Die Bayern staunen über ihn
Krattenmacher: Das macht die Niederlage so bitter
Maurice Krattenmacher trifft sehenswert gegen seinen Ex-Klub und erntet Lob von allen Parteien. Der 21-Jährige scheint eine neue Heimat gefunden zu haben.
Zwei Jahre lang durfte Maurice Krattenmacher den FC Bayern ganz offiziell als seinen Arbeitgeber bezeichnen. Ein Pflichtspiel absolvierte der 21-Jährige für den deutschen Rekordmeister nie, lediglich zweimal stand Krattenmacher überhaupt im Kader der Münchner.
Da ihm beim FC Bayern die Perspektive auf Spielzeit fehlte, wechselte der 21-Jährige im Sommer für rund zwei Millionen Euro Ablöse zum Bundesliga-Aufsteiger SV Elversberg. Der Deal geht für die Saarländer bislang vollkommen auf. Dass sich Krattenmacher in Elversberg wohlfühlt und in guter Form befindet, bekam sein ehemaliger Arbeitgeber am Sonntag am eigenen Leib zu spüren.
Bayern-Akteure schwärmen von Krattenmacher-Traumtor
Es lief die 61. Spielminute, als Elversberg tief in der bayerischen Spielhälfte zu viel Platz bekam. Über Noah Darvich kam der Ball zu Krattenmacher, der völlig unbedrängt zur Strafraumkante lief und sich den Ball auf den starken rechten Fuß legte. Überlegt schlenzte der Elversberger das Leder in das lange Eck, ließ mit seinem Traumtor Jonas Urbig keine Chance und verzichtete auf einen Jubel gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber.
„Ich werde gut freigespielt von Noah (Darvich; Anm. d. Red.). Dann sehe ich, dass Lasse (Günther; Anm. d. Red.) gut den Raum frei macht, und dann hatte ich eine gute Schussgelegenheit. Und dann schlägt er ganz gut ein“, freute sich der Torschütze über den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleichstreffer.
Gratulationen zu seinem Tor gab es nicht nur von Krattenmachers Mitspielern, sondern auch von der gegnerischen Partei. „Das Tor macht er top, Kratti“, zollte ihm Aleksandar Pavlovic Respekt – und auch Bayern-Sportvorstand Max Eberl war voll des Lobes: „Der scheint momentan einen Lauf zu haben. Da schießt er einen Ball nach dem anderen schöner rein, wie es nur geht.“
Auf Leih-Wechsel folgte der Schritt ins Saarland
Drei Saisontore nach drei Spieltagen stehen dem jungen Offensivspieler schon zu Buche, nachdem er vergangene Woche beim 4:3-Auswärtssieg der Elversberger in Mönchengladbach doppelt getroffen hatte. Es scheint, als hätte Krattenmacher eine neue Heimat gefunden.
2013 war der Offensivspieler in den Nachwuchs des FC Bayern München gewechselt, bis er sich 2017 der Jugend der Spielvereinigung Unterhaching anschloss. Im Juli 2024 kehrte Krattenmacher zum deutschen Rekordmeister zurück und wurde direkt an den damaligen Zweitliga-Aufsteiger SSV Ulm ausgeliehen. Drei Tore und acht Assists steuerte er 2024/25 im deutschen Unterhaus bei, ehe ihn die Bayern für die in den USA ausgetragene Klub-WM zurückholten.
Dort kam Krattenmacher nicht zum Einsatz, die vergangene Saison 2025/26 absolvierte er auf Leihbasis bei Zweitligist Hertha BSC. Gerade einmal zwei Tore und eine Vorlage glückten ihm in der Hauptstadt, die Leihe ging für alle Parteien nicht auf.
Es folgte der feste Wechsel nach Elversberg: „Wenn du in Millionen-Metropolen wie München oder Berlin gelebt hast und dann in das kleine Elversberg kommst, ist das natürlich eine Umstellung. Aber: Ich habe mich ganz bewusst für Elversberg entschieden, weil ich glaube, dass ich mich hier gut weiterentwickeln kann und entsprechend gefördert werde. Und auch in der Stadt und Umgebung fühle ich mich super wohl“, sagte er zuletzt im Gespräch mit Absolut Bayern.
Ballack schwärmt von Krattenmacher
Trotz seines Abschieds aus München stecke immer noch eine gewisse Mia-san-mia-Mentalität in ihm: „Ich trage das noch in mir, das habe ich auch in Ulm oder Berlin im Training gemerkt – und merke das jetzt auch hier in Elversberg. Jeder Fußballer ist erfolgshungrig. Aber klar: Ich habe während meiner Zeit abseits von München noch mehr realisiert, wie erfolgshungrig man beim FC Bayern wirklich ist. Aber diese Mentalität habe ich mitgenommen.“
Welch großes Potenzial in Krattenmacher schlummert, weiß auch Michael Ballack. Der ehemalige DFB-Kapitän, der für DAZN als Experte tätig ist, verwickelte den Elversberger nach Abpfiff in ein Gespräch.
„Wir kennen uns auch schon länger. Mein Sohn hat mal mit ihm zusammengespielt im Nachwuchs. Ich habe seine Laufbahn eng verfolgt und weiß natürlich um seine Stärken und Schwächen. Ich habe ihm ein paar Sachen gesagt, die er noch hätte besser machen können. Wenn du so ein Tor erzielst: Das gibt ihm riesig Schub. Er hat ein super Momentum. Gegen die Bayern macht nicht jeder ein Tor, ich hoffe, dass wird ihn beflügeln“, verriet Ballack.
Kompany nimmt Krattenmacher in den Schwitzkasten
Krattenmacher bringe „überragende fußballerische Fähigkeiten mit sich“, die der TV-Experte auch bei der 1:2-Niederlage gegen den FC Bayern ausmachen konnte.
Den Traum von einer Rückkehr nach München hat Krattenmacher übrigens noch nicht aufgegeben: „Natürlich ist es von jedem jungen Spieler ein Traum, beim FC Bayern zu spielen. Aber gerade in meinem Alter ist es für mich entscheidend, regelmäßig auf dem Platz zu stehen und mich so weiterzuentwickeln. Deshalb bin ich überzeugt, dass Elversberg für mich jetzt genau der richtige Ort ist.“
Das scheint so. Krattenmachers Traumtor gegen die Bayern ist ein Beweis dafür, dass der 21-Jährige in der Bundesliga angekommen ist. Mit ihm freute sich nach Abpfiff sogar FCB-Cheftrainer Vincent Kompany, der seinen einstigen Schützling lachend in den Schwitzkasten nahm.
„Er hat mir zum Tor gratuliert“, verriet der Elversberger Offensivspieler nach Spielende. Ein Tor, das der 21-Jährige so schnell nicht vergessen wird.