der Bundesliga damit zu neuem internationalen Glanz verhelfen könnte.
Kanes Triumph könnte „internationalen Schub geben“
„Dass der Gewinner des wichtigsten internationalen Preises in Deutschland spielt, gibt der Bundesliga vielleicht auch international noch mal einen Schub“, erklärte der 65-Jährige bei Sky.
Der 33-Jährige sei nicht nur auf dem Rasen ein Leistungsträger, sondern auch abseits des Platzes ein Vorbild: „Er ist wichtig in der Kabine, als Ansprechpartner für junge Spieler. Er geht auf die Fans zu und kommt gut mit den Medien klar“, lobte Matthäus. „Es ist gut für den FC Bayern, den besten Spieler der Welt in seinen Reihen zu haben. Und es ist auch gut für die gesamte Bundesliga.“
Die Bundesliga ist wieder eine Bühne für die Besten
Wer in den vergangenen Jahren den Ballon d’Or gewonnen hatte, der spielte meistens bei den großen Adressen in Spanien, England oder Frankreich. Seit Sammers Triumph 1996 gingen sämtliche Auszeichnungen an die Stars, die außerhalb der Bundesliga spielten.
„Harry Kane hat das ganze Jahr performt. Ein verdienter Titel bei sehr starker Konkurrenz“, bilanzierte er.
Seine Zahlen lieferten dafür eindrucksvolle Argumente: 36 Tore erzielte der Engländer in der vergangenen Saison in der Liga, dazu kommen 14 Champions-League-Treffer und zehn im DFB-Pokal. Mit den Bayern gewann er das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal und zog in das Champions-League-Halbfinale ein.
Der Ballon d’Or ist damit auch eine Antwort auf die Frage, ob ein Spieler in Deutschland die größte individuelle Anerkennung des Weltfußballs erreichen kann. Kanes Erfolg zeigt: Es geht.
Ein Signal an die nächsten Superstars?
Davon könnte die Bundesliga langfristig profitieren. Denn internationale Strahlkraft entsteht nicht allein durch Titel und Fernsehgelder, sondern auch durch die Spieler, die eine Liga prägen. Mit Michael Olise, der bei der Ballon-d’Or-Wahl auf Rang neun landete, steht bereits der nächste Münchner im internationalen Rampenlicht.
Auch Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen sprach von einem „starken Signal für die Bundesliga“. Sportvorstand Max Eberl formulierte es noch deutlicher: „Der FC Bayern ist eine Bühne für Weltklasse.“
Ob Kanes Triumph tatsächlich weitere Weltstars nach Deutschland lockt, bleibt abzuwarten. Ein einzelner Ballon d’Or verändert schließlich weder die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse im europäischen Fußball noch die internationale Konkurrenzfähigkeit aller Bundesligisten.