Debakel! Was wird aus Polanski?

von SPORT1
Dieser Rundumschlag hat es in sich
2:04

Dieser Rundumschlag hat es in sich

Borussia Mönchengladbach kassiert beim SC Freiburg eine heftige Klatsche. Tim Kleindienst fliegt vom Platz, die Mannschaft zerfällt. Was passiert jetzt mit Trainer Eugen Polanski?

Borussia Mönchengladbach hat seinen Horror-Start in der Bundesliga fortgesetzt. Die Fohlenelf verlor beim noch makellosen Angstgegner SC Freiburg völlig verdient mit 0:5 (0:2) und steht erst zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte nach drei Spielen punktlos da.

„Die Niederlage in Elversberg war schon einer Borussia nicht würdig, vor allem zu Hause, wo sie ihre Unterstützung und ihre Stärken haben“, schimpfte Sky-Experte und Ex-Gladbacher Lothar Matthäus: „Und heute dieses Ergeben in der zweiten Hälfte. Dann die Gelb-Rote Karte gegen Kleindienst.“

Was passiert mit Eugen Polanski?

Für Trainer Eugen Polanski dürfte die Luft immer dünner werden. „Beim Trainer wusste man schon vor der Saison nicht, ob verlängert wird oder nicht“, erinnerte Matthäus und befand: „Zurzeit wackelt der Stuhl richtig gewaltig. Es ist ein Sturm in Mönchengladbach, was die Trainer-Position betrifft. Ich glaube, da ist nicht mehr viel Zeit, um über den Trainer nachzudenken.“

Erik Meijer war sich bei Sky sicher: „Es wird eine sehr harte, direkte Analyse geben und ich vermute, dass es dabei einen Verlierer gibt. Und der saß bis heute als Trainer auf der Bank.“

Und auch Dietmar Hamann glaubt an einen Trainerwechsel – und zwar schnell. „Wenn sie zu dem Ergebnis kommen, dass sie den Trainer wechseln müssen, dann werden sie es, glaube ich, morgen machen, und nicht erst nächste Woche“, erklärte er am Samstagabend.

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Als Grund nannte der Experte die nahende Länderspielpause: „Du hast keine Spiele zu verschenken. Wenn sie zu der Entscheidung kommen, willst du dem Trainer dann natürlich die Chance geben – auch wenn einige Spieler weg sind dann – zwei bis drei Wochen mit denen zu arbeiten.“ Nach dem 4. Spieltag steht die erste Nationalmannschafts-Unterbrechung dieser Saison an.

Polanskis Team präsentierte sich in Freiburg über weite Strecken erneut erschreckend harmlos und fehlerhaft. Vor fast genau einem Jahr hatte Polanskis Vorgänger Gerardo Seoane nach drei Partien und nur einem Punkt gehen müssen.

Eugen Polanski beobachtet das Debakel von Borussia Mönchengladbach beim SC Freiburg
Eugen Polanski beobachtet das Debakel von Borussia Mönchengladbach beim SC FreiburgEugen Polanski beobachtet das Debakel von Borussia Mönchengladbach beim SC Freiburg© IMAGO/Beautiful Sports

„Darf da nicht so hingehen mit einer Gelben Karte“

Dazu flog ausgerechnet Kapitän Tim Kleindienst mit Gelb-Rot vom Platz (52.). „Ich glaube, Tim weiß das selbst, dass er da nicht so hingehen darf mit einer Gelben Karte. Er ist ein erfahrener Spieler. Aber das passiert“, sagte Gladbachs Kevin Stöger nach der Partie bei Sky.

„Man weiß, was Freiburg macht, egal wer da spielt. Sie machen es einfach überragend. Und wir kommen hier hin, spielen ein bisschen gut mit – aber das reicht halt nicht in der Bundesliga“, wurde der Regisseur deutlich: „Spätestens nach der Gelb-Roten ist es hier verdammt schwer, hinten alles dicht zu machen. Dann kriegst du fünf Dinger. Es ist extrem scheiße.“

Man habe null Punkte „und das muss uns maßlos stören, deswegen waren wir alle so geschockt“, sagte der Gladbach-Boss. Es liege jetzt „in der Verantwortung, die individuellen Fehler abzustellen, denn die waren es, keine mannschaftstaktischen Fehler. Da liegt es an jedem Einzelnen, auch im Sinne der Gruppe.“

Gladbach erlebt Debakel beim SC Freiburg

Yannik Engelhardt (23./79.) und Igor Matanovic (29./77.) trafen jeweils doppelt für die Breisgauer, die erstmals überhaupt nach drei Spieltagen mit der Maximalausbeute von neun Punkten dastehen. Den Endstand besorgte Maximilian Eggestein (86.).

Gegen den Lieblingsgegner aus Gladbach ist der Sport-Club seit elf Partien ungeschlagen, die letzte Heimniederlage gegen die Fohlenelf in der Bundesliga liegt gar 24 Jahre zurück.

Kleindienst-Wutrede sorgt für Wirbel

Am Niederrhein hatte es nach der bitteren 3:4-Heimniederlage gegen Aufsteiger Elversberg bereits gewaltig rumort. Kleindienst äußerte deutliche Kritik an seinen Mitspielern („weniger TikTok gucken“), wurde daraufhin von der sportlichen Führung zu einem klärenden Gespräch gebeten.

Dazu wächst im Umfeld die Ablehnung gegenüber Polanski. Der Trainer setzte in der schwierigen Situation auf etwas mehr Erfahrung in der Startelf.

Dennoch war die Verunsicherung spürbar, Freiburg übernahm sogleich das Kommando. Philipp Treu (10.), Engelhardt (12.) und Matthias Ginter (16.) kamen früh zu guten Chancen, die Fohlen konnten sich kaum einmal befreien.

Nach einer Ecke segelte dann Moritz Nicolas unter dem Ball durch, der Ex-Gladbacher Engelhardt nickte am zweiten Pfosten ohne Mühe ein. Von der Borussia kam derweil offensiv gar nichts, es passte ganz wenig zusammen.

Ausgerechnet Kleindienst fliegt mit Gelb-Rot vom Platz

Stattdessen traf Matanovic mit einer Direktabnahme von der Strafraumkante, vom Innenpfosten sprang der Ball ins Tor. Yuiki Suzuki hätte allein vor Nicolas noch erhöhen können (38.), Gladbach war mit dem 0:2 zur Pause noch gut bedient.

Auch die guten Vorsätze für Durchgang zwei waren dann schnell dahin, Kleindienst flog nach einem zweiten unnötigen Foul vom Feld. In Unterzahl schaffte die Elf vom Niederrhein kaum Entlastung, ließ sich weit hinten reindrücken.

Für Borussia Mönchengladbach wird die Krise immer schlimmer
Für Borussia Mönchengladbach wird die Krise immer schlimmerFür Borussia Mönchengladbach wird die Krise immer schlimmer© IMAGO/STEINSIEK.CH

Zumindest stand der tiefe Abwehrblock nun weitgehend stabil, Freiburg kam nicht mehr zu der Fülle an Chancen wie in Halbzeit eins. Das änderte sich erst in der Schlussviertelstunde, als der SCF die Führung weiter ausbaute.

„Wir wollten nach der Halbzeit gut rauskommen und hier mindestens ein Unentschieden rausholen“, haderte Stöger: „Jetzt stehen wir hier mit null Punkten nach drei Spieltagen. Das ist echt bitter, aber wir lassen den Kopf nicht hängen. Es geht immer weiter. Wir sind Vollprofis und werden das in der Woche aufarbeiten.“

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)