Sebastian Coe, Olympiasieger, britischer Lord, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes, smart, charmant – und er ist ein richtig guter Pokerspieler. Wenn es um die mögliche Nachfolge von Thomas Bach an der Spitze des IOC geht, will sich Coe jedenfalls nicht in die Karten gucken lassen.

„Ich habe mich bislang mit dem Thema noch nicht beschäftigt“, sagte Coe dem Magazin Spiegel. Dabei hatte der 66-Jährige zuletzt eine Kandidatur für den mächtigsten Posten im Weltsport ab dem Jahr 2025 weder bestätigen noch ausschließen wollen: „Mein ganzer Fokus gilt der kommenden WM, die ein großer Erfolg werden muss. Wenn die vorbei ist, kann ich mir Gedanken machen, wie das nächste Kapitel aussehen wird.“

Coe hält sich also alles offen, klar ist aber schon jetzt: Der ehemalige Abgeordnete des britischen Unterhauses und Macher der Sommerspiele 2012 in London geht in seine dritte Amtszeit als Präsident des Weltverbandes World Athletics. Es ist aber definitiv die letzte Amtszeit für Coe. Die Statuten erlauben nur drei Amtszeiten als Präsident des Weltverbands.

Russland-Rückkehr: Coe positioniert sich gegen IOC-Präsident Bach

Coe ist unumstritten innerhalb von WA, er hat die Leichtathletik als Nachfolger seines Skandal-Vorgängers Lamine Diack wieder aus der Schmuddel-Ecke geholt. „Wir haben viel geschafft, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Einiges, weil ich Veränderungen wollte. Und einiges, das gebe ich offen zu, weil wir dazu gezwungen wurden“, sagte Coe einmal.

In der Doping-Causa Russland lavierte er zunächst auch nur herum, dann wurde der Druck allerdings größer und größer – und Coe griff schließlich durch. In der Testosteronfrage im Fall Caster Semenya scheute er eine schwierige Entscheidung nicht. So erarbeitete sich Coe den Ruf eines Reformers.

Und auch nach dem russischen Überfall auf die Ukraine bleibt er weiter hart. „Neutrale“ Sportler aus Russland und Belarus wird es in Budapest nicht geben.

Auch was die Teilnahme der Sportler bei Olympia im kommenden Jahr in Paris betrifft, ist Coe skeptisch. Russische und belarussische Athleten würden nur an Leichtathletik-Wettkämpfen teilnehmen können, „wenn sich die Situation ändert. Aber ich muss sagen, dass das im Moment unwahrscheinlich ist, angesichts der Ereignisse in der Ukraine“.

Kampfansage an Thomas Bach

„Der Tod und die Zerstörung“, die die Welt seit dem Angriff auf die Ukraine erleben mussten, „haben meine Entschlossenheit in dieser Angelegenheit nur noch verstärkt“, sagte Coe zuletzt. Eine unverblümte Kampfansage an Bach, der sich um eine Rückkehr von Sportlern aus Russland und Belarus in den internationalen Sport als „neutrale“ Athleten bemüht.

Ob Coe tatsächlich ein ernsthafter Kandidat für die Bach-Nachfolge werden kann? Offen. Aber er hat schon einmal eine Idee, wie er den Job erledigen würde. „Wahrscheinlich würde ich eine solche Aufgabe genauso angehen wie derzeit meinen Job bei World Athletics, mit eigenem Kopf“, sagte Coe. Doch zwei weitere Jahre bleibt er ohnehin erst einmal der oberste Leichtathlet.

———————

mit Sport-Informationsdienst (SID)