Der amtierende Schwergewichts-Champion der UFC gegen einen amtierenden Schwergewichts-Weltmeister im Boxen: Ein historisches Traumduell für Kampfsport-Fans scheint Wirklichkeit zu werden.
Nachdem Tyson Fury vor Megakulisse im Londoner Wembley-Stadion Dillian Whyte k.o. geschlagen und seine Box-Karriere für den Moment auf Eis gelegt hat, stellte er danach zwei große Pläne in Aussicht: ein erneutes Gastspiel bei WWE gegen Wrestling-Star Drew McIntyre im Sommer – und einen Crossover-Fight gegen UFC-Titelträger Francis Ngannou.
In beiden Fällen äußerte er allem Anschein nach keine losen Gedankenspiele, es sieht so aus, als gebe es schon konkrete Anbahnungen. WWE und Fury spielen bereits seit längerem immer wieder Marketing-Doppelpass, Ngannou war in London vor Ort – und machte nun auch in einem Medienauftritt klar, dass er den Kampf gegen Fury will, koste es, was es wolle.
Francis Ngannou will Kampf mit Tyson Fury unbedingt
Der in Kamerun geborene Ex-Boxer, dessen Verhältnis zur UFC und deren Boss Dana White zuletzt angespannt war, stellte in The MMA Hour klar: Er bestehe auf den Fury-Fight, unabhängig davon, ob er bei der UFC verlängere oder nicht.
„Der Fury-Kampf muss Teil der Sache sein“, erklärte der 35-Jährige, man müsse „einen Weg finden, das in den Vertrag zu implementieren“.
Sollte Ngannou sich trotz versöhnlicher Signale mit der UFC nicht einig werden, ist ein Kampf gegen Fury frühestens im Dezember möglich, wenn er Free Agent wird.
Ngannou und die UFC im Clinch ums Geld
Mit einem Sieg über Interims-Champion Cyril Gane war Ngannou im Januar zuletzt wieder unumstrittener Titelträger seiner Division geworden. Seine Zukunft steht trotzdem im Frage, weil er sich mit White in einem Dauer-Clinch um Bedingungen und Bezahlung seiner Fights befindet.
Ngannou ist in dieser Hinsicht kein Einzelfall, obwohl die UFC im Kernmarkt USA inzwischen eine weit größere Gelddruckmaschine als das Boxen ist, verdienen die meisten Kämpfer weniger als größere Box-Stars: Das enorm profitable Geschäftsmodell lebt von der Marke UFC, White leistet es sich daher im Zweifel sogar, Topstars wie Skandalnudel Jon Jones jahrelang nicht einzusetzen, wenn es Stunk ums Geld gibt – auch mit Conor McGregor gab es immer wieder Konflikte.
Dass Ngannou nun deshalb aufs Boxen als alternative Geldquelle schielt – obwohl er dort trotz seines Hintergrunds auf Weltklasse-Niveau chancenlos sein dürfte – hat einen gewissen Absurditäts-Faktor. Für Fury kommt Ngannous Flirt mit seiner Sportart aber gerade recht.
Win-win für beide – und für US-Medienriese ESPN
Ein Kampf mit Ngannou würde Furys Bekanntheitsgrad und damit seinen Marktwert in den USA erhöhen, er kann einen weiteren zweistelligen Millionen-Zahltag erwarten – letztlich ohne sportliches Risiko: Sollte es einen Kampf unter MMA-Regeln geben, wäre die absehbare Niederlage kein Makel, unter seinen Regeln ist eine Niederlage des Ausnahmeboxers praktisch ausgeschlossen.
Das Beispiel Floyd Mayweather – Conor McGregor hat gezeigt, dass der pure Sensations-Faktor die Kassen trotzdem klingeln lassen würde. (HINTERGRUND: So viel Geld floss bei Mayweather vs. McGregor)
Großes Interesse daran hat neben Fury und Ngannou auch das US-Sportimperium ESPN, bei dem sowohl Fury als auch die UFC unter teuren Verträgen stehen. Man darf also davon ausgehen, dass die Bosse des Senders hinter den Kulissen darauf hinwirken werden, Verhandlungshindernisse zwischen den Parteien abzuräumen.
Und sollte Fury seinen eher halbherzigen Rücktritt vom Boxen irgendwann wieder zurücknehmen, hätte hinterher auch der potenzielle Vereinigungskampf gegen des Sieger des Rückmatches zwischen Oleksandr Usyk und Anthony Joshua noch mehr Vermarktungs-Wumms.
Am Mittwochabend hatte der Brite seine Rücktritts-Erklärung bei Piers Morgan Uncensored on TalkTV zwar bekräftigt (“Es ist die Wahrheit, die Gospel-Wahrheit, nichts als die Wahrheit – ich bin durch“.)
Trotzdem: Die Fans von Tyson Fury müssen sich wohl keine Sorgen machen, dass es ruhig um ihn wird.