Neue Rolle für Davies?

Eberl lässt mit Davies-Andeutung aufhorchen

Eberl lässt mit Davies-Andeutung aufhorchen

Die vergangene Saison war für Alphonso Davies alles andere als einfach. Nach zahlreichen Verletzungen ist der Kanadier zwar pünktlich zum Saisonstart fit, aber beim FC Bayern kein unumstrittener Stammspieler mehr.

Einst war Alphonso Davies der gefeierte Shootingstar beim FC Bayern, der sich in jungen Jahren vom unbekannten Talent zum unangefochtenen Stammspieler entwickelte und auch wegen seiner lockeren Art bei Fans und im Verein ein unglaublich hohes Standing erlangte.

Doch davon ist aktuell nicht mehr viel übrig: Hinter Davies liegen eineinhalb Horror-Jahre, in denen er – geprägt von mehreren Verletzungen – für den FC Bayern kaum zum Zug kam und auch bei seiner Heim-WM mit Kanada nur einen Kurzeinsatz hatte.

Alphonso Davies sucht nach seiner Rolle beim FC Bayern
Alphonso Davies sucht nach seiner Rolle beim FC BayernAlphonso Davies sucht nach seiner Rolle beim FC Bayern© IMAGO/Beautiful Sports

Seinen Stammplatz beim deutschen Rekordmeister verlor der 25-Jährige in der Zwischenzeit und auch sein Standing im Verein litt, wie SPORT1 bereits im Mai berichtete, zunehmend. Unter anderem die zähen Verhandlungen vor seiner Vertragsverlängerung im Frühjahr 2025 wirken bei einigen Verantwortlichen bis heute nach.

Nicht umsonst holten die Bayern im Sommer mit Nathaniel Brown von Eintracht Frankfurt für 50 Millionen Euro einen Spieler, der ausgerechnet auf Davies‘ Linksverteidiger-Position zu Hause ist. Und selbst wenn der Neuzugang, wie zuletzt im Supercup, gar nicht auf dieser Position zum Einsatz kommt, heißt das noch lange nicht, dass dann der Kanadier von Beginn an spielt.

FC Bayern: Davies spricht emotional über Leidenszeit

Der Davies-Abstieg begann im März 2025, als er sich bei einem Spiel für die kanadische Nationalmannschaft das Kreuzband riss. Über die Zeit danach sprach er vor wenigen Tagen auf seinem YouTube-Kanal: „Eine Kreuzband-Verletzung ist eine der schlimmsten und herzzerreißendsten Verletzungen, die man erleiden kann. Das kostet dich neun oder zehn Monate deiner Karriere. Es war für mich sehr hart, ganz speziell mental.“

Im Anschluss kämpfte sich der Kanadier über Monate zurück auf den Platz, doch es folgte mit einem Muskelfaserriss gleich der nächste Rückschlag: „Das war wirklich hart, weil ich dachte, dass ich direkt wieder zu meinem alten Ich zurückfinden würde.“

Gerade die zweite Verletzung habe ihn „innerlich zerstört“, erklärte Davies. „Danach habe ich alle Motivation und alle Hoffnung verloren. Ich war unglaublich niedergeschlagen. Ich bin jeden Morgen aufgewacht und wollte nicht zum Training gehen, wollte eigentlich auch mit niemandem sprechen und nicht mal mein Bett verlassen.“

Die Zeit sei für ihn unglaublich niederschmetternd gewesen, auch weil der 59-malige Nationalspieler das Gefühl gehabt habe, „dass immer, wenn ich etwas Gutes gemacht habe, danach direkt etwas Schlechtes passiert ist“.

Davies enthüllt Zurückhaltung: „Habe nicht wie ich selbst gespielt“

Seine Teamkollegen und seine Familie hätten ihn aber gleich wieder aufgebaut. Davies habe zudem in der Zeit erkannt, dass solche Rückschläge nach solch einer langen Verletzung normal seien: „Der Körper muss sich an die hohe Belastung wieder gewöhnen und ich habe mich durch das Tief durchgekämpft.“

Der Bayern-Profi feierte schließlich einmal mehr sein Comeback, wirkte in den folgenden Spielen aber oft gehemmt. Von seiner Dynamik, seinem unglaublichen Tempo und seiner Physis in den Zweikämpfen schien nicht mehr viel übrig.

