BVB-Juwel Joane Gadou trotz Fehlern der heimliche Stabilisator
"Am Ende war es ausgerechnet Maxi Beier"
Borussia Dortmund übernimmt durch den Sieg in Stuttgart die Tabellenführung. Die Basis des guten Starts liegt auf der Hand. Dabei kommt ausgerechnet ein Youngster etwas zu kurz.
„Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“, hallte es aus der Gästekurve der Stuttgarter MHP Arena. Der BVB geht nach dem 1:0-Sieg gegen den VfB als Tabellenführer in die Länderspielpause. Vier Spiele, vier Siege, drei davon zu Null. Die Basis des Erfolgs wird schnell deutlich: die Defensive – typisch Kovac.
Dabei ist viel die Rede vom erneut verlässlichen Torhüter Gregor Kobel, Abwehrboss Waldemar Anton oder auch Rückkehrer Nico Schlotterbeck. Doch einer spielt aktuell etwas unter dem Radar. Die Rede ist von Joane Gadou.
Nach der Partie wurde es im Bauch des Stuttgarter Stadions stressig. Vereinsmitarbeiter und Spieler huschten von rechts nach links. Es mussten noch schnell Interviews gegeben werden, gleichzeitig drängte die Zeit. Denn der Bus stand schon zur Abfahrt bereit. Als letzter BVB-Spieler verließ Gadou ganz entspannt die Gästekabine.
BVB-Youngster Gadou bewahrt die Ruhe
Der Neuzugang von RB Salzburg (20 Millionen Euro) ließ sich von dem ganzen Trubel nicht aus der Ruhe bringen. Genauso wie auf dem Feld.
Mit seinen zarten 19 Jahren spulte er am Samstagabend sein Programm auf der rechten Abwehrseite in der Dreierkette ab – wie schon in den drei Bundesliga-Partien dieser Saison zuvor: verlässlich, kompromisslos in der Abwehrarbeit, unglaublich dynamisch, mit seinen 1,95 Metern körperlich robust, kopfballstark und pfeilschnell – auch im Kopf. Mit seiner Art hat er großen Anteil an der defensiven Stabilität der Dortmunder.
Mal lief er den eigentlich schon enteilten Demirovic locker ab (45.), mal stellt er sich einfach nur in die Schussbahn und blockte überlegt gegnerische Abschlüsse (48.).
Er agiert fast schon wie ein alter Hase. Aber nur fast. Denn alles klappt noch nicht. Zweimal leistete er sich haarsträubende Abspielfehler (16., 31. Minute) – jeweils entschärfte Kobel in höchster Not. In der 57. Minute handelte er sich eine unnötige Gelbe Karte ein: In der Hälfte der Stuttgarter kam er gegen Maxi Mittelstädt zu spät.
Hier hat Gadou noch Luft nach oben
„Er hat heute im Aufbauspiel auch den ein oder anderen Fehler gemacht“, legte BVB-Geschäftsführer Lars Ricken im SPORT1-Interview den Finger in die Wunde, ehe er dann zu einem großen Lob ausholte: „Das passiert nun mal bei einem 19-jährigen Innenverteidiger. Aber dann die Ruhe zu bewahren und gefühlt jeden Zweikampf zu gewinnen und den Gegner, wenn es eng wird, mit seiner Geschwindigkeit so abzulaufen…“
Klar ist: Beim Passspiel hat Gadou noch Luft nach oben. Oft sind seine Bälle nach vorne zu riskant, hin und wieder streut er unnötige Ungenauigkeiten ein. Aber genau diese Fehler gestehen sie ihm zu.
BVB-Verantwortliche schwärmen von Gadou
Die Dortmunder Verantwortlichen, allen voran Trainer Niko Kovac, sind vollkommen überzeugt von ihrem Youngster. Nach dem Motto: Lieber mutig spielen und Fehler machen, als nur brav die Bälle von rechts nach links oder immer nur zurückzuspielen.
Auch sein Nebenmann Schlotterbeck zeigte sich beeindruckt: „Wenn ich da nur an Joane Gadou neben mir in der Innenverteidigung denke: Das ist schon höchste Klasse“, erklärte der BVB-Star in dieser Woche bei BVB-TV.
Knapp drei Wochen darf sich Dortmund nun über den Platz an der Sonne freuen. Und wenn die Defensive mit ihrem Youngster weiterhin so abliefert, können die BVB-Fans diese Gesänge vielleicht noch öfter zum Besten geben.