Gleich sechs – teilweise vielversprechende – Nachwuchspiloten hat Red Bull in der Formel 2 untergebracht. Und trotzdem greift der Rennstall in der Formel-1-Saison 2023 auf drei ältere sowie externe Fahrer zurück.
Für Jaime Alguersuari zeigt diese Tatsache vor allem eines: „Das Red-Bull-Juniorteam funktioniert nicht mehr.“ Der Spanier gehört immerhin zu den Kennern der Szene und weiß, wovon er spricht. Einst zählt der heute 33-Jährige selbst zum Nachwuchsprogramm des Weltmeister-Teams und fuhr von 2009 bis 2011 für Toro Rosso (heute AlphaTauri) in der Königsklasse.
Damals avancierte Alguersuari zum jüngsten Fahrer der Geschichte – selbstverständlich ein großes Risiko für Red Bull. Die Strategie: Verheißungsvolle Youngsters sollten eine Chance bei Toro Rosso erhalten und Erfahrung sammeln, um dann zu Red Bull aufzusteigen. Mittlerweile ist von der früheren Idee aber kaum noch etwas übrig geblieben.
Bei Red Bull fährt Sergio Pérez, der nie Teil des Juniorkaders war, an der Seite von Max Verstappen. AlphaTauri setzte den Talenten mit Nyck de Vries ebenfalls einen externen Piloten vor die Nase, der nun wiederum durch den eigentlich längst abgewanderten Daniel Ricciardo ersetzt wurde.
„Dass sie irgendwo anders nach einem Fahrer schauen mussten, ist schon eine Kontroverse. Das ergibt keinen Sinn“, wunderte sich Alguersuari im Sky Sports F1 Podcast. „Checo war niemals im Juniorteam. Und selbst wenn er es wäre, würde er kein Jahr durchhalten, so wie Marko Fahrer bewertet.“
„Sie treffen Entscheidungen ohne Strategie dahinter“
Alguersuari meinte Red-Bull-Motorsportboss Helmut Marko, der für das Nachwuchsprogramm verantwortlich ist und als knallharter Entscheider gilt.
Dass dieser derzeit ungewohnt viel Geduld mit dem schwächelnden Pérez hat, wirft daher Fragen bei Alguersuari auf. „Ich frage mich, wer die Entscheidungen trifft. Ist es wirklich Helmut? Sind es Helmut und Christian (Horner; Anm. d. Red.)? Ist es jemand anderes dahinter, der als Interessensvertreter auftritt? Ich weiß es nicht.“
Ähnlich wenig nachvollziehen kann Alguersuari die Entscheidung, Ricciardo gegenüber Liam Lawson als Nachfolger von de Vries vorzuziehen. Zumal Marko selbst noch im Mai bekräftigte, dass die Junioren bei einem Rauswurf des Niederländers den Vorzug erhalten würden. „Im Fall der Fälle würden wir auf unseren Nachwuchspool zurückgreifen. Da geht es speziell um Liam Lawson und Ayumu Iwasa. Ricciardo ist kein Thema“, sagte der Österreicher vor einigen Wochen.
Denn sowohl der Neuseeländer Lawson als auch der Japaner Iwasa (beide 21 Jahre alt) sorgen mit guten Leistungen in Nachwuchsklassen gerade für Furore. Lawson in der japanischen Super Formula, Iwasa in der Formel 2. Doch mit unerwarteten Red-Bull-Entschlüssen hat auch Alguersuari schon seine Erfahrungen gemacht.
Nur dreimal fuhr der Spanier 2010 in die Punkte, steigerte sich aber 2011 mit 26 Zählern und legte seine beste Saison hin. Trotzdem war am Saisonende Schluss für ihn. Er wurde durch Ricciardo ersetzt, was er damals nicht verstehen konnte. „Manchmal machen sie einfach Dinge, die keinen Sinn ergeben. Sie treffen Entscheidungen ohne Strategie dahinter“, beklagte Alguersuari.