Ein Hauch Grimaldo

Mit Traumspielzug! Leverkusen zaubert sich weiter
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Mit Traumspielzug! Leverkusen zaubert sich weiter

Der Abgang von Alejandro Grimaldo im Sommer war für Bayer Leverkusen ein schwerer Verlust. Doch wie sich schon jetzt andeutet, könnten die Rheinländer mit dessen Nachfolger einen weiteren Glücksgriff gelandet haben.

Wer sich die Zahlen anschaut, die Alejandro Grimaldo in den vergangenen Jahren bei Bayer Leverkusen aufgelegt hat, erkennt recht schnell: Mit einem gewöhnlichen Linksverteidiger hatte der Spanier nicht allzu viel gemeinsam. 30 Tore und 45 Assists sammelte er in 145 Spielen für den Klub, gehörte zu den tragenden Säulen jener Mannschaft, die 2023/24 ungeschlagen Meister und Pokalsieger wurde. Umso schmerzhafter sein Abgang im Sommer – und umso drängender die Fragen: Ist dieser Verlust überhaupt zu kompensieren? Und wenn ja, wie?

Schwierig. Aber Miguel Gutiérrez lieferte auf diese Frage einen vielversprechenden ersten Antwortversuch. Gegen Union Berlin (4:0) verstrichen gerade einmal 44 Sekunden, als der 25-Jährige den Ball von der Torauslinie zurücklegte und Ezequiel Fernández zur Führung einschob. Der erste Scorerpunkt war verbucht. Wenig später folgte beim Treffer von Facundo Medina schon die zweite Vorlage, zahlreiche weitere und auffallend gute Einzelaktionen kamen dazu. Viel besser hätte das Heimdebüt kaum verlaufen können.

Miguel Gutiérrez überzeugte bei seinem ersten Heimspiel für Bayer Leverkusen
Miguel Gutiérrez überzeugte bei seinem ersten Heimspiel für Bayer LeverkusenMiguel Gutiérrez überzeugte bei seinem ersten Heimspiel für Bayer Leverkusen© IMAGO/Sven Simon

Fast schien es, als wehte ein Hauch Grimaldo durch die BayArena. Immer wieder keimte Gefahr auf der linken Seite auf. Vor allem, weil dort Gutiérrez als offensiv denkender Verteidiger mit seiner herausragenden Flankenqualität auf sich aufmerksam machte: messerscharf, präzise, eine Augenweide. Qualitäten, die sich bereits in der Vorbereitung angedeutet hatten – und die sich nun ideal mit Ibrahim Maza ergänzten. Dass die Gäste aus der Hauptstadt völlig chancenlos wieder nach Hause fuhren, hatte stand mit Bayers Flügel in engen Verbindung. Entsprechend positiv fiel das Echo hinterher aus.

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„Miguel ist ein bisschen wie Grimaldo“

„Miguel hat ein sehr gutes Spiel gemacht“, lobte Geschäftsführer Simon Rolfes am Samstag in der Mixed Zone und erklärte: „Er ist fußballerisch stark, findet clever Räume, ist ballsicher und versteht das Spiel sehr gut.“ Patrik Schick, einer der ersten Empfänger von Gutiérrez’ Hereingaben, schwärmte kaum weniger. „Miguel ist ein bisschen wie Grimaldo, hat einen super linken Fuß, super Flanken, er kann ins Kombinationsspiel gehen. Nichts Neues“, sagte der Stürmer lachend und spielte auf seinen ehemaligen Mitspieler an. Ein Reporter wertete den Vergleich als großes Kompliment. Vielleicht ist es sogar das größtmögliche. 

Seine erste Duftmarke hat Gutiérrez also eindrucksvoll hinterlassen. Erste Indizien, weshalb Bayer für ihn tief in die Tasche griff, sind gesetzt. Etwa 30 Millionen Euro überwies der Klub im Sommer an die SSC Neapel. Eine beträchtliche Investition. Auf den Wunschzetteln der Verantwortlichen befand sich Gutiérrez dabei schon länger. „Wenn Grimaldo letztes Jahr gegangen wäre, wäre Miguel schon damals der Kandidat gewesen“, erzählte Rolfes kürzlich: „Er ist Grimaldo in vielen Komponenten ähnlich.“ Weshalb auch feststeht, dass man ihn zwangsläufig an seinem Landsmann messen wird.

Alles andere als eine leichte Aufgabe. Schließlich gab Grimaldo, der verkappte Spielmacher, seinen Mitspielern in den letzten Jahren Orientierung und wurde gerade in schwierigen Phasen gesucht. Seine Fußstapfen sind gewaltig – und eigentlich nur im Verbund zu füllen. Dennoch wirken die Parallelen zwischen beiden Spielern unverkennbar. Wie Grimaldo verkörpert auch Gutiérrez einen ausgeprägten Drang nach vorne. Schon bei früheren Vereinen interpretierte er seine Rolle äußerst variabel, tauchte phasenweise im offensiven Mittelfeld auf und beteiligte sich auffallend häufig an den Kombinationen im Zentrum.

Gutiérrez stammt aus der Jugend von Real Madrid

Die passende Ausbildung dafür erhielt Gutiérrez einst bei Real Madrid. 2011 wechselte er vom FC Getafe zu den Königlichen, durchlief zahlreiche Jugendmannschaften und schaffte den Sprung zu den Profis. Nur durchsetzen konnte er sich letztlich nicht. In der Saison 2021/22 gewann er, unter anderem an der Seite seines heutigen Teamkollegen Lucas Vázquez, zwar die spanische Meisterschaft und die Champions League, spielte bei diesen Triumphen aber lediglich eine Nebenrolle. Danach zog es ihn weiter. 

Über den FC Girona ging es anschließend nach Neapel – die Italiener wiederum konfrontierten ihn mit einem körperlicheren, taktisch anspruchsvolleren Fußball. Gerade die Zeit unter Trainerfuchs Antonio Conte sei ihm wichtig gewesen sein. Gutiérrez selbst sprach einst davon, defensiv gereift zu sein und körperlich mittlerweile noch einmal einen Sprung gemacht zu haben. All das soll ihm jetzt in Leverkusen helfen, an seine Gala-Vorstellung aus dem Duell gegen Union anzuknüpfen.

Denn klar ist: Gutiérrez wird Grimaldo kaum eins zu eins kopieren können. Natürlich erwartet das auch niemand. So besteht die eigentliche Herausforderung gar nicht darin, Grimaldo zu ersetzen. Sondern darin, langsam etwas Neues aufzubauen. Nach seinem ersten Heimspiel spricht einiges dafür, dass Bayer dafür den richtigen Baumeister gefunden haben könnte. Mit seinem Engagement, seiner Spieldynamik – und vor allem seiner königlichen Gabe, Flanken maßgenau zu servieren.

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