Russland-Zoff: Darum steckt Deutschland im Olympia-Dilemma

von SPORT1
Russland zur Eishockey-WM? Das sagt Bundestrainer Rankel
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Russland zur Eishockey-WM? Das sagt Bundestrainer Rankel

Die Russland-Frage sorgt für Wirbel im Eishockey, Boykottdrohungen mehrerer Nationen bringen die WM 2027 in Deutschland ins Wanken. Gleichzeitig könnte der Konflikt auch Auswirkungen auf die deutsche Olympia-Bewerbung haben.

In Düsseldorf treffen sich die Eishockey-Nationalspieler, der neue Bundestrainer André Rankel stimmt sie auf sein erstes Turnier ein – doch ein Thema überlagert alles: Gibt es im nächsten Jahr überhaupt eine Heim-WM? Nach massiven Boykottdrohungen des Weltmeisters Finnland und weiterer Nationen sowie dem Rückzug eines ersten Sponsors aus Schweden wackelt das Turnier wegen der Rückkehr Russlands immer mehr.

Der finnische Verbandspräsident Heikki Hietanen kündigte nach der Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS an, man werde „nicht gegen Russland spielen, solange der Angriffskrieg gegen die Ukraine andauert“. Gleichzeitig warb der Titelverteidiger und Olympiasieger von 2022 im Teilnehmerfeld erfolgreich um Unterstützung für „eine gemeinsame Front“. Hietanens tschechischer Amtskollege Alois Hadamczik erklärte: „Wenn diese Nationen sich vereinen, kann das etwas verändern.“

Die Eishockey-WM 2027 in Deutschland wackelt wegen der Rückkehr Russlands immer mehr
Die Eishockey-WM 2027 in Deutschland wackelt wegen der Rückkehr Russlands immer mehrDie Eishockey-WM 2027 in Deutschland wackelt wegen der Rückkehr Russlands immer mehr© IMAGO/Maximilian Koch

Russland bei der Eishockey-WM? „Es würde im Chaos enden“

Am Dienstag schlossen sich der WM-Dritte Norwegen, Schweden, Dänemark und Lettland der Initiative an. Die Norweger argumentierten auf X, man wolle „die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Spieler, Betreuer und deren Familien“ schützen.

Der dänische Verbandspräsident Henrik Bach Nielsen sagte wenig später: „Wir haben beschlossen, nicht gegen Russland zu spielen. Es würde im Chaos enden, wenn wir es tun würden.“

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) wollte das Vorgehen auf SID-Anfrage nicht kommentieren und verwies darauf, dass er selbst Klärung von der IIHF erwarte. Vorstandschef Frank Lutz hatte bereits am Wochenende erklärt, dass der DEB eine Rückgabe der WM vom 13. bis 30. Mai in Gelsenkirchen, Düsseldorf und Mannheim nicht ausschließe.

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Weltverband vertagt Entscheidung – der Druck steigt

Der Weltverband IIHF mit dem neuen Präsidenten Franz Reindl wollte eigentlich am Montag und Dienstag über die Zulassung Russlands zur WM in Deutschland und zu weiteren Turnieren entscheiden, vertagte sich aber nach kontroversen Diskussionen auf Donnerstag. 

Laut Erklärung auf ihrer Homepage hält die IIHF „an ihrer Ablehnung der Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs fest“. Wie sie am Mittwoch mitteilte, habe sie dem CAS dargelegt, dass die „sofortige Wiederaufnahme russischer Teams erhebliche praktische und sportliche Herausforderungen mit sich“ bringe, „darunter Visa- und Einreisebestimmungen, Sicherheitsvorkehrungen, logistische Einschränkungen und Konsequenzen für die Wettbewerbsformate“. Die Auswirkungen des CAS-Urteils seien „erheblich unterschätzt“ worden.

Währenddessen wurde der Druck auf den Weltverband auch von anderer Seite erhöht: Der schwedische Büromöbelhersteller AJ, seit 1989 einer der größten Sponsoren bei Eishockey-Weltmeisterschaften und zuletzt mit seinem Schriftzug auf den Schiedsrichtertrikots präsent, zog sich als erster Geldgeber zurück.

„Im Geschäftsleben gibt es viele schwierige Entscheidungen“, sagte der CEO David Bray, „aber das war keine. Dies ist ein Protest gegen Russland.“ Auch der tschechische Wettanbieter Tipsport, ebenfalls IIHF-Partner, kündigte an, nicht bei russischen Spielen werben zu wollen. Zudem drohten mehrere Werbepartner, am Mittwoch auch der tschechische Hauptsponsor Skoda und der deutsche Arbeitskleidungshändler Strauss, ihren Rückzug an.

Kanada legte sich fest: U20-WM ohne Russland

Während also in Düsseldorf Trainerneuling Rankel die WM-Vorbereitung mit dem ersten Spiel beim Deutschland Cup am Donnerstag (19.45 Uhr) gegen Österreich beginnt, wird andernorts über die Heim-WM entschieden. DEB-Vorstandschef Lutz ist zu Gesprächen mit der Bundesregierung in Berlin, die mit der Visavergabe einen politischen Hebel in der Hand hat.

Kanada erklärte bereits, das russische Team nicht zur Junioren-WM (26. Dezember bis 5. Januar) in Edmonton und Red Deer einreisen zu lassen. „Russland und Belarus unterstützen diesen illegalen, ungerechtfertigten, entsetzlichen Krieg in der Ukraine. Solange das andauert, wird kein einziger Athlet dieser Länder für sein Land in Kanada antreten“, hatte Kanadas Premierminister Mark Carney verkündet.

Der nächste betroffene Ausrichter ist Tschechien mit der U18-WM der Frauen (8. bis 16. Januar 2027), dort gilt laut Eishockeyverband ein Regierungserlass, der Spiele mit russischen Mannschaften verbietet.

Deutschland steckt im Olympia-Dilemma

Doch die Bundesregierung hat auch die Olympiabewerbung um die Spiele 2036, 2040 und 2044 im Blick. Sollte sie dem russischen Team die Einreise verweigern und sich damit gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) stellen, das die vollständige Rückkehr Russlands unter eigener Flagge für Los Angeles 2028 angekündigt und allen Fachverbänden empfohlen hat, dürften die Chancen drastisch sinken.

Die Bundesregierung sehe die Entscheidung des CAS „sehr kritisch“, hatte am Sonntag ein Sprecher auf SID-Anfrage mitgeteilt und auf die „restriktive Visumpolitik gegenüber Russland“ verwiesen: „In Einklang mit den EU-Leitlinien werden russischen Antragstellenden Visa für kurzfristige Aufenthalte nur unter sehr engen Voraussetzungen erteilt.“

Zur WM der Rhythmischen Sportgymnastik in Frankfurt/Main und zur Junioren-EM im Schwimmen in München durften russische Sportlerinnen und Sportler einreisen.

Das womöglich letzte Eishockey-Turnier ohne Russland ist die Frauen-WM in Dänemark. Das deutsche Team um die PWHL-Profis Laura Kluge und Nina Jobst-Smith startet am Samstag (19 Uhr) in Esbjerg gegen Österreich.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)