Von Denis de Haas
München – Auf der Anzeigetafel im Santiago Bernabeu standen die Namen der Stars: Cristiano Ronaldo, Gareth Bale, Karim Benzema und Toni Kroos – sie alle durften im Spanischen Supercup für Real Madrid beginnen.
Auch die Bank war mit reichlich Prominenz bestückt. James Rodriguez und Angel di Maria kamen gegen den Stadtrivalen Atletico später in die Partie.
Der Name Sami Khedira fehlte. Mal wieder. Der Weltmeister verfolgte das 1:1 von der Tribüne aus. Wie schon beim Erfolg im Europäischen Supercup stand Khedira nicht im Kader.
Die erneute Verbannung zeigt: Khediras Zeit beim Champions-League-Sieger ist abgelaufen.
Die Spekulationen um einen Abschied gibt es schon länger. Weil Real in der Sommerpause die WM-Stars Kroos und James verpflichtete, schien für den früheren Stuttgarter kein Platz mehr im Starensemble zu sein.
Mit den beiden Zugängen sowie Xabi Alonso, Luka Modric, dessen Vertrag am Dienstag sogar verlängert wurde, Angel di Maria, Isco und eben Khedira balgen sich sieben Stars um drei Plätze im Mittelfeld. Das ist selbst für einen Klub wie Real ein Überangebot.
Carlo Ancelotti versuchte die Abwanderungsgerüchte zuletzt noch mit einem Plädoyer für den 27-Jährige abzubügeln.
?Khedira ist ein Spieler von Real Madrid, denn er hat einen Vertrag bis 2015. Er arbeitet, um Real dabei zu helfen, Titel zu gewinnen?, sagte der der italienische Trainer vor einer Woche.
Doch auf der Tribüne kann der deutsche Nationalspieler kaum Titel gewinnen. Ancelottis Aussage dürfte einen anderen Hintergrund haben: Er will die eine ordentliche Ablösesumme für Khedira erzielen.
Denn der Marktwert des Mittelfeldspielers ist trotz des WM-Titels gesunken. Seine Wadenverletzung vor dem Endspiel gegen Argentinien dürfte eine Rolle gespielt haben.
Für einen Spieler, der beim Finale auf dem Platz steht, kann ein Verein schließlich mehr Geld verlangen, als für einen, der nur zuschaut.
Ein Endspiel-Einsatz verbessert auch die Verhandlungsposition bei Vertragsgesprächen. Hier soll sich Khedira verzockt haben. Real war offensichtlich bereit zu verlängern, wollte die zu hohen Gehaltsforderungen des Spielers aber nicht erfüllen.
Khedira suchte nach einer Alternative, aber auch bei Gesprächen mit dem FC Arsenal hat er sich offenbar verpokert. Letztendlich soll Berater Jörg Neubauer seinen Schützling beim FC Bayern angeboten haben.
Das berichtet der für gewöhnlich gut informierte US-Nachrichtensender „ESPN“.
Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer würde dieser Transfer gefallen. „Diese Sechser-Position spielt er unglaublich stark. Entweder mit Schweinsteiger oder Lahm zusammen. Das wäre perfekt“, sagte der 68-Jährige der „Sport Bild“.
Pep Guardiola denkt allerdings anders. Der Spanier schätzt taktische Flexibilität und fordert diese von seinen Spielern ein. Diese scheint Guardiola bei Khedira nicht zu sehen. Nach SPORT1-Informationen ist der Nationalspieler deshalb kein Thema in München.
Bis zum 1. September kann Khedira noch wechseln. Dann schließt das Transferfenster. Vor einem Jahr gab Real am Schlusstag noch einen Spieler ab: Mesut Özil wechselte damals für 50 Millionen Euro zum FC Arsenal.
Diesen Preis wird Real für Khedira wohl nicht mehrbekommen.
Mittlerweile wird Khedira mit dem AC Florenz und Tottenham Hotspur in Verbindung gebracht, wo er bestensfalls in der Europa League wirken kann. Es sind nicht gerade die Adressen, die in der Karriereplanung eines 27 Jahre alten Weltmeisters auftauchen.