Helmut Marko hat die neue Formel-1-Ära scharf attackiert und dringenden Handlungsbedarf angemahnt. Der frühere Red-Bull-Motorsportberater forderte gegenüber ORF ein Umdenken bei den 2026 eingeführten Regularien und mahnte: „Der fahrerische Aspekt muss wieder zurückkommen.“
Marko lästert über Formel-1-Regeln
Im Zentrum der Kritik steht die nahezu 50:50-Aufteilung zwischen Verbrenner- und Elektro-Anteil der neuen Power Units. Was auf dem Papier gut klinge, funktioniere in der Praxis nicht, weil die Batterien permanent geladen werden müssten, so Marko. Das führe zu frühem Hochschalten auf Geraden und vielen Phasen, in denen die Piloten nicht voll pushen können.
Nach einem ersten Gipfel am 9. April sollen die Entscheidungsträger am 20. April erneut zusammenkommen, um mögliche Anpassungen für diese und kommende Saisons zu beraten. Die Kritik aus dem Fahrerlager ist laut geworden – allen voran von Max Verstappen, dessen Unzufriedenheit mit den neuen Autos bereits öffentlich Thema ist.
Marko sieht den Ursprung der Problematik in der starken Elektrifizierung, die vor zwei Jahren auf Wunsch der Hersteller forciert wurde. Inzwischen habe sich der Markt verändert, CO2-neutrale Kraftstoffe seien Realität. Das Reglement weise daher „Schwachstellen“ auf, die man korrigieren müsse.
Bearman-Crash als Warnsignal
Brisant wurde die Debatte durch den heftigen Unfall von Oliver Bearman beim Japan-GP am 29. März. Der Haas-Pilot krachte mit 50G in die Streckenbegrenzung, nachdem er mit rund 50 km/h Überschuss auf Franco Colapinto auflief. Ursache war eine unterschiedliche Energienutzung: Während Colapinto Energie erntete, war Bearman im Deploy-Modus unterwegs.
Die FIA räumte den Einfluss hoher Annäherungsgeschwindigkeiten ein, warnte jedoch vor voreiligen Regeländerungen. Marko spricht dennoch von gefährlichen Situationen: „Es ist fast so, als würde ein Fahrzeug stehen.“
Auch Lewis Hamilton hatte betont, dass 2026 jener Fahrer im Vorteil sei, der sein Energiemanagement am besten beherrsche. Marko stimmt zu – sieht darin jedoch eine Abkehr vom Kern der Formel 1. Nicht Software-Strategien oder eine volle Batterie dürften über Überholmanöver entscheiden, sondern der schnellste Pilot im besten Auto.