„Er kann der Heilsbringer werden“

Wird er jetzt endlich wieder der Alte?

Wird er jetzt endlich wieder der Alte?

Niclas Füllkrug hofft, mit seiner Rückkehr an die Weser wieder an frühere Erfolge anknüpfen zu können. Bei SPORT1 erklärt Werder-Legende Ivan Klasnic, was die Bremer von ihrem Heimkehrer erwarten können.

Bundesliga-Torschützenkönig, Champions-League-Finalist mit Borussia Dortmund, Nationalspieler sowie Torschütze bei Welt- und Europameisterschaften: Niclas Füllkrug hat in seiner Karriere zahlreiche Höhepunkte erlebt.

Nach erfolgreichen Jahren bei Werder Bremen und durchwachsenen Leistungen beim BVB wollte der Angreifer den nächsten Schritt gehen. Der Wechsel zu West Ham United entpuppte sich aber als Karriereknick. In der Premier League konnte sich der 33-Jährige nie nachhaltig durchsetzen.

Ivan Klasnic traut Niclas Füllkrug bei Werder viel zu
Ivan Klasnic traut Niclas Füllkrug bei Werder viel zuIvan Klasnic traut Niclas Füllkrug bei Werder viel zu© IMAGO / Pixsell

Im Januar zog West Ham schließlich die Reißleine und verlieh den Mittelstürmer an den AC Mailand. Doch auch dort blieb der erhoffte Befreiungsschlag aus: Nach 20 Einsätzen stand lediglich ein Tor zu Buche.

Nun erfolgte die Rückkehr zu Werder Bremen und damit zu jenem Verein, bei dem Füllkrug einst seinen ersten Profivertrag unterschrieb und später nach mehreren Zwischenstationen zum Bundesliga-Torschützenkönig reifte. In seiner bislang letzten Werder-Saison 2022/23 verbuchte der Stürmer 16 Tore und fünf Vorlagen in 28 Ligaspielen.

Füllkrug? „Wichtig, so einen Spieler im Verein zu haben“

Die Rückkehr ist deshalb nicht nur ein Wiedersehen mit seinem Herzensverein, sondern auch die Chance auf einen persönlichen Neustart. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Kann Füllkrug noch einmal an seine erfolgreichsten Jahre anknüpfen und Werder zurück in ruhigeres Fahrwasser führen?

Für Klublegende Ivan Klasnic steht fest, dass der Rückkehrer eine wichtige Rolle spielen kann. „Es ist wichtig, so einen Spieler im Verein zu haben“, erklärt der frühere Werder-Torjäger im Gespräch mit SPORT1. „Er hat in seiner Karriere einiges gesehen und hat für viele gute Vereine in starken Ligen gespielt. Die Erfahrung, die er dort gesammelt hat, kann er vor allem den jungen Spielern vermitteln.“

„Werder braucht so einen Spieler wie ihn“, betont Klasnic weiter. Die Aussage kommt nicht von ungefähr. Die vergangene Saison verlief für die Bremer alles andere als zufriedenstellend.

Werder muss Heimschwäche ablegen

Zwar rettete sich Werder letztlich auf Rang 15 und verhinderte den Abstieg, die Ausbeute von lediglich acht Siegen spricht jedoch eine deutliche Sprache. Besonders problematisch: Die Hälfte aller Niederlagen kassierten die Grün-Weißen im eigenen Stadion.

Für Klasnic ist deshalb klar, wo die Mannschaft ansetzen muss. „Werder muss die Heimspiele endlich mal wieder positiv gestalten und gewinnen. Dann sollte man nicht so große Probleme wie in der vergangenen Saison haben und nicht um den Abstieg mitspielen“, sagt er.

Die gesamte Verantwortung für den sportlichen Aufschwung will Klasnic Füllkrug allerdings nicht aufbürden. „Der Kader ist eigentlich schon voll und ich finde, dass der Verein eine gute Transferperiode hatte und gut gearbeitet wurde“, lobt der Kroate. Nach Ansicht des ehemaligen Nationalspielers könnte Bremen „ruhigen Gewissens“ in die neue Saison starten, da der Klub nicht mehr unter Druck stehe, weitere Spieler verpflichten zu müssen.

Klasnic glaubt an Füllkrugs Comeback

Trotzdem wird sich der Fokus unweigerlich auf Füllkrug richten. Seine Rückkehr ist mit großen Erwartungen verbunden, auch wenn der Angreifer inzwischen 33 Jahre alt ist.

Niclas Füllkrug besuchte 2025 das Abschiedsspiel von Diego in Bremen
Niclas Füllkrug besuchte 2025 das Abschiedsspiel von Diego in BremenNiclas Füllkrug besuchte 2025 das Abschiedsspiel von Diego in Bremen© IMAGO/Noah Wedel

Klasnic traut dem Stürmer dennoch zu, an alte Glanzzeiten anzuknüpfen. „Er muss in den Rhythmus kommen. Vielleicht schmeißt man ihn direkt im Pokal ins kalte Wasser und sagt ihm, dass er Gas geben soll. Ich gehe davon aus, dass er in Bremen zu alter Stärke zurückfinden kann.“

Dabei spielt aus Sicht des Ex-Profis vor allem das Umfeld eine entscheidende Rolle. „Wenn ein Spieler sich in einem Verein wohlfühlt, dann wird er auch wieder seine Tore schießen. Ob er die vielen Tore schießt, die Werder braucht, wird man sehen, aber er kann der Heilsbringer werden“, gibt sich Klasnic optimistisch.

Der von Klasnic zuvor angesprochene Rhythmus könnte bei Füllkrug allerdings zur entscheidenden Frage werden. Die vergangenen Monate waren für den Angreifer von wenigen Einsätzen geprägt, zuletzt wurde er sogar aussortiert. Hinzu kamen Verletzungen, die ihn immer wieder zurückwarfen.

„Die Mannschaft muss sich finden“

Klar ist deshalb auch: Füllkrug allein wird Werder weder aus dem Abstiegskampf noch aus der sportlichen Misere führen können. Dafür braucht es eine Mannschaft, die als Einheit fungiert. „Die Mannschaft muss sich finden und braucht ein gutes Zusammenspiel. Wenn Werder am Ende der Saison nichts mit dem Abstieg zu tun hat, dann ist es ein Erfolg“, stellt Klasnic klar.

Der Transfer von Füllkrug steht damit sinnbildlich für einen Neuanfang auf beiden Seiten. Der Stürmer will nach schwierigen Jahren im Ausland zurück zu alter Stärke finden. Werder wiederum möchte nach einer enttäuschenden Saison den Blick wieder nach oben richten und an frühere Erfolge anschließen.

Ob dieses Vorhaben gelingen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Nach der Partie im DFB-Pokal gegen LSK Hansa (Samstag, 15.30 Uhr) wartet am 30. August mit dem Bundesliga-Auftakt gegen den SC Freiburg der erste echte Gradmesser auf die Bremer und Füllkrug.