Louis van Gaal grollte. Der neue Trainer von Manchester United nutzte eine Pressekonferenz in Los Angeles zum Angriff. Er wollte jedem klar machen, dass diese US-Tour nicht auf seinem Mist gewachsen war.

„Wir haben die kommende Saison vorzubereiten. Und wenn so viele Sponsoren- und Werbetermine anstehen, die Spieler viel fliegen müssen und einen Jetlag bekommen, dann ist das nicht gut“, sagte van Gaal.

Der Niederländer hat erst vor einer Woche seinen Dienst bei ManUnited angetreten, schon gibt es den ersten Ärger. Doch die Klubeigner um Joel Glazer könnten den eigenwilligen Trainer besänftigen.

Der US-Unternehmer müsste sich in etwa einfach so verhalten wie ein reicher Vater gegenüber seiner bockigen Teenagertochter: Bekommt van Gaal Geld, könnte er sich den Frust durch Shopping abbauen.

942 Millionen Euro vom Ausrüster

Die Bedingungen dafür sind glänzend: Finanziell ist der englische Rekordmeister zuletzt in neue Dimensionen vorgestoßen. Der neue Ausrüster zahlt bis zum Jahr 2025 umgerechnet 942 Millionen Euro, um die „Red Devils“ einkleiden zu dürfen. Zudem gibt’s vom Trikotsponsor rund 60 Millionen Euro pro Saison.

Zuletzt hieß es in englischen Medien, van Gaal dürfe 200 Millionen Euro für den Umbruch ausgeben. „Finanziell sind wir sehr stark, wir haben noch Geldmittel zur Verfügung“, sagte Manchesters stellvertretender Vorsitzender Ed Woodward zuletzt im vereinseigenen TV.

Große Investitionen scheinen nach der desaströsen Vorsaison unausweichlich. Das überalterte United-Team landete in der Liga nur auf Platz sieben. Im Europapokal sind Wayne Rooney und Co. deshalb nur Zuschauer.

Vidic, Evra und Ferdinand weg

Die ersten Konsequenzen hat United gezogen. Viele Routiniers mussten den Klub verlassen: Patrice Evra spielt künftig für Juventus Turin, Nemanja Vidic für Inter Mailand und Rio Ferdinand für die Queens Park Rangers.

Zudem beendete Ryan Giggs mit 40 Jahren seine Karriere und ist nun van Gaals Assistent.

 

Vidal als möglicher Kracher

Nach Shaw und Herrera warten die United-Fans nun auf einen richtigen Kracher: Arturo Vidal wäre einer. Der Chilene plant offenbar seinen Abschied von Juventus Turin. Manchester soll ein Angebot über 54 Millionen Euro abgegeben haben. Bei dieser Summe könnten die Italiener schwach werden.

Für den Angriff ist Edinson Cavani ein Topkandidat. Das berichtet zumindest „The Independent“. Allerdings dürfte der Uruguayer nicht billig sein. Schließlich hat Paris St. Germain für den Angreifer erst vor einem Jahr 64,5 Millionen Euro an den SSC Neapel gezahlt. Doch solch eine Summe sollte van Gaal nicht abschrecken.

Natürlich hat der ehemalige Bondscoach auch Landsleute auf seiner Liste: Daley Blind von Ajax Amsterdam oder Stefen de Vrij von Feyenoord Rotterdam könnten die United-Abwehr verstärken. Dort sind nach den Abgängen von Evra, Ferdinand und Vidic gleich mehrere Planstellen frei.

BVB und Bayern ohne Interesse

Auch Mats Hummels galt als Kandidat für die Defensive. Doch in der Bundesliga hat scheinbar keiner Interesse an Verhandlungen mit van Gaal.

Borussia Dortmund will weder Hummels noch Marco Reus ziehen lassen. „Ich kann allen versichern, dass es keinerlei Anzeichen gibt, dass die beiden weg wollen“, erklärte BVB-Coach Jürgen Klopp zuletzt.

Auch von seinem Ex-Klub FC Bayern wird van Gaal keine Spieler bekommen. Toni Kroos bevorzugte einen Wechsel zu Real Madrid. Arjen Robben und Thomas Müller haben langfristige Verträge in München.

Es van Gaals Dilemma: Der 62-Jährige kann bei seinem neuen Verein viel Geld ausgeben. Doch auch wenn der Eindruck beim Blick in Englands Presse oft ein anderer ist: Nicht alle Kaufhäuser sind für ihn geöffnet.