Dass er tatsächlich gehemmt gewesen sei, gab Davies jetzt auch selbst zu. „Wenn du von einer Muskelverletzung zurückkommst, bist du unsicher, was du machen kannst und was vielleicht die Gefahr erhöht, dich erneut zu verletzen. Auch deshalb hältst du dich auf dem Platz etwas zurück. Da habe ich nicht wie ich selbst gespielt“, schilderte er.

Dies blieb wohl auch den Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters nicht verborgen. Nicht umsonst setzten sie ihm im Sommer Brown vor die Nase.

SPORT1 berichtete schon unmittelbar nach der Verpflichtung des deutschen Nationalspielers, dass man im Verein hoffe, dass der neue Konkurrenzkampf Davies wieder zu Höchstleistungen treiben wird.

Verzichtete Davies für Bayern auf WM-Einsätze?

An der grundsätzlichen Motivation für die neue Saison mangelt es Davies nicht. „Ich warte auf den Moment, in dem ich den Fußball wieder genießen kann – und ich bin mir sicher, dass dieser Moment wiederkommen wird“, erklärte der Kanadier auf seinem YouTube-Kanal.

Was zudem auffällt: Im entsprechenden Video, welches vor der Fußball-Weltmeisterschaft gedreht wurde, sprach Davies auch darüber, dass er bei der anstehenden WM kürzer treten werde, um für die Saison beim FC Bayern fit zu sein.

Alphonso Davies kam bei der WM nur zu einem Kurzeinsatz
Alphonso Davies kam bei der WM nur zu einem KurzeinsatzAlphonso Davies kam bei der WM nur zu einem Kurzeinsatz© IMAGO/STEINSIEK.CH

„Die Weltmeisterschaft steht an. Hoffentlich kann ich zumindest ein Spiel spielen oder zumindest ein paar Minuten spielen, um sagen zu können, dass ich mal bei einer WM gespielt habe. Aber ich weiß, dass ich aufpassen muss, weil ich die kommende Saison bei Bayern komplett spielen möchte und Teil der Mannschaft sein möchte. Das ist mein Ziel“, stellte Davies klar.

Beim XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko kam der FCB-Profi dann trotz vieler Diskussionen um seine Person lediglich im Sechzehntelfinale zu einem Kurzeinsatz. Außerdem hatte er einen Arzt des Rekordmeisters mit dabei, der seinen Fitnesszustand dauerhaft überwachte.

Rückt Davies in eine neue Rolle?

Zumindest dieser Plan ging auf und Davies kehrte ohne neuerliche Verletzung nach München zurück. Dort kämpft er aktuell um seinen Platz im Team und könnte sich in Zukunft vielleicht in einer neuen, alten Rolle wiederfinden.

So brachte Bayerns Sportvorstand Max Eberl vor dem Telekom-Cup bei Magenta Sport einen Positionswechsel ins Spiel: „Vielleicht kriegen wir Phonzy auch frei als Backup für Luiz Dias teilweise.“ Diaz ist bei den Bayern als Linksaußen in der Offensive gesetzt – die Rolle, die Davies zum Zeitpunkt seines Wechsels 2019 von den Vancouver Whitecaps nach München noch primär ausgeübt hatte, bevor er im Anschluss eine Position nach hinten rückte.

Noch wichtiger sei aber, dass Davies „hoffentlich zu der Form zurückfindet, die er vor den Verletzungen hatte“, erklärte Eberl – egal auf welcher Position.

Davies wirkt weniger gehemmt

Erste gute Ansätze zeigte der Kanadier auch schon im Supercup bei Borussia Dortmund (2:1). Gegen den BVB kam er zwar nur als Joker in der 68. Minute ins Spiel, agierte danach aber durchaus stark.

Der Nationalmannschaftskapitän gewann fast alle Zweikämpfe, hatte wieder die nötige Spritzigkeit und wirkte im Zweikampf entschlossener als noch in der vergangenen Saison.

Und weil Brown in seiner ungewohnten Rolle auf der Zehn überzeugte, könnten sich so womöglich auch Davies‘ Chancen auf Einsätze auf seiner Linksverteidiger-Position steigern. Ob in alter oder neuer Rolle, Alphonso Davies will dem FC Bayern auf dem Platz weiterhelfen. Dafür muss er jetzt aber endlich wieder fit bleiben.