Ex-Bayern-Doc rechnet mit Guardiola ab: „Er ist nicht belehrbar“
"Er hat die Gabe des Heilens!"
Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt blickt auf seinen heftigen Streit mit Pep Guardiola beim FC Bayern zurück. Der 84-Jährige schildert seine Sicht der Dinge, schießt gegen Guardiola - und macht ein Eingeständnis.
Es war ein Eklat, der beim FC Bayern Spuren hinterließ: Nach der 1:3-Niederlage gegen den FC Porto im Champions-League-Viertelfinale 2015 hatte Pep Guardiola den damaligen Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt für den schlechten Zustand seiner Spieler verantwortlich gemacht. „Mull“ reagierte mit dem Rücktritt. Nach 38 Jahren beim Rekordmeister.
Elf Jahre später blickt der 84-Jährige auf den Streit zurück – und räumt ein, dass er möglicherweise anders hätte handeln können.
Im Interview mit der Bild erinnerte er sich an heftige Auseinandersetzungen mit dem damaligen Bayern-Trainer. „Wir hatten Aussprachen, ich kann nur sagen: Es waren manchmal heftige Dispute“, verriet der 84-Jährige: „Aber es hat nichts genutzt.“
„Das konnte ich nicht akzeptieren“
Während seiner Zeit bei den Münchenern sei Müller-Wohlfahrt „immer um Gewissenhaftigkeit und Seriosität bemüht“ gewesen. „Ich habe nie, nie, nie irgendeinen Kompromiss gemacht. Ich war immer straight, immer seriös“, erklärte er.
Guardiola störte sich offenbar an dieser Haltung. Er warf Müller-Wohlfahrt vor, die verletzten Spieler nicht schnell genug wieder fit zu bekommen. Auch hatte der Spanier seinen Landsmann Thiago mangels fehlenden Vertrauens eigenständig und ohne weitere Absprache mit Müller-Wohlfahrt zur medizinischen Behandlung nach Barcelona geschickt.
„Und dann kommt ein spanischer Trainer und sagt, Spanien ist in allem besser. Was ihr hier macht, das ist nichts wert“, erinnerte sich Müller-Wohlfahrt. Die vorgesehenen sechs Wochen Pause für den spanischen Mittelfeldspieler waren Guardiola zu lang gewesen. „Ich war so sauer, dass wir kompromittiert wurden. Das konnte ich nicht akzeptieren.“
Müller-Wohlfahrt zufolge habe die medizinische Abteilung zu seiner Zeit hervorragende Arbeit geleistet – von der UEFA sei die Arbeit von Müller-Wohlfahrt und seinem Team bei Kongressen sogar als „vorbildlich“ dargestellt worden. Auch mit Bayerns Ehrenpräsidenten Uli verlief die Zusammenarbeit harmonisch: „Uli war immer korrekt und hat den Doktor gewähren lassen.“
Comeback an der Seite von Jupp Heynckes
Doch nach 38 Jahren beim Rekordmeister zog Müller-Wohlfahrt 2015 dann die Reißleine und trat zurück. Dass er bei den Bayern noch ein Comeback feiern konnte, hatte er Jupp Heynckes zu verdanken. „Jupp hat zu Uli gesagt: ‚Hol den Mull zurück, dann komme ich.‘ Etwas Schöneres kann es nicht geben. Und dann haben Jupp und ich die schönste Zeit überhaupt gehabt. Ich war happy, nochmal zurückzukommen.“
Seite an Seite entwickelten sie eine „vorbildliche“ Sportmedizin. Unter Jupp Heynckes waren seine Tipps und medizinischen Entscheidungen akzeptiert worden. „Guardiola hatte nicht mal das Aufwärmtraining nach meiner Empfehlung machen wollen“, sagte Bayerns Ex-Teamarzt.
Eine gemeinsame Aussprache? „Macht keinen Sinn“
Einer zukünftigen Aussprache mit Guardiola stehe Müller-Wohlfahrt nach wie vor mehr als kritisch gegenüber. „Es macht keinen Sinn. Man spricht von einem Alphatier. Er ist nicht belehrbar. Glaube ich jedenfalls“, resümierte er, „er ist sauer auf mich“.
Auf seine Zeit unter Guardiola bei den Münchnern zurückschauend wäre Müller-Wohlfahrt im Nachhinein möglicherweise aber auch anders mit dem Spanier umgegangen. „Paul Breitner hat mich aufgeklärt, dass in Spanien der Trainer als Mister über allem steht, auch über der Medizin. Wenn ich damals gewusst hätte, dass ein spanischer Trainer so ein Übermensch ist, hätte ich vielleicht anders mit ihm umgehen können“, meinte der legendäre Doc